Benedikt Paulowitsch hat selbst von einer Organspende profitiert. Foto: Roland Böckeler

Kernens Schultes heiratet im September und wirbt per Video für die Bereitschaft zur Organspende.

Vorsorge - Die eine Herzenssache muss noch etwas warten, die andere dagegen konnte es nicht. Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch und seine Herzdame Chantal Kristin werden erst am 5. September heiraten, denn angesichts der Umstände in Zeiten von Corona sei daran zum eigentlich geplanten Termin noch im Mai einfach nicht zu denken gewesen, sagt der 32-jährige Rathauschef. Klarer Fall eines Corona-Kollateralschadens. Und weil eine richtig große Feier auch im September für Menschen mit kommunaler Vorbildfunktion voraussichtlich noch nicht opportun sein dürfte, wird die – ohnehin in der alten Heimat in Nordrhein-Westfalen vorgesehene – kirchliche Trauung gleich nochmals um ein Jahr geschoben. Diese wird, sagt Paulowitsch, laut momentanem Stand der persönlichen Herzensdinge erst im September 2021 stattfinden.

Ein Video zum Tag der Organspende

Zur Sprache gekommen ist die Sache dieser Tage aber eigentlich im Zusammenhang mit einer ganz anderen Herzensangelegenheit des seit Herbst amtierenden Bürgermeisters der Remstalkommune. Zum Tag der Organspende hat Paulowitsch über seinen Facebook-Account ein Video mit persönlicher Werbung für den Erwerb eines Spenderausweises und mit einem eigenen Bezug zur Sache gepostet. Nämlich über die Geschichte, wie er vor nicht allzu langer Zeit in hohem Maße von einer Organspende profitiert hat.

Vor drei Jahren ist Kernens Bürgermeister im Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus die Herzklappe eines Spenders eingesetzt worden. Allemal Grund genug für ihn, zum für den vergangenen Samstag ausgerufenen Tag der Organspende alle Bürger aufzurufen, sich mit diesem Thema intensiver zu beschäftigen.

Ein Zufall sei es vor gut drei Jahren gewesen, irgendwann im März 2017, der überhaupt dazu geführt hat, dass der schwere Herzfehler bei dem damals noch keine 30 Jahre alten jungen Mann entdeckt wurde. Ständig außer Atem, kaum Luft fürs Treppensteigen: Er sei einfach der Überzeugung gewesen, unsportlich und eben nicht fit zu sein. Wegen einer tatsächlich ziemlich üblen Grippe ist er eines Tages aber doch zum Hausarzt gegangen. Der habe – wofür ihm Paulowitsch heute noch dankbar ist – beim Abhören ein verdächtiges Geräusch festgestellt und dringend den Besuch bei einem Kardiologen empfohlen. Benedikt Paulowitschs Bruder ist just ein solcher, und der habe kurz darauf bei einer Familienfeier angesichts dieses Geräusches angekündigt, dass eine Operation nötig sein werde. „Da war ich natürlich ganz schön baff.“

Weiteres Warten wäre wohl tödlich gewesen

Weitere Untersuchungen haben damals einen schweren, wahrscheinlich schon angeborenen Fehler an der Aorta-Klappe bestätigt – samt bereits bedenklicher Veränderung am überstrapazierten Herzmuskel. Das sei aber, so erzählt Paulowitsch, zu diesem Zeitpunkt noch reversibel gewesen. Unentdeckt hätte der Defekt binnen eines Jahres relativ sicher zum Tod geführt. Die jetzige Spenderklappe hält, im Gegensatz zu einer mechanischen, und wenn alles gut läuft, ein Leben lang. Ein Grund mehr, jenem Hausarzt dankbar zu sein: „Ich bin später nochmals dort hin und hab’ ein kleines Geschenk vorbei gebracht.“

Obwohl er komplett hinter seiner Krankengeschichte samt komplizierter, sechsstündiger Operation und aufwendiger Reha-Phase stehe, und mit dieser auch bewusst offen umgehe, habe er sie im vergangenen Jahr im Wahlkampf mit Absicht nicht thematisiert. Zum einen sei er nicht auf Mitleid aus gewesen. Zum andern sei die Situation in einem Wahlkampf natürlich heikel, wenn womöglich jemand gezielt nach etwas suche, was gegen einen Kandidaten sprechen könnte.

Offensiv geht er mit der Sache letztlich auch im Rathaus in Rommelshausen um. Auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters liegen – ebenso wie ohnehin auch in den Regalen des Bürgerbüros – immer die Infos und Formulare für Organspende und für den Erwerb eines Spenderausweises parat. Und selbstverständlich besitzt er selbst auch einen Spenderausweis. Das ist buchstäblich eine echte Herzenssache für Kernens Bürgermeister. Fast so wichtig wie die demnächst anstehenden Hochzeitstermine.

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