Khatia Buniatishvili fürs Gastland Georgien 2018 auf der Frankfurter Buchmesse Foto: imago//ven Simon

Die technisch starke georgische Pianistin Khatia Buniatishvili hat in Stuttgart einen begrenzten Interpretationsspielraum vorgeführt.

Stuttgart - Dass die Vermarktungsstrategien der Popmusik zunehmend auch die klassische Musikszene bestimmen, ist seit Langem offensichtlich. Nur ein toller Musiker zu sein reicht in der Regel nicht (mehr): Wer vor allem optisch nicht hinreichend attraktiv ist und auch biografisch wenig medial Verwertbares mitbringt, hat es heute schwer, bei den großen Plattenfirmen unterzukommen.

 

Die Pianistin Khatia Buniatishvili, Exklusivkünstlerin bei Sony Classical, ist ein Musterbeispiel dafür, wie heutzutage Klassikstars in Szene gesetzt werden. Nun lässt sich weder gegen rote Schmollmünder noch tiefe Ausschnitte etwas sagen, solange die Qualität der künstlerischen Darbietung nicht von Äußerlichkeiten tangiert erscheint.

Wird Klassik wie Pop vermarktet, kann das Folgen haben

Beim Klavierabend der 34-jährigen Georgierin im Stuttgarter Beethovensaal, einem Nachholtermin vom Mai letzten Jahres, konnte man freilich den Eindruck gewinnen, dass die Ausrichtung auf eine bestimmte Zielgruppe nicht nur programmatische, sondern auch interpretatorische Konsequenzen hat. Pointiert könnte man sagen, dass in ihrem Spiel zwei entgegengesetzte musikalische Ausdrucksbereiche dominieren: ein versunkener, sich in äußerster Subjektivität ergehender Quasi-Seelenton auf der einen und ein entfesselt virtuoses Auftrumpfen auf der anderen Seite. Dazwischen gibt es nicht viel.

Manche Stücke, wie Saties somnambul hingetupfte Gymnopédie Nr. 1, vertragen das ganz gut. Andere, wie das in Dauerrubati zerfließende Ges-Dur Impromptu Franz Schuberts oder Chopins Mazurka a-Moll op. 17 weniger. Grundsätzlich führt es dazu, dass nicht nur Strukturen eingeebnet werden wie in Chopins cis-Moll Scherzo, aber vor allem Stile.

Bach klingt bei ihr wie Chopin

Auf diese Weise zugerichtet klingt Bach dann kaum anders als Chopin, Couperin oder Liszt, was oberflächlichen Hörern vielleicht schnuppe sein mag, ernsthafte Musikliebhaber aber durchaus erstaunen kann. Das ist umso mehr schade, als Buniatishvili eine außergewöhnliche Pianistin ist, der technisch kaum Grenzen gesetzt sind. Wo, fragt man sich, will sie hin?