Sami Khedira, Philipp Lahm und Christian Gentner stellen sich und ihre Rolle beim VfB vor. Alles klar ist damit aber noch nicht.
Man ist es ja gewohnt aus den vergangenen Monaten, dass Sven Mislintat eine Art Sprachrohr des VfB Stuttgart ist. Zumindest, wenn es darum geht, das sportliche Geschehen einzuordnen. Diesmal aber war der Sportdirektor als Zuhörer gekommen.
Ganz hinten im Saal stand Sven Mislintat also, als ganz vorne der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle und der Präsident Claus Vogt jene Personen beim VfB begrüßten, die den Kompetenzbereich Sport in Zukunft ergänzen sollen. „Alle drei“, lobte Wehrle, „verfügen über herausragende Erfahrungen im Profifußball.“ Es sei „ein gutes Zeichen“ und „ein starkes Signal“, dass sich das Trio für den VfB entschieden habe. Der AG-Chef sprach von Sami Khedira, Philipp Lahm und Christian Gentner – die ehemaligen Stuttgarter Profis, so hatte es Wehrle schon am Sonntag auf der Mitgliederversammlung verkündet, werden künftig den VfB in differenzierter Weise unterstützen.
Auch bei der Kaderplanung könnten Lahm und Khedira beraten
Die Rolle der beiden Weltmeister von 2014, Khedira und Lahm, unterscheidet sich dabei von der Gentners. Das Duo soll direkt Alexander Wehrle beraten und unterstützen. Zuvorderst in sportlichen Fragen, da der Vorstandsvorsitzende ja zugleich das Amt des Sportvorstands der VfB AG innehat. Das wird so bleiben, „wir wollen ein funktionierendes Konstrukt nicht stören“, sagte Vogt.
Art und Rhythmus des Austauschs sind noch offen. Vor allem Khedira betonte, sich viele Spiele des VfB live anschauen zu wollen. Öffentlich in Erscheinung treten und ins operative Geschäft eingreifen wollen beide aber nicht. „Das ist nicht unsere Aufgabe“, sagte Khedira, der als ehemaliger Jugendspieler des VfB mit dem Club 2007 Meister wurde und der den „Adlerblick von oben“ als sinnbildlich für seine künftige Funktion im Namen des Brustrings nannte.
Lahm, der aktuell Chef des Organisationskomitees der EM 2024 ist, ist „überzeugt, mit meiner Kompetenz helfen zu können“. Der VfB müsse dann „schauen, was er daraus macht“. Wehrle nannte strategische Fragen, die gemeinsam diskutiert würden. Aber auch in der Kaderplanung könnte der Rat der beiden Champions-League-Sieger gefragt sein.
Mislintat überrascht mit Aussage zu Vertragsverhandlungen
Das ist das Kerngeschäft von Sven Mislintat – und soll es auch bleiben. Erneut sprachen Wehrle und Vogt von Kontinuität und Kompetenz in diesem Bereich. Weshalb demnächst die Gespräche über eine Vertragsverlängerung anstehen. Bis Sommer 2023 gilt bislang der Kontrakt des Sportdirektors – und generell scheint es nach wie vor ein beiderseits großes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit zu geben.
Dass diese noch nicht fixiert ist, nervt zahlreiche Fans des VfB. Vorstandschef Wehrle verwies aber auch am Montag noch einmal auf den verabredeten Beginn der Verhandlungen nach der Transferperiode und der Mitgliederversammlung. Eher überraschend war am Tag zuvor die Aussage Mislintats in einem SWR-Interview, die Tage vor der Partie gegen den 1. FC Köln (28. August) wären ein passender Zeitpunkt gewesen. Da hatte sich das Transfergeschehen allerdings gerade zugespitzt – vor allem für den VfB.
Verkompliziert Gentners Position die Gespräche mit Mislintat?
Womöglich sprach da doch ein wenig die Verwunderung des Kaderplaners, dass er von den aktuellen Personalien des Vorstandes wohl eher kurzfristig vor deren Verkündung erfahren hat. Vor allem die Rolle von Christian Gentner ist ja auch direkt in seinem bisherigen Zuständigkeitsbereich angesiedelt. Auf die Frage, wann und ob Mislintat eingebunden war, antwortete Wehrle am Montag stets ausweichend.
Via Instagram-Post begrüßte zwar auch Mislintat am Sonntagabend das neue alte VfB-Trio und versprach sich von ihm viele um weitere Perspektiven bereicherte Diskussionen. Wehrle gab sich zudem locker ob der Lage und ergänzte am Montag: „Entspannt euch! Wenn er es blöd fände, würde er nicht hier stehen.“ Gerade das Aufgabenfeld Gentners muss aber erst noch im Detail ausgearbeitet werden. Leiter der Lizenzspielerabteilung darf sich der ehemalige Kapitän ab dem 1. Januar 2023 nennen, in dieser Rolle, so sagte es Wehrle, „berichtet er an Sven Mislintat und Markus Rüdt“ (Direktor Organisation). Als „gute Ergänzung“ sieht der AG-Boss den derzeit noch in der Schweiz beim FC Luzern aktiven 37-Jährigen. Nah an der Mannschaft soll Gentner tätig sein.
Nah am Team und am Trainer – so interpretiert auch der aktuell vertraglich mit vielen Kompetenzen ausgestattete Mislintat seine Rolle. Weshalb die für Gentner neu geschaffene Position die Themenliste der anstehenden Gespräche zumindest erweitert, wenn nicht verkompliziert. Dass sie einfach werden, erwartet trotz viel Einigkeit nicht einmal Alexander Wehrle. „Wir sind beide keine angenehmen Gesprächspartner, wenn es um Verträge geht“, sagte der Vorstandsvorsitzende der VfB AG, „es gibt ein paar Dinge zu besprechen.“ Er werde sich ausreichend Zeit nehmen, bis eine für den VfB „richtig gute Lösung“ gefunden sei. Vermutlich werden die beiden die auch brauchen.