Abdenour Amachaibou will mit den Kickers noch große Sprünge machen. Foto: Baumann

Unter Sportdirektor Guido Buchwald stand Abdenour Amachaibou schon einmal kurz vor dem Wechsel zu den Stuttgarter Kickers – im zweiten Anlauf im Sommer hat es nun geklappt.

Stuttgart - Die Stuttgart Kickers haben in ihrer langen Historie schon Spieler aus vielen Nationen gehabt, nach Mourad Bounoua Ende der 1990er-Jahre ist wieder mal ein Marokkaner dabei: Willkommen Abdenour Amachaibou. Wobei das ja nur die halbe Wahrheit ist. Die Eltern des 31-Jährigen stammen zwar aus Nordafrika, doch der in Düren geborene Fußballer selbst hat einen deutschen Pass. Was im Sport aber nichts heißen muss, denn gespielt hat der Fußballprofi auch schon fürs Heimatland der Eltern. In der U 21 war das, nachdem er zuvor sämtliche Jugendmannschaften im DFB durchlaufen hatte, wobei ihm Trainer Horst Hrubesch besonders in Erinnerung blieb: „Er hat die Gabe zu wissen, wie er mit jedem Spieler umzugehen hat und aus jedem das Maximum rausholt.“

Dennoch wechselte er die Farben: „Ich hatte die Hoffnung, dass es für Marokko einfacher ist, Nationalspieler zu werden.“ Die Rechnung ging nicht auf. Warum? Ganz einfach, die Konkurrenz war zu groß. „Die anderen haben fast alle erste Liga gespielt.“ In Deutschland, Frankreich, Belgien.

Doppelpack beim Sieg in Backnang

Vergessen. Heute spielt Amachaibou nur fünfte Liga – bei den Kickers, die zuletzt sieben Siege in Folge eingefahren haben. „Wenn’s läuft, dann läuft’s“, sagt der Offensivmann, der mit seinen beiden Treffern zum 2:0-Sieg bei der TSG Backnang die Kickers erstmals in dieser Saison an die Spitze geschossen hat. Eine Momentaufnahme. „Wichtig ist, dass wir am Ende vorne sind“, sagt der Spieler. Doch inzwischen greifen die Mechanismen, macht sich die Trainingsarbeit mit sechs Einheiten die Woche und professioneller Vorbereitung (Stichwort Videostudium) bemerkbar.

Cheftrainer Tobias Flitsch im Videointerview über den bisherigen Saisonverlauf und das anstehende Spiel gegen die TSG Backnang.

Das war zu Beginn noch anders, aber nicht verwunderlich bei so vielen Neuen. Die haben sich gefunden, auch außerhalb des Platzes. „Das ist wichtig. Wir unternehmen viel zusammen, gehen Essen oder ins Kino.“ Der Kapitän Josip Landeka hat den Kontakt zu den Kickers geknüpft, mit Sturmpartner Mijo Tunjic hat Amachaibou schon zwei Jahre in Unterhaching zusammen gespielt und mit Lhadji Badiane geht er regelmäßig freitags in die Moschee. Als gläubiger Moslem. Seine Herkunft hat ihn nur einmal in seiner Karriere zögern lassen, als ein Angebot aus Israel kam. „Aber ich habe mir das vorab angeschaut, es gab keine Probleme“, sagt er zu dem Gastspiel bei Maccabi Ironi Kiryat. Dass das nach einem halben Jahr vorbei war, hatte rein sportliche Gründe. Der Verein aus der Nähe von Haifa stieg in die zweite Liga ab. Auf diesem Niveau spielte Amachaibou dann doch lieber Deutschland.

In Dortmund war die Konkurrenz zu groß

Sogar bei den Kickers stand er schon kurz vor der Unterschrift, unter Trainer Dirk Schuster und Sportdirektor Guido Buchwald, entschied sich dann doch für die zweite Liga. Die Liste ist lang: Alemannia Aachen, Fortuna Köln, Türkiyemspor Berlin, Spvgg Unterhaching, Jahn Regensburg, Preußen Münster, zuletzt Teutonia Watzenborn, da hat man schnell den Ruf eines Wandervogels weg. Doch Amachaibou stellt klar: „Ich wäre öfter gerne länger geblieben, doch ich muss mich wohlfühlen und manchmal passt es eben nicht.“ Finanziell oder sportlich. So wie bei Borussia Dortmund, wo er in der Jugend, zweiten Mannschaft und dem Bundesligateam stand, aber dort nicht spielte. Unter Coach Bert van Marwijk gab es zu viele Alternativen, also zog er die Konsequenzen: „Als junger Spieler muss man spielen, um sich weiter zu entwickeln.“

Ein Schritt zurück kann manchmal einer nach vorne sein. Das gilt auch für die Kickers. Folgt dem Abstieg der Aufstieg? Ein Sieg am Samstag (14 Uhr) gegen die SGV Freiberg würde die Blauen einen Schritt näher bringen. Beim Sprung in die Regionalliga verlängert sich der Vertrag. So weit ist es noch nicht. „Im Frühjahr müssen wir vorne dabei sein“, lautet Amachaibous Ziel. Dann wird er kürzer treten. Aber nur beim Essen, wegen Ramadan.

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