Kickers-Abwehrchef Feisthammel: „Wir müssen richtig eklig sein“

Von Jürgen Frey 

Heiß aufs Derby: Die Kickers-Neuzugänge Tobias Feisthammel (re.) und Michael Klauß, die beide schon für den VfB II am Ball waren. Foto: Baumann
Heiß aufs Derby: Die Kickers-Neuzugänge Tobias Feisthammel (re.) und Michael Klauß, die beide schon für den VfB II am Ball waren. Foto: Baumann

Im Hinspiel trug Tobias Feisthammel noch den Dress des VfB Stuttgart II. An diesem Samstag (15.30 Uhr/Sport 1) im Gazistadion will der Kickers-Neuzugang alles dafür tun, das 1:5 aus der Vorrunde vergessen zu machen: „Ich werde mich zerreißen“, sagt der Abwehrchef der Blauen.

Stuttgart - Insgesamt 17 Jahre lang spielte Tobias Feisthammel für den VfB Stuttgart II. An diesem Samstag (15.30 Uhr/Sport 1 live) trägt der Innenverteidiger erstmals in einem Stadtderby den Dress des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers. Ein Sieg mit den Blauen wäre ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk für den gebürtigen Reutlinger, der an diesem Donnerstag 30 Jahre alt wird.

Herr Feisthammel, erinnern Sie sich noch an den 2. September 2017?
Vermutlich war an diesem Tag das Hinrunden-Stadtderby zwischen den Kickers und dem VfB II.
Sie trugen beim 1:5-Debakel der Kickers noch den VfB-Dress.
Das war aus damaliger Sicht natürlich ein nahezu perfekter Tag für mich und die komplette VfB-Mannschaft. Wir haben damals ein sehr gutes Spiel gemacht, wobei die Kickers nicht so viel schlechter waren wie das Resultat vermuten lässt. Das Ergebnis ist definitiv zu hoch ausgefallen.
Zwölf Minuten vor Schluss stand es noch 1:2.
Genau. Dann haben Benedict dos Santos und zweimal Pascal Breier das Ergebnis noch auf 5:1 hoch geschraubt.
An diesem Samstag ist Benedict dos Santos verletzt, Doppel-Torschütze Pascal Breier genauso wie Joel Sonora und Sie nicht im VfB-Team. Müsste doch ein Vorteil sein für die Kickers.
Natürlich fehlt dem VfB II jetzt etwas an Qualität und Erfahrung. Aber der VfB hat so viele gute, fußballerisch hervorragend ausgebildete junge Spieler, die ich eineinhalb Jahre in jedem Training erlebt habe. Sie werden es uns bestimmt nicht einfach machen.
Zumal der VfB II ganz gut aus der Winterpause kam.
Ja, vor allem das jüngste 0:0 beim starken SC Freiburg II ist ein super Ergebnis für die Jungs. Die Mannschaft ist jedenfalls nicht viel schlechter als in der Vorrunde.
Hat Sie Kickers-Coach Paco Vaz schon nach ein paar Tipps befragt?
Bisher nicht, vielleicht kommt es noch. Aber er hatte ja selbst ein Gastspiel in Cannstatt und war zwischenzeitlich dort U-19-Trainer und kennt das Team sehr gut.
Auf was kommt es für die Kickers in dem Derby an?
Auf die absolute Galligkeit und Gier. Wir müssen richtig eklig sein, ohne unfair zu spielen. Wir müssen giftig in die Zweikämpfe gehen, mit einer gesunden Aggressivität. Wir dürfen gegen die sehr, sehr gute Offensive des VfB nicht viel zulassen.
In der Nicolas Sessa aus dem Profikader der Dreh- und Angelpunkt ist?
Er kann schon den Unterschied ausmachen, wenn man ihn gewähren lässt. Man muss versuchen, ihm die Lust am Fußball zu nehmen. Aber auch Jan Ferdinand und Caniggia Elva, der im Hinspiel die ersten beiden Tore beisteuerte, sind starke Stürmer.
Sie waren insgesamt 17 Jahre auf dem Cannstatter Wasen. Wie oft habe Sie mit einem anderen Club überhaupt gegen den VfB gespielt?
(überlegt). Also mit dem MSV Duisburg in der dritten Liga. Da habe ich sogar ein Tor gemacht. Und mit der SV Elversberg gab es ein Testspiel im Schlienzstadion, da ist mir ebenfalls ein Treffer gelungen.
Ein gutes Omen für Samstag?
Schön wär’s. Aber wichtiger wäre mir, dass wir hinten keinen Gegentreffer bekommen. Dafür bin ich zu allererst in der Winterpause geholt worden.
Es ist Ihr erstes Stadtderby im Kickers-Dress.
Ja, und ich freue mich riesig darauf, zumal das Derby auch noch live im Fernsehen übertragen wird. Ich werde mich zerreißen, und alles dafür tun, dass wir gegen mein altes Team gewinnen.
Habe Sie noch Kontakt zu Ihren früheren Mitspielern?
Sicher. Mit sechs, sieben Spielern.
Läuft schon eine Wette?
Nein, der Typ bin ich nicht.
Wie fällt Ihr bisheriges Fazit bei den Kickers aus?
Insgesamt ganz gut. Bei unserem 3:0 in Koblenz haben wir ab der 15. Minute richtig gut gespielt und auch verdient gewonnen. Beim anschließenden 0:3 in Mannheim sind wir von Beginn an nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen, deshalb hatte es Waldhof dann auch zu einfach. Entscheidend ist aber, dass wir gegen die direkten Konkurrenten gewinnen. Bisher waren wir noch nicht so weit, um die Spitzenteams zu bezwingen.
Wo müssen sich die Blauen noch steigern?
In allem. Es gibt immer Luft nach oben.
Bei einem Sieg wären die Kickers auf vier Punkte am VfB II dran.
Das zu schaffen, ist unser Ziel. Damit würden wir den VfB II vielleicht nicht in den Abstiegsstrudel ziehen, aber wir wären zumindest auf Schlagdistanz.
Was halten Sie als langjähriger VfB-II-Spieler persönlich davon, dass die Bundesligareserve künftig als U21 startet?
Ich persönlich finde es gut, dass das Team nicht abgemeldet wird. Es wird aber schwierig, mit nur ganz jungen Spielern den Klassenverbleib zu schaffen. Vielleicht bleibt ja aber auch ein älterer Spieler wie der in der Winterpause verpflichtete Lukas Kiefer. Das weiß ich nicht. Ich weiß nur eines: Als ich aus der A-Jugend rauskam, habe ich als junger Spieler sehr von erfahrenen Kräften wie Marijan Kovacevic oder Dubravko Kolinger profitiert. Das tat meiner Entwicklung sehr gut.
Was tippen Sie für Samstag?

Wir gewinnen. 1:0 oder 2:1. Ich hoffe natürlich auf viele Kickers-Fans, die dieses von der Papierform her Auswärtsspiel zu unserem Heimspiel machen. Diese Unterstützung ist ein großer Vorteil, wobei ich auch weiß, dass es die VfB-II-Spieler anstachelt, wenn alle gegen sie sind. Da müssen wir von der erste Sekunde an richtig dagegenhalten.

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