Der Ausbau des Kernener Ortsteils macht vor diesem schönen Garten mit Magnolien nicht halt. Foto: privat

Wo früher ein schöner Garten war, verläuft heute die Karlstraße. Aber auch sonst hat sich viel verändert in dem Ortsteil Rommelshausen.

Kernen - Weit reicht die Kolbenhalde in Rommelshausen – ein Wohngebiet, wo sich vor allem Vertriebene nach dem Krieg eine neue Heimat schufen – bereits 1955 ins Ackerland hinein, aber von der Bahnlinie noch ein gutes Stück weit entfernt. Das Luftbild ist aber noch vor den gravierendsten Veränderungen in der Ortsmitte Rommelshausens aufgenommen worden: Die Karlstraße ist erst 1968 vom unterbrochenen, zwei Meter breiten Feldweg zur meistbefahrenen Durchgangsstraße ausgebaut worden. Aus östlicher Richtung endete sie an der Tulpenstraße. Die nach städtischen Vorbildern gepflasterte Mitte um das Rossmann-Gebäude bis zum Rathaus und Bürgerhaus (links unten) gab es noch nicht. Dort wuchsen Bäume.

Die Veränderungen waren ein heftiger Einschnitt für die Bewohner

Die Veränderungen waren ein heftiger Einschnitt für die Bewohner der Stettener Straße 33, heute Karlstraße 35. Richard Weidmann hat das Haus 1955 gebaut, sein Enkel Klaus-Peter Mutschler ist dort aufgewachsen. Ein wunderschöner Garten mit Magnolien und anderen Bäumchen fiel den Bauarbeiten zum Opfer, weil die Stettener Straße an die Karlstraße herangeführt wurde und die heutige große Kreuzung entstand. „Sie müssen nur gedanklich die Stettener Straße weiterführen bis zur Lortzingstraße, dann können Sie abschätzen, wie viel Garten da verloren ging“, sagt Klaus-Peter Mutschler über sein Elternhaus. „Die Läden – bei uns Buntstift und Kuhn, im Nebenhaus Karlstraße 33 Friseur Scholz und Café Reimann – wurden an die bestehenden Häuser angebaut.“

Richard Weidmann ist 1955 ausgesiedelt vom Ortskern, Waiblinger Straße 9, an den damaligen Ortsrand Stettener Straße 33. Die Großeltern betrieben einen Großhandel für Landesprodukte, Obst und Südfrüchte. „Im Neubau Stettener Straße 33 war eine Garage für die drei Lastwagen meines Großvaters und Lagerraum für die verkauften Produkte“, erzählt der Enkel. „Heute sagt man, unsere Zeit sei schnelllebig. Das Haus stand wie ursprünglich gebaut auch nur zwölf Jahre. Der Um- und Anbau ist nun 50 Jahre alt.“ Zwar war der Garten „für uns Kinder ein toller Spielplatz. Dort haben wir eine Zeit lang sogar ein Rehkitz gehalten, was etwas Besonderes war“, erzählt Klaus-Peter Mutschler. Aber den Verlust kritisiert er nicht: „Der Bau der Karlstraße war notwendig, sonst ginge der Verkehr heute noch durch die Stettener Straße. Staus gab es vor unserem Haus in der damaligen Stettener Straße schon in den sechziger Jahren. Meist sonntags, wenn die Ausflügler ins Remstal gefahren sind.“

Das zahme Rehkitz hielt es offenbar im Garten neben der Stettener Straße gut aus. Jemand hatte es Richard Weidmann, der Jäger war, gebracht. Hansi, so wurde das Kitz getauft, war von Kindern gestreichelt worden, seine Mutter säugte es nicht mehr. Klaus-Peter Mutschlers Oma zog es mit der Flasche auf, wie er erzählt. Wegen des Straßenbaus bekam Hansi ein Gehege in der Lortzingstraße. Auswildern konnte man das Tier nicht mehr. Es musste später, weil auch dort gebaut wurde, nach Winnenden umziehen und wurde alt.

Rommelshausen war ein Dorf – wie es sich größenmäßig entwickelt hat, ist fraglich

Rommelshausen, so sagt Klaus-Peter Mutschler, „war noch ein Dorf, die Leute bodenständig. Wenn man sieht, wie es sich größen- und flächenmäßig entwickelt hat, stellt sich die Frage, ob wir so weitermachen können und wollen. Opfern wir unsere mittel- und langfristige Zukunft auf dem Altar kurzfristigen Wachstums?“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: