Der Atomschutt vom Abriss des Kraftwerkes Neckarwestheim lässt auf sich warten. Foto: dpa/Marijan Murat

Eigentlich müsste auf den Deponien im Kreis Ludwigsburg längst Atomschutt des abgerissenen Meilers Neckarwestheim lagern. Doch bisher liefert die EnBW nichts an – zur Verwunderung der Kreispolitiker.

Ludwigsburg - Groß war die Aufregung im Landkreis, als bekannt wurde, dass schwach strahlender Schutt des abgerissenen Atomkraftwerks Neckarwestheim auf die Deponien in Schwieberdingen und Vaihingen/Enz verteilt werden soll. Eigentlich hätten schon längst die ersten Lastwagenladungen ankommen sollen. Doch bisher ist nichts davon in Sicht. „Es hat bislang keinen Antrag der EnBW auf Entsorgung gegeben“, erklärt Tilman Hepperle, der Geschäftsführer der Abfallgesellschaft AVL, „das überrascht uns selbst.“ Schon vor einem Jahr war jede Woche damit gerechnet worden.

Hintergrund ist offenbar, dass der Energiekonzern mit dem Abriss und der Entsorgung des Atommeilers nicht so schnell vorankommt wie geplant. Da das Abbruchmaterial, das in Fachkreisen als „frei gemessen“ und damit unbedenklicher Atomschutt gilt, nicht in kleinen Chargen, sondern in einem großen Transport ankommen soll, verzögert sich die Einlagerung noch weiter.

Sind die Deponien überhaupt geeignet?

Zumal noch eine weitere Unsicherheit hinzu kommt: Das Umweltministerium in Stuttgart hat angeordnet, alle in Frage kommenden Deponien im Land daraufhin zu kontrollieren, ob sie für den Atomkraftwerk-Schutt geeignet sind. „Der Grund dafür ist eine Überprüfung von Deponien in Schleswig-Holstein“, sagt Tobias Mertenskötter, Abteilungsleiter für Deponietechnik. Dabei habe sich heraus gestellt, dass vier von sieben Müllhalden gar nicht geeignet waren für den „freigemessenen“ Abfall. Bei der AVL geht man jedoch nicht davon aus, dass dies auch bei den hiesigen Deponien der Fall sein könnte. Welche Kriterien in dem Bundesland im hohen Norden angelegt wurden, darüber hat man allerdings keine Erkenntnisse.

Müllgebühren im Kreis Ludwigsburg steigen

Der Aufsichtsrat der AVL hat am Donnerstagnachmittag währenddessen grünes Licht für das Budget der Abfallgesellschaft im nächsten Jahr gegeben. Ein Problem sind die Entsorgungskosten für Restmüll. Da der Kreis keine eigene Verbrennungsanlage hat, muss er diesen an private Anbieter abgeben. Da es auf diesem Markt kaum noch Wettbewerb gibt, steigen die Preise stark an. Und damit die Müllgebühren. „Wir müssen uns überlegen, ob wir selbst Kapazitäten aufbauen, um unabhängig zu sein“, sagte der Landrat Rainer Haas, zugleich Aufsichtsratschef der AVL. Man habe sich früher gegen einen eigenen Müllofen entschieden. Nun zahle man den Preis dafür – mit höheren Preisen.

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