Auf Vergleichsportalen im Internet findet man nicht immer den günstigsten Versicherungstarif.
Stuttgart - Die Hälfte der deutschen Autobesitzer grübelt jetzt wieder, ob sie die günstigste Haftpflichtversicherung haben - oder bis zum Stichtag am 30.November den Anbieter wechseln sollen. Rat suchen die meisten inzwischen bei Vergleichsportalen im Internet. Eine Garantie für günstige Tarife ist das aber nicht.
Mit der Abwrackprämie 2009 hat sich Annette Hesse, 40, ein neues Auto gekauft. Seitdem zahlt sie die Raten ab und jeden Monat noch etwas mehr fürs Benzin. Von Freunden hat sie gehört, dass ein Wechsel der Kfz-Versicherung mehrere 100 Euro bringen soll. Und tatsächlich: Nachdem sie beim Online-Vergleichsportal Check24, dem Marktführer, Daten wie Erstzulassung, Jahreslaufleistung und Abstellplatz eingetippt hat, spuckt der Rechner günstigere Angebote aus. Um sich abzusichern, macht Hesse dieselben Angaben beim Konkurrenten Transparo - und wundert sich. Dort werden ihr teils andere Anbieter vorgeschlagen, teils dieselben Tarife zu einem anderen Preis.
Fred Wagner vom Institut für Versicherungswissenschaften in Leipzig wundert dieses Ergebnis nicht. Die mit der Universität zusammenarbeitende Einrichtung hat im November 2010 die Daten von 15 fiktiven Versicherungskunden in sieben Online-Rechner für Autopolicen eingegeben. Die Ergebnisse: Um 28 Prozent teurer kann das billigste Angebot eines Portals im Vergleich zu dem eines anderen sein. Die Rechner der Portale gehen bei der Auswahl der Angebote nicht immer auf die Wünsche der Kunden wie Selbstbehalt bei Teilkasko oder Fahrlässigkeitsverzicht ein. Das größte Problem aber ist: Drei der Portale haben weniger als 30 Versicherungsanbieter im Angebot und geben so nicht einmal ein Drittel des gesamten Markts wieder.
Zwei Abfragen kosten 16 Euro
"Keines dieser scheinbar kostenlosen und unabhängigen Versicherungs-Portale bildet alle Anbieter ab", sagt Michael Wortberg, Versicherungsexperte von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Denn auch wenn die wenigsten Kunden darüber nachdenken: Auch die Vergleichsportale müssen von irgendetwas leben. Sie lassen sich von den Anbietern bezahlen, die sie in ihre Vergleiche aufnehmen, indem sie für jeden Vertragsabschluss eine Provision kassieren. Über die Höhe schweigen die Anbieter sich aus, es kursieren Zahlen von 30 Euro bis über 80 Euro pro Vertrag. "Für den Verbraucher werden diese Provisionen aber nicht transparent dargelegt", sagt Wortberg. Das hat auch kartellrechtliche Gründe: Würden die Mitarbeiter eines Portals sehen, dass ein Versicherungsanbieter dem Konkurrenz-Portal eine höhere Provision zahlt, würden sie auch mehr verlangen. Unerwünschte Preisabsprachen wären die Folge - und womöglich noch ein schlechteres Angebot für die Kunden.
Denn der Markt für Autopolicen im Internet wächst seit drei Jahren kräftig. Knapp 50 Millionen Euro, schätzt das Leipziger Institut, erzielt der gesamte Markt inzwischen an Jahresumsatz - über Provisionen, die immer höher werden. So hoch, dass einige Versicherungsanbieter nicht mehr bereit sind, sich in jedes Portal aufnehmen zu lassen. Das wiederum verhindert aber, dass der Markt möglichst umfassend abgebildet wird und der Kunde wirklich den für ihn günstigsten Tarif vorgeschlagen bekommt. So hat sich der Anbieter Huk-Coburg vor einigen Monaten in das Vergleichsportal Transparo eingekauft, beim Konkurrenz-Portal Check24 erscheinen die Tarife nicht mehr. Die Allianz-Tochter Allsecur wiederum hat diese Woche ihre Angebote aus Transparo zurückgezogen.
Annette Hesse hat ihre Daten in noch eine dritte Suchmaske eingegeben: in den Kfz-Rechner der Stiftung Warentest. Statt über Provisionen finanziert sich das Angebot über die suchenden Kunden: zwei Abfragen kosten 16 Euro. Neben verschiedenen Angeboten bekommt Annette Hesse hier auch eine Liste, welche Versicherungs-Anbieter bei der Berechnung nicht berücksichtigt wurden. Nicht nur diese Transparenz gefällt dem Versicherungsexperten Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: "Gute Beratung muss einfach etwas kosten, damit sie unabhängig bleiben kann."
Auf der nächsten Seite geben wir Tipps für den Umgang mit Online-Portalen.
Tipps für die Suche in Online-Vergleichsportalen
Die günstigste Kfz-Versicherung, der billigste Stromanbieter, der beste Handyvertrag: An Vergleichsportalen im Internet mangelt es nicht. Um wirklich ein günstiges und zu den Wünschen passendes Angebot zu finden, sollten Kunden aber einiges beachten:
Anbieter zählen: Je weniger Anbieter ein Vergleichsportal im Angebot hat, umso weniger kann es den gesamten Markt abbilden. Die Zahl findet sich entweder auf der Homepage oder kann bei den Portalbetreibern erfragt werden. Einige Portale listen zudem auf, welche Anbieter die Rechner nicht berücksichtigen.
Vergleiche vergleichen: Wer die Daten in mehr als einen Vergleichsrechner eintippt, bekommt einen besseren Überblick über den Gesamtmarkt.
Daten schützen: Geburtsdaten der Kinder, Wohneigentum, Beruf - für den Versicherungsvergleich werden jede Menge persönliche Daten in die Online-Rechner eingespeist, die für Versicherungsanbieter auch dann sehr wertvoll sind, wenn kein Vertrag abgeschlossen wird. Nicht unwahrscheinlich, dass ihnen diese Daten verkauft werden.
Aktualität prüfen: Vor allem kurz vor Stichtagen wie dem 30. November bei den Kfz-Versicherungen ändern viele Anbieter noch einmal ihre Tarifdetails - sowohl zum Vor- wie auch zum Nachteil der Kunden. In die Rechner der Vergleichsportale aber sind nicht immer die aktuellsten Daten eingespeist. Vor Vertragsabschluss also sicherheitshalber noch einmal beim Anbieter direkt auf der Seite nachschauen.
Geld zahlen: Unabhängige Beratung gibt es nicht umsonst, sagt Versicherungsexperte Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Er empfiehlt den Kfz-Vergleichsrechner der Stiftung Warentest für 16 Euro: www.test.de/kfz-analyse.
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bietet eine Versicherungshotline an (montags bis donnerstags 10 bis 18 Uhr; 0900 1 77 44 43; 1,75 Euro/Minute). Wer Führerschein, Fahrzeugschein und die letzte Beitragsrechnung parat hat, erfährt schon während des Telefonats, wie groß die Einsparmöglichkeiten sind. Eine schriftliche Auswertung mit einer Liste von Versicherungsangeboten bekommt man einige Tage später schriftlich nach Hause geschickt. Außer den Telefonkosten, die in der Regel bei etwa 15 Euro liegen, fallen keine weiteren Kosten an.