Die Feuerwehr Kernen hat sich eine umfangreiche Drohnenausstattung angeschafft. Wir konnten uns das Gerät ansehen – und waren beeindruckt.
Das Surren klingt wir ein aufgeregter Hornissenschwarm – es wird immer lauter, dann erscheint eine Drohne über der Yburg in Kernen-Stetten (Rems-Murr-Kreis). Das Gerät umrundet die Yburg und das Feuerwehrfahrzeug, das daneben geparkt ist. Die Beobachter unten staunen: Auf einem Monitor können sie sich selbst sehen, aus der Vogelperspektive und als Wärmebild. Die Freiwillige Feuerwehr Kernen hat neuerdings eine Drohne – ein echtes Hightech-Gerät, das einiges gekostet hat und auf das die Wehrleute entsprechend stolz sind.
Mit einer typischen Hobbydrohne hat das Fluggerät vom Typ DJI Matrice M30T kaum noch etwas zu tun. Das liegt nicht nur am auffälligen, rot-weißen Anstrich mit den „Feuerwehr“-Schriftzügen, sondern auch an der umfangreichen Ausstattung. Die Drohne ist gegen Staub und Regen abgedichtet und kann somit auch bei widrigen Wetterbedingungen Einsätze fliegen.
Die Drohne der Feuerwehr hilft bei vielen Arten von Einsätzen
Bei Nachtflügen helfen Beleuchtung und ein Suchscheinwerfer – sogar ein Lautsprecher ist oben angebracht. „Damit können wir zum Beispiel Vermisste ansprechen oder Durchsagen abspielen“, erklärt Paul Novokhatskiy, der Kommandant der Abteilung Stetten.
Für die Drohne gibt es bei der Feuerwehr viele Einsatzzwecke:
- Die Personensuche
- Die Erstellung von Lagebildern
- Das Erkennen von Glutnestern bei Bränden
- Die Beurteilung von Überflutungen und Hangrutschungen
- Die Aufklärung bei Gefahrgutunfällen
- Die Dokumentation von Einsätzen und Übungen.
Eine erste Feuerprobe hat die Kernener Drohne bereits bestanden: Am 1. Juni kam es auf einem Gartengrundstück an der Rotenbergstraße zu einem Brand. Die Drohne war eine der ersten Einheiten vor Ort und half, den Brand zu identifizieren und die Einsatzkräfte zu den Glutnestern zu leiten. Auch vor dem Mähen der beträchtlichen Wiesenflächen der Gemeinde half die Feuerwehr bei der Suche nach Rehkitzen – sowohl ein Beitrag zum Tierschutz als auch eine willkommene Praxisübung für die Wehrleute.
Die Kameratechnik der Drohne kann sich sehen lassen. Der Quadrocopter sendet Bilder in 8K-Qualität, wahlweise als Fernseh-, Wärmebild oder als kombinierte Ansicht aus beidem. Denn gerade bei hohen Temperaturen, wenn die Außentemperatur und die Körpertemperatur eines Menschen sich nicht mehr allzu sehr voneinander unterscheiden, stößt das Wärmebild an seine Grenzen. Trotz aller Hightech: . „Dann muss man sich eher auf Umrisse und Bewegungen konzentrieren“, sagt Novokhatskiy.
Zur Ausstattung gehört aber noch mehr. Der Einsatzleitwagen (ELW) ist nun unter anderem mit Ersatzakkus, Ladegeräten, Monitoren, aber auch einem Beamer ausgestattet. Letzterer ist für große Einsätze gedacht, um beispielsweise in Lagezentren beim Überblick zu helfen, die Drohne sendet ihre hochauflösenden Bilder in Echtzeit.
Die Drohne ist deutlich günstiger als ein Hubschrauber
„Ich hatte schon mehrere Einsätze, bei denen ich eine Drohne hätte brauchen können – so ein Polizeihubschrauber ist eine ziemlich teure Angelegenheit“, sagt der Kernener Feuerwehrkommandant Andreas Wersch. Laut dem Pressesprecher der Gemeinde, Sascha Baumann, schlägt eine Flugminute mit dem bemannten Hubschrauber mit rund 60 bis 70 Euro zu Buche – „reine Flugkosten“. Die 11 000 Euro, die die Drohne gekostet hat – teilweise gab es Fördermittel – seien daher gut investiertes Geld.
Pro Drohne braucht es bei Einsätzen mindestens drei Feuerwehrleute: Neben dem Piloten, der für das Steuern zuständig ist, gibt es einen Kameraoperator, der die Sensoren der Kamera bedient. Dritter im Bunde ist ein Luftbeobachter, der zum Beispiel nach Hindernissen Ausschau hält, oft ist noch ein vierter Helfer mit dabei. Insgesamt sechs Kernener Feuerwehrleute sind bislang entsprechend geschult, Tendenz steigend. Die Drohnengruppe ist nun bei der Leitstelle des Rems-Murr-Kreises hinterlegt, bei Bedarf kann diese dort angefordert werden.
Auch DRK und Polizei verfügen über Drohnen
Ferngesteuerte Fluggeräte haben sich inzwischen als Einsatzmittel bei Blaulichtorganisationen etabliert und ergänzen dabei klassische Helikopter. So sind auch bei der Polizei Aalen, die unter anderem für den Rems-Murr-Kreis zuständig ist, seit dem Jahr 2019 Drohnen im Einsatz. Diese sind allerdings nicht in einer eigenen Gruppe angegliedert, sondern gehören zur Polizeihundestaffel. Im vergangenen Jahr flogen die Drohnen der Ordnungshüter 43 Einsätze – neben Vermisstensuchen zählen hier unter anderem Großevents wie Fußballspiele zum Einsatzprofil, aber auch Fahndungen, die Beweissicherung und Dokumentation von Einsätzen.
Das Rote Kreuz Rems-Murr verfügt in Sulzbach ebenfalls über eine Drohnengruppe. Diese existiert seit dem Jahr 2021 – die unter anderem mit Kameras und Scheinwerfer ausgerüsteten Fluggeräte helfen dem Roten Kreuz bei Vermisstensuchen, aber auch bei Großlagen wie Flächenbränden und Überflutungen. Die zunehmende Verbreitung von Drohnen bedeutet aber auch, dass die Organisationen bei beziehungsweise vor Einsätzen untereinander abstimmen müssen, wer in welchen Bereichen fliegt.