Zwischen Autoversicherern herrscht großer Konkurrenzkampf. Wer wechselt, kann daher oft viel Geld sparen. Foto: Karin & Uwe Annas / Adobe Stock

Mehrere Hundert Euro Preisunterschied können zwischen einer günstigen und einer teuren Kfz-Versicherung liegen. Autohalter sollten nun entscheiden – und bis zum 30. November wechseln.

Stuttgart – - Wieso lohnt es sich, gerade jetzt nach einem neuen Anbieter zu schauen?
Die meisten Autoversicherungen gelten für ein Kalenderjahr. Nimmt der Kunde die Kündigungsfrist nicht wahr, verlängert sich der Vertrag um ein weiteres Jahr. Die Frist beträgt meist einen Monat. Ein Wechsel des Anbieters ist daher bis zum 30. November möglich. Eine Ausnahme gibt es: Kündigt der Versicherer im November eine Beitragserhöhung an, ist die Kündigung auch noch innerhalb eines Monats nach dem Erhalt dieser Mitteilung möglich. Der Kunde hat dann ein Sonderkündigungsrecht. Nach der Kündigung hat der Autohalter sodann bis zum Beginn des neuen Jahres Zeit, um eine neue Versicherung abzuschließen.
Für wen lohnt sich der Preisvergleich?
Im Prinzip lohnt sich der Vergleich für jeden Autohalter. Denn durch die jährliche Neueinstufung der Typ- und Regionalklassen ändern sich für sehr viele Autos die Beiträge. Dazu kommt: „Auf dem Markt herrscht ein großer Konkurrenzkampf“, sagt „Finanztest“-Redakteur Michael Sittig. „Selbst bei einer sehr günstigen Versicherung kann man sich nach fünf Jahren nicht mehr sicher sein, ob ein anderer Anbieter nicht doch ein besseres Angebot hat.“ Sittig empfiehlt deshalb, spätestens nach zwei Jahren wieder zu vergleichen. Mit einem Wechsel könne man schnell hundert Euro pro Jahr sparen.
Wie findet man die passende Versicherung?
Für die November-Ausgabe des Magazins „Finanztest“ hat die Stiftung Warentest insgesamt 159 Tarife von 72 Anbietern bewertet. Bei der Suche nach dem richtigen Angebot kommt es vor allem auf zwei Dinge an: das eigene Sicherheitsempfinden und den Geldbeutel. Reicht die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung, oder möchte man einen weitergreifenden Schutz in Form einer Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung? Welche Zusatzleistungen sind in den Tarifen enthalten, und wie teuer sind diese?
Welche Leistungen umfassen die verschiedenen Versicherungsarten?
Einen Haftpflichtschutz muss nach dem Willen des Gesetzgebers jeder Autohalter abschließen. Bei einem selbst verursachten Unfall kommt die Police für die Schäden der Unfallopfer auf. Für alte Autos, die nicht mehr viel wert sind, reicht dieser Schutz aus, so die Stiftung Warentest. Da die Leistungen der Anbieter nahezu identisch seien, können sich die Autohalter bei der Wahl vor allem am Preis orientieren. Die Teilkaskopolice deckt etwa auch Schäden durch Brand, Sturm, Wildunfälle oder Hagel ab. Sie ist bei guten Gebrauchtwagen ratsam, so die Warentester. Die Mehrkosten im Vergleich zum Haftpflichtschutz liegen nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) im Schnitt bei 90 Euro jährlich. Neben den in einem Teilkaskotarif versicherten Gefahren zahlt die Vollkaskoversicherung auch Reparaturen am eigenen Auto nach selbst verschuldeten Unfällen und Vandalismus. Die Tester empfehlen sie für neue und für teure Autos. Der Aufpreis beträgt laut GDV rund 300 Euro pro Jahr.
Worauf sollte man bei einer Teilkaskopolice, worauf bei einer Vollkasko-police achten?
Über die Teilkasko sollten nach Angaben der Stiftung Warentest mindestens ein Marderbiss und seine Folgeschäden mit wenigstens bis zu 2000 Euro versichert sein. Außerdem sollte eine Teilkasko bei allen Tierunfällen zahlen – nicht nur dann, wenn es sich um Haarwild (etwa Reh, Hirsch, Wildschwein) handelt. Die Vollkaskoversicherung sollte auf einen „Einwand der groben Fahrlässigkeit“ verzichten. Steht eine solche Klausel im Vertrag, kann der Versicherer bei einem selbst verschuldeten Unfall im Extremfall seine Zahlungen bis auf null Euro kürzen – etwa, wenn man beim Linksabbiegen unachtsam war. Da Neuwagen sofort nach der Zulassung an Wert verlieren, sollte die Police zudem zwölf Monate Neuwertersatz bieten.
Welche Tarife empfehlen die Warentester?
Günstige Haftpflichttarife bieten laut Stiftung Warentest Baden-Badener (Komfort), DA Deutsche Allgemeine (Komfort) und Huk 24 (Classic). Preiswerte Teilkaskotarife für 20-, 40- und 70-Jährige haben beispielsweise Baden-Badener (Komfort) und DA Deutsche Allgemeine (Komfort inkl. Zusatz) im Angebot. Eine günstige Vollkaskopolice finden 20-Jährige bei Allsecur (Premium) und bei der Sparkassen Direktversicherung (Auto Plus Protect). Für 40- und 70-Jährige hat etwa Verti günstige Tarife (Klassik).
Wie kann man noch sparen?
Auch bei einem guten Angebot kann man den Preis unter Umständen weiter senken – etwa, indem man sich verpflichtet, das Auto im Schadenfall in der vom Kaskoversicherer vorgegebenen Werkstatt reparieren zu lassen. Wer kann, sollte die Gebühr für die Versicherung zudem jährlich statt monatlich bezahlen, sagt „Finanztest“-Redakteur Michael Sittig. Sparen lasse sich außerdem, wenn man im Fall eines Kaskoschadens einen Teil selbst zahle. „Je höher der Selbstbehalt, desto geringer der Jahresbeitrag“, erklärt Sittig. Die Stiftung Warentest rät in der Teilkasko zu einem Selbstbehalt von 150 Euro, in der Vollkaskoversicherung zu einem Selbstbehalt von 300 Euro. „Wer sich sicher ist, keinen Unfall zu verschulden und bereit ist, ein Risiko einzugehen, kann höhere Selbstbehalte wählen“, sagt Sittig.
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