Im Jahr 2020 ging in Stuttgart der Supercomputer „Hawk“ an den Start. Die neuen Rechner sind noch leistungsfähiger. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Ohne Künstliche Intelligenz geht in der Wirtschaft und Forschung nichts mehr. Nun fördert die EU den Aufbau einer sogenannten KI-Fabrik an der Universität der Landeshauptstadt.

In Sachen Computerforschung zählt Stuttgart seit Jahrzehnten zu den ersten Adressen Europas. Schon 1986 bewilligte der damalige Ministerpräsident Lothar Späth das Geld für einen sogenannten Cray-2-Supercomputer und begründet damit den Ruf Stuttgarts als Zentrum für Hochleistungsrechnen. Damit war der Startschuss für ein Wettrennen nach immer mehr Rechnerleistung gefallen. Zehn Jahre danach legte Ministerpräsident Erwin Teufel nach und eröffnete das Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS) an der Universität Stuttgart. Damals lief bereits die Entwicklung eines neuen Cray-Supercomputers, der am Ende zu den schnellsten der Welt zählte, heute den Experten aber wohl nur ein müdes Lächeln abringen würde. Inzwischen wird die Leistung solcher Anlagen in Billiarden beziehungsweise Trillionen Rechenoperationen pro Sekunde gemessen. Eine Trillion ist eine Zahl mit 18 Nullen.

 

Nun hat Stuttgart erneut die Chance, in Sachen Supercomputer in die Weltelite vorzustoßen. Der Standort ist bereits Teil eines europäischen Netzwerkes von insgesamt 13 sogenannten KI-Fabriken. Das Projekt in Stuttgart trägt den Namen „HammerHAI“ und ist weit mehr als ein Computer. Es handelt sich um ein integriertes Ökosystem aus Dienstleistungen, Schulungen und Partnerschaften. So können etwa Betriebe und Start-ups ihre eigenen Daten in das System einspeisen, die dann durch die Supercomputer am HLRS analysiert werden. Möglich ist auch die Datenaufbereitung bis zum Einsatz von KI-Modellen in großem Maßstab. Aber auch eine sichere Datenspeicherung ist durch die Supercomputer möglich – ein Punkt, der für europäische Unternehmen angesichts der Spannungen mit den USA immer wichtiger wird.

Um in Sachen Künstlicher Intelligenz den Abstand zu den USA und China zu verringern, plant die EU darüber hinaus die Einrichtung von sogenannten KI-Gigafabriken. Diese Großanlagen sollen eine Rechenleistung und Rechenzentren zusammenführen, um komplexe KI-Modelle zu trainieren und zu entwickeln. In der Forschung und der Industrie werden die Modelle für hochkomplexe Simulationen oder zur Steuerung von Raketen und Satelliten benötigt.

Die Kosten für eine Gigafactory liegen nach Angaben der EU zwischen drei und fünf Milliarden Euro. Mehr als ein Drittel der Summe würde von Brüssel bezuschusst werden, die Finanzierung soll aber großteils durch privates Kapitel erfolgen. Man spricht von Öffentlich-privaten-Partnerschaften.

Auch im nordrhein-westfälischen Standort Jülich am Forschungszentrum Hessian AI hofft man auf den Zuschlag für die KI-Gigafabrik. Für Stuttgart spricht in den Augen von Experten aber die bestehende Infrastruktur und die Vernetzung. Partner für „HammerHAI“ sind neben der Universität Stuttgart etwa das Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen, das Beratungsunternehmen SICOS BW GmbH und das renommierte Karlsruher Institut für Technologie (KIT).