Kiefer Sutherland als Jack Bauer in der achten und letzten Staffel von "24" Foto: Twentieth Century Fox

Ein Gespräch mit Kiefer Sutherland über das Ende von "24", die Zukunft und das Amerika der Gegenwart.

Stuttgart - Jetzt läuft die achte und letzte Staffel von "24". Eine Serie, die das Echtzeitkonzept einführte und nebenbei auch die Karriere des Schauspielers Kiefer Sutherland rettete. Ein Gespräch über das Ende, die Zukunft und das Amerika der Gegenwart.

Hallo, Herr Sutherland. Wahrscheinlich dürfen Sie mir die Frage nicht beantworten: Wird Jack Bauer bald sterben? Das kann ich Ihnen wirklich nicht sagen.

Aber bis zum Film, den es ja geben soll, wird er noch leben? Das heißt ja nicht, dass der Film nicht ein Prequel sein könnte.

Stimmt. Jack Bauer hat in der Serie „24“ sehr, sehr viele Leben gerettet. Würden Sie sagen, dass Jack Bauer Ihr Leben gerettet hat? Das ist natürlich sehr gewagt, diese Frage. Meinen Sie, dass mich Jack Bauer als Person gerettet hat?

Nein, aber aus beruflicher Sicht. Aus dieser Perspektive bestimmt. Jack Bauer hatte den größten Einfluss auf meine Karriere. Als ich angefangen habe als Schauspieler, wurde einem empfohlen, nicht zu viel zu arbeiten und zu viele Filme zu machen. Dann kam auf einmal diese Hauptrolle. Ich habe die folgenden neun Jahre fünf Tage die Woche, 14 Stunden am Tag und zehneinhalb Monate im Jahr gearbeitet. Ich habe das Gefühl, ich hatte das perfekte Training für mich als Schauspieler. Die Rolle des Jack Bauer hat mich insofern sehr weit gebracht, ja.

Sind Sie traurig, dass es jetzt vorbei ist? Sehr. Auch wenn wir einen Film machen werden, in dem ich noch einmal Jack Bauer spielen darf, ist die Zeit von "24" vorbei. Es war einer der schwierigsten Tage in meinem Leben, als ich mich von den 125 Leuten verabschieden musste, mit denen ich täglich über so lange Zeit zusammengearbeitet habe. Das war viel härter, als ich es mir vorgestellt habe.

Aber irgendwann ist es an der Zeit, eine Serie wie "24" zum Abschluss kommen zu lassen. Wann genau ist der richtige Moment? Wir haben das Gefühl, dass die achte Staffel das Beste ist, was wir je gemacht haben. Und genau dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen aufzuhören: Wenn dir nichts Besseres mehr einfällt.

Hätten Sie gedacht, dass „24“ so erfolgreich sein würde? Nein, so arrogant bin ich auch wieder nicht. Niemand beginnt mit den Dreharbeiten und denkt sich, was für ein Erfolg das werden wird. Jeder hofft das natürlich, und manchmal kappt es. Aber da muss schon ganz schön viel zusammenkommen: die richtigen Drehbuchschreiber, die richtigen Schauspieler, eine gute Story, das richtige Publikum dafür – und das alles zur richtigen Zeit. Das ist etwas ganz Seltenes. Das ist das Einzige, was ich weiß.

Würden Sie sagen, dass "24" mit seinem Echtzeitkonzept das amerikanische Fernsehen verändert hat? Ich würde das nicht allein "24" zuschreiben. Aber wir sind sicher Teil von etwas gewesen, was das Fernsehen verändert hat. Man muss da schon mehrere Serien miteinbeziehen.

Welche denn?Serien wie "West Wing", "Die Sopranos" oder "The Wire". Und auch "Sex and the City", "NYPD Blue" und "Emergency Room". In den vergangenen 15 Jahren hat sich das Fernsehen verändert. Ich glaube, dass viele Formate nicht mehr als Film produziert werden, sondern jetzt im Fernsehen landen. Und das Fernsehen wirkte auf einmal auch auf Schauspieler wie mich attraktiv.

"Ich stehe politisch so links, wie es nur geht."

Niemand kennt Jack Bauer besser als Sie. Gibt es etwas, das Sie an ihm nicht leiden können? Eigentlich nicht. Es gibt Momente, in denen er erfolgreich ist. Und welche, in denen er es nicht ist. Er hat den Präsidenten David Palmer und seine Tochter gerettet , aber seine Frau musste sterben. Nur wegen ihm. Was ich an dem Charakter mag, ist, dass man sich auf ihn verlassen kann. Egal in welcher Situation er sich befindet, wird er alles Menschenmögliche unternehmen, um das Richtige zu tun. Er versucht es zumindest.

Jack Bauer wurde bisweilen als Archetyp der Bush-Regierung bezeichnet. Ich weiß nicht, woher das kommt. Jack Bauer war nie als politischer Charakter angelegt. Ich stehe politisch so links, wie es nur geht. Auch der Drehbuchschreiber Howard Gordon ist links, der Drehbuchschreiber Joel Surnow steht eher rechts. "24" war also politisch ausgeglichen. Uns haben sogar die Clintons angerufen, um zu sagen, dass "24" ihre Lieblingsserie ist. Auch Barack Obama sagt das. Die Serie wurde von Politikern politisiert.

In "24" gab es mit David Palmer den ersten schwarzen Präsidenten. In der siebten Staffel ist eine Frau Präsidentin. Ist Amerika denn bereit für eine Frau an der Spitze? Die Amerikaner waren schon vor der letzten Wahl dafür bereit, sie haben sich eben nicht dafür entschieden. Wenn diese Wahl etwas gezeigt hat, dann doch, dass die Wahrnehmung von Amerika gebrochen wurde. Amerika kann progressiv sein. Aber es ist eben ein Land mit über 300 Millionen Menschen – und kann sich nicht allzu schnell verändern.

Sie wurden von der Militärakademie West Point eingeladen, um den Soldaten zu erklären, dass die Folterszenen in "24" nicht in der Realität umgesetzt werden sollten. Ich habe diese Einladung nie angenommen. Wenn die Armee den Soldaten nicht erklären kann, was der Unterschied zwischen einer TV-Show und der realen Welt ist, müssen sie ihre Ausbildung überdenken.

Was planen Sie als Nächstes? Ich drehe den Film "Melancholia" mit Lars von Trier.

Und danach? Hoffentlich den "24"-Film.

Sie müssten ja nicht mehr viel arbeiten. Es heißt, dass Sie 40 Millionen Dollar für drei Staffeln bekommen haben und somit der bestbezahlte TV-Schauspieler sind. Das ist nicht wahr. Nicht einmal annähernd.

Man liest derzeit vieles über Sie. Was stimmt? Vieles ist nicht wahr, damit muss ich leben. Die Fakten werden nicht mehr gecheckt. So ist das eben.

Noch eine private Frage: Ist es ein Fluch oder ein Segen, einen so erfolgreichen Vater zu haben? Für mich ist es natürlich ein Segen. Er ist einer der talentiertesten Schauspieler und einer der tollsten Männer, die ich kenne.

Mag er "24"? Ja, das hat er zu mir gesagt.

Jeder Vater würde das wahrscheinlich sagen. Ja, das stimmt. Dann müssen Sie ihn schon selbst fragen.
 

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