Blick von oben: So soll das Campus-Gelände in Heilbronn nach den Plänen des IPAI in Zukunft einmal aussehen. Foto: IPAI/MVRDV

Mit dem Spatenstich für den IPAI-Campus in Heilbronn startet eines der ambitioniertesten Technologieprojekte Europas. Warum das Land jetzt auf das Projekt schaut.

IPAI-Chef Moritz Gräter denkt groß. Sehr groß. „Mit dem Spatenstich kommt IPAI seiner Vision einen entscheidenden Schritt näher, hier in Baden-Württemberg Europas größte Plattform für KI mit internationaler Schlagkraft aufzubauen“, erklärt er. Der Anspruch ist klar: Heilbronn soll zum zentralen Standort für angewandte Künstliche Intelligenz werden. An diesem Dienstag wird im Beisein von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mit einem offiziellen Spatenstich der Grundstein im Areal Steinäcker gelegt.

 

Die Liste der geladenen Politiker ist lang: Auch Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Forschung in Berlin, und Karsten Wildberger (CDU), Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, haben ihre Teilnahme zugesagt. Baden-Württembergs stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl sowie Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (beide CDU) werden ebenfalls dabei sein, ebenso der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel. Der Innovationspark Künstliche Intelligenz (IPAI) erwartet zudem rund 250 weitere hochrangige Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Woher das Geld für den KI-Campus in Heilbronn kommt

Finanziert wird das Vorhaben vom Land Baden-Württemberg, der Dieter-Schwarz-Stiftung, den Unternehmen der Schwarz-Gruppe sowie der Stadt Heilbronn. Stiftung und Land stellen jeweils 50 Millionen Euro als Anschubfinanzierung zur Verfügung, weitere Investitionen fließen aus den Unternehmen der Schwarz-Gruppe. Wie viel genau, darüber wird bislang geschwiegen.

IPAI-Chef Moritz Gräter hat große Visionen für Heilbronn (Archivbild). Foto: Avanti/Ralf Poller

Das Projekt ist ehrgeizig: Auf rund 30 Hektar entsteht ein Campus, der künftig Platz für rund 5000 Menschen bieten soll, die in unterschiedlichsten Bereichen rund um KI forschen und arbeiten. Der Baustart ist für Ende dieses Jahres geplant, die ersten Gebäude des ersten Bauabschnitts sollen Ende 2027 fertig sein, wie Moritz Gräter im Juli gegenüber unserer Zeitung erklärte. Der IPAI will das relevanteste KI-Ökosystem Europas werden – das betont Gräter bei jeder Gelegenheit. Das vielleicht ehrgeizigste Technologieprojekt Europas. Dabei zieht auch die Architektur der geplanten Gebäude Aufmerksamkeit auf sich. „Unser Ziel ist es, einen ikonischen Ort zu schaffen“, sagte Gräter mit Blick auf die Pläne. Futuristisches Design, ein runder Campus, all das eingebettet in viel Grün. Doch nicht nur klassische Unternehmensgebäude und Labore sollen hier entstehen, auch eine Kita und ein Wohngebäude – gewissermaßen ein zusätzliches Stadtviertel. Im Zentrum entsteht das Kommunikationszentrum mit verspiegelter Fassade. Die Idee: Wer hier vorbeigeht, erkennt sich selbst. Auch die Architektur soll verdeutlichen: Hier entsteht nicht nur ein Bürokomplex, sondern eine Vision.

„Ikonischer Ort“ wird wie ein zusätzliches Stadtviertel für Heilbronn

In kurzen Abständen verkündet das IPAI schon heute immer wieder die Beteiligung weiterer relevanter Partner. Erst vor Kurzem die große Nachricht: Auch das Chip-Forschungszentrum imec lässt sich in Heilbronn am IPAI nieder.

Trotz der Erfolge äußern sich öffentlich immer wieder Zweifler der großen Vision. Vor allem deshalb, weil der Spatenstich in eine Zeit fällt, in der Baden-Württemberg mehrere KI-Schwerpunkte gleichzeitig vorantreibt. Neben Heilbronn spielt etwa auch das Cyber Valley in Tübingen eine Schlüsselrolle. Es ist der erste Innovationscampus im Land, gestartet im Jahr 2016 als Initiative von Land, Wissenschaft und Wirtschaft. Aber auch an zahlreichen Universitätsstandorten in Deutschland wird das Thema vorangetrieben. IPAI und Cyber Valley betonen ihre Zusammenarbeit und haben bereits vor zwei Jahren eine Vereinbarung geschlossen: Das Cyber Valley konzentriert sich auf die Forschung, IPAI auf die Anwendung.

Zuletzt wurde etwa im „Handelsblatt“ die Frage aufgeworfen, ob verschiedene KI-Standorte im Land miteinander konkurrieren. Unter anderem wurde die Frage aufgeworfen, ob es nicht besser wäre, beide Ansätze an einem Ort zu bündeln, um Synergien besser zu nutzen? Mit dem offiziellen Baustart dürfte diese Diskussion neuen Schwung erhalten.

Offene Fragen rund um Lidl-Gründer Dieter Schwarz

Auch die Rolle des Unternehmers Dieter Schwarz bleibt weitgehend unklar. Laut „Forbes“ und dem „Manager Magazin“ ist er der reichste Deutsche. In Heilbronn gilt der 86-Jährige als Mäzen und Förderer. Über die genaue Höhe der Investitionen der Schwarz-Gruppe in das Projekt gibt das IPAI keine Auskunft, ebenso wenig über die strategischen Ziele, die Schwarz mit seinem Engagement verfolgt. Und auch andere öffentliche Äußerungen dazu gibt es kaum, Dieter Schwarz tritt im Allgemeinen sehr zurückhaltend auf. Auch wenn es den neuen Campus ohne ihn wohl kaum geben dürfte, sein Name findet sich bislang nicht auf der Gästeliste für den Spatenstich.