Unter den Teilnehmern der Diskussion ist auch der Landespolitiker Willi Halder (oben links) Foto: Käfer

Selbstbestimmungsinitiative veranstaltet Gesprächsrunde mit dem Landtagsabgeordneten Willi Halder.

Stetten - Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland, auch wenn generell die Zahl der Neuankömmlinge inzwischen sinkt. Deren Kontakt mit behinderten Menschen hält sich in Grenzen. Um dies zu ändern, hat die Regionale Landesgruppe Selbstbestimmungsinitiative (SBI) am Freitagabend eine Gesprächsrunde zum Thema „Flüchtlinge“ veranstaltet.

Dabei wollte Thilo Gaiser, Geschäftsführer der von Behinderten und für Behinderte gegründeten Initiative, nicht nur über, sondern vor allem mit Flüchtlingen reden. Deshalb war der Arbeitskreis Asyl Kernen mit etlichen Mitgliedern vertreten, hatte ins „La Salle“ der Diakonie Stetten aber auch 13 Flüchtlinge aus Gambia, Somalia und Nigeria mitgebracht.

Krieg wäre für die Bewohner der Diakonie Stetten ein Grund, die Heimat zu verlassen

Was denn passieren müsste, damit sie selbst ihre Heimat verlassen würden, fragte Jürgen Lutz – er ist unter anderem an der Volkshochschule als Dozent für politische Bildung tätig – zum Einstieg die behinderten Zuhörer. Krieg oder politische Unterdrückung war die häufigste Antwort. „Ich würde Deutschland verlassen, wenn, was ich nicht hoffe, Deutschland nochmal eine braune Regierung bekommen würde“, sagte Mirko Reithebuch, Vorsitzender der SBI.

Jürgen Lutz, der dank seiner englischen Sprachkenntnisse gleichzeitig als Übersetzer fungierte, versorgte die rund 30 Zuhörer mit grundsätzlichen Informationen über globale Flüchtlingsbewegungen. „Seit dem Zweiten Weltkrieg hatten wir nicht mehr so viele Kriege wie jetzt“, sagte Lutz. Weltweit seien deswegen 65 Millionen Flüchtlinge unterwegs. In Ländern wie dem Libanon ist jeder fünfte Einwohner ein Flüchtling.

Elisabeth Schober, die beim Arbeitskreis Asyl Kernen für die Deutschkurse zuständig ist, schilderte im Dialog mit den Flüchtlingen deren Situation in Kernen. So wurde klar, dass deren Alltag trotz Deutschkursen oft von Unterbeschäftigung geprägt ist. „Viele versuchen wenigstens eine kleine Arbeit zu haben, um etwas Geld zu ihren Familien schicken zu können“, sagte die ehrenamtlich Engagierte. Immerhin fünf Flüchtlingen, aus dem Kreis in der Diakonie Stetten, ist es inzwischen gelungen, in Restaurants oder Firmen eine Beschäftigung zu finden.

Landtagsabgeordneter Willi Halder lobt die Arbeit der Ehrenamtlichen im Kreis

Welche Bedeutung Arbeit für die Afrikaner hat, klang auch aus deren Antwort auf die Frage nach ihren Freizeitbeschäftigungen heraus. „Mein Hobby ist Arbeit“, sagten gleich mehrere Flüchtlinge. Der Landtagsabgeordnete Willi Halder (Die Grünen) lobte angesichts von rund 5000 Flüchtlingen im Kreis die Arbeit der Ehrenamtlichen. Inzwischen habe sich die Situation gebessert: „Die Turnhallen sind weitgehend leer.“ Auch die Verfahren laufen nach seiner Überzeugung besser als im Vorjahr.

Nach anfänglicher Zurückhaltung wurde die Diskussion zunehmend lebhafter. Die Teilnehmer wollten von Willi Halder beispielsweise wissen, wie Fluchtursachen beseitigt werden können. „Die Grundvoraussetzung ist stets, dass keine Waffen in Krisengebiete geliefert werden. Und der zweite Punkt ist der gerechte Welthandel. Durch unser Verhalten und unseren Wohlstand produzieren wir die Bewegungen der Flüchtlinge selber.“

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