Diesen Anblick sprudelnden Wassers wird es so nicht mehr geben. Foto: Patricia Sigerist

Die Mitglieder des Technischen Ausschusses stoßen ihre Entscheidung um: Der alte Brunnen des Künstlers Hüseyin Altin kommt nicht zurück vors Rathaus. Stattdessen werden Bäume gepflanzt.

Rommelshausen - Eigentlich hatten die Kernener Gemeinderäte längst mehrheitlich entschieden, wie die Freiflächengestaltung rund ums neue Bürgerhaus und Rathaus aussehen soll. Der Brunnen, den der Künstler Hüseyin Altin für den Marktplatz erschaffen hat und der 1990 errichtet wurde, sollte nach Beendigung der Bauarbeiten wieder aufgestellt werden. Doch der Beschluss wurde umgestoßen. In der Sitzung des Technischen Ausschusses am Mittwoch hat sich eine Mehrheit dafür ausgesprochen, anstelle des markanten Brunnensteins lieber Bäume zu setzen. Bauamtsleiter Horst Schaal, seines Zeichens Architekt, bekam mit der Mehrheit der Stimmen den Auftrag, so schnell wie möglich eine neue Gestaltung mit Grün und möglichst auch mit Wasser vorzulegen.

Bürgermeister Stefan Altenberger brachte den Stein ins Rollen

Bürgermeister Stefan Altenberger brachte den Stein ins Rollen: „Ich finde, der alte Brunnen passt nicht mehr.“ Ihm würden Bodensprudler viel besser gefallen, sagte der Schultes und stieß damit eine längere Diskussion im Gremium an. Das Argument Schönheit war für Andreas Stiene von der Offenen Grünen Liste (OGL) nicht stichhaltig. „Wir haben den Brunnen eines Künstlers, nicht irgendeinen Sprudler, wie er grad überall aus dem Boden schießt.“ Der Brunnen passe mit dem verkleinerten Becken und bodengleichen Ablauf gut auf den Platz vor dem Café, er sei ein „Zeichen seiner Zeit“, und Kunst steige mit den Jahren in der Wertschätzung. Unterstützung bekam Stiene von Fraktionskollege Matthias Kramer, der bei einer kleinen Umfrage im Freundes- und Bekanntenkreis eine große Zustimmung für den alten Brunnen bekam. „Ich habe ganz andere Sachen gehört“, sagte der Bürgermeister. Auch für Christoph Schönleber (SPD) ist der Stein ein „Relikt aus einer vergangenen Zeit“.

UFW-Rat Heinz Heß verstand die ganze Diskussion nicht. Die Entscheidung sei gefallen. „Es kann nicht sein, dass wir so lange abstimmen, bis das rauskommt, was der Verwaltung passt.“ Diesen Vorwurf wies Stefan Altenberger zurück und erhielt Unterstützung von Andreas Wersch von der CDU. „Es ist nichts Ehrenrühriges, seine Entscheidungen zu überdenken.“ Allerdings fände Wersch es schade, wenn der Stein von Altin auf dem Bauhof verrotten würde und schlug vor, ihn, wenn schon nicht als Brunnen, so doch als Stelenskulptur an einem dafür geeigneten Platz aufzustellen. Daran glauben allerdings nicht alle Räte. „Wenn er weg ist, ist er weg, machen wir uns nichts vor“, sagte Matthias Kramer.

Der Künstler sei schon jetzt enttäuscht und bestehe darauf, dass der Brunnen zum Rathaus gehöre

Horst Schaal hat bei dieser Variante ohnehin so seine Bedenken. Der Künstler sei schon jetzt enttäuscht und bestehe darauf, dass der Brunnen zum Rathaus gehöre, weil er Transparenz und Durchblick symbolisiere. „Ihn trocken zu legen und an anderer Stelle aufzubauen, ist für ihn sicher keine Lösung.“ Da Hüseyin Altin das Urheberrecht besitze, könnte am Ende ein Anspruch auf Schadenersatz in unbekannter Höhe auf die Gemeinde zukommen. Dass der Bauamtsleiter ein Freund eines grünen Marktplatzes ist, daraus machte er keinen Hehl. Wenn zwei, drei Bäume gepflanzt würden, bliebe allerdings für einen Bodensprudler kein Platz, „vielleicht aber für ein kleines Bächlein, das sich schlängelt“.

Auf das Marktplatzzelt für die Kirbe müsse bei der Gestaltung jedenfalls keine Rücksicht genommen werden, sagte Erich Ehrlich (SPD). Am alten Platz werde kein Zelt mehr stehen, zumal es genügend Ausweichmöglichkeiten gebe. Der Wochenmarkt müsse allerdings bei den Planungen eine Rolle spielen. „Ich nehme Wasser und Bäume als Auftrag mit“, sagte Horst Schaal.

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