Die Debatte, ob Bundesligisten wie der VfB Stuttgart Kredite aus dem staatlichen Corona-Hilfspaket bekommen sollten, wird immer kontroverser geführt. Auch SPD-Landeschef Andreas Stoch ist gegen eine solche Unterstützung durch den Steuerzahler.
Stuttgart - Der baden-württembergische SPD-Vorsitzende Andreas Stoch wendet sich gegen staatliche Corona-Hilfskredite für Profifußballclubs wie den VfB Stuttgart. „Ich sehe es sehr kritisch, dass Fußballvereine und dieses durchkommerzialisierte Geschäft mit staatlichen Mitteln, die alle Steuerzahler aufbringen müssen, durch die Krise gerettet werden sollen“, sagte Stoch unserer Zeitung. Zuvor hatte unter anderem schon Linkspartei-Chef Bernd Riexinger seine Vorbehalte gegen die Unterstützung geäußert, während CDU und FDP da keine großen Hindernisse sehen.
„Fußball hat sich zur Vollkommerzialisierung entwickelt“
Der Erstliga-Aufsteiger VfB Stuttgart hat nach eigenen Angaben einen Antrag auf einen Hilfskredit aus dem Corona-Sonderprogramm der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gestellt, bei dem es um bis zu 15 Millionen Euro gehen soll. Rational betrachtet, so der Sozialdemokrat, seien die Fußballvereine zwar auch Wirtschaftsunternehmen mit vielen Arbeitnehmern. Deswegen seien sie bei staatlichen Hilfen mit denselben Maßstäben zu betrachten. „Dennoch habe ich da ein ganz komisches Gefühl“, sagte Stoch, der von Januar 2013 bis Mai 2016 als Kultusminister auch für den Sport zuständig war. „Gerade die große Abhängigkeit von Fernsehgeldern zeigt doch, dass sich der Fußball zu einer Vollkommerzialisierung entwickelt hat – und wir merken besonders in der Corona-Zeit, dass dies auch in der Fanszene ganz kritisch gesehen wird.“
Gehaltsobergrenze für Fußballspieler angeregt
Wenn der VfB wie im Kalenderjahr 2019 fast 13 Millionen Euro für Spielerberater ausgebe und seinen Spielern ein Durchschnittsjahresgehalt von 1,3 Millionen Euro zahle, „kann man schon die Frage stellen, ob es Aufgabe des Steuerzahlers ist, in einen solchen Wirtschaftsbetrieb auch noch mit Hilfsmitteln reinzugehen“. Mehr Solidarität innerhalb des Clubs, fordert der SPD-Landesvorsitzende. „Ich wüsste nicht, dass ein Gesamtpaket geschnürt wird, bei dem auch die Spieler langfristig ihren Beitrag leisten.“
Unternehmen, denen es – teils wegen Missmanagements – schon vor der Corona-Krise nicht gut ging, mit Steuergeldern über die Runden zu retten, hält er grundsätzlich für falsch. Deswegen müsse es auch eine kritische Analyse der Wirtschaftsstruktur von Profi-Fußball-Clubs geben. „Corona muss ein Anlass sein, da ein Stück weit abzuspecken – zum Beispiel durch Deckelung von Gehältern oder durch die Verringerung der großen Abhängigkeit von Fernsehgeldern“, sagte Stoch – ein großer Anhänger seines Heimatvereins 1. FC Heidenheim, der nur knapp den Aufstieg in die erste Bundesliga verpasst hat. „Vielleicht kann man die Profivereine dazu bringen, in einer Art Selbstregulation wieder auf Normalmaß herunterzukommen.“ Es gebe durchaus Möglichkeiten, in diese Mechanismen einzugreifen: etwa eine Gehaltsobergrenze für Fußballspieler, riet Stoch.