Der graue Klinker mit einigen dunkleren Einsprengseln an der Bürgerhausfassade ist umstritten. Foto: Patricia Sigerist

Der Vorwurf lautet: Die Gemeinde Kernen habe beim Bürgerhaus Material zugelassen, das nicht der Ausschreibung entspricht.

Rommelshausen - Grau, etwas scheckig, ist die Fassadenverkleidung des Bürgerhauses, die an dem Neubau derzeit angebracht wird, beschaffen. Wegen der Farbwahl ist die Gestaltung in der Gemeinde umstritten. Die Klinker-Fassade hat der Gemeindeverwaltung allerdings abseits der Geschmacksfragen richtig Ärger eingebracht. Ein unterlegener Bieter hat Schadenersatz verlangt, weil die Gemeinde den letztlich siegreichen Wettbewerber nicht zuvor ausgeschlossen hat. Sein Angebot hätte nicht gewertet werden dürfen, weil es nicht das geforderte Material enthielt, behauptet die Firma. Auf der Baustelle werde jetzt Material verbaut, das 70 000 Euro billiger ist als das in der Ausschreibung geforderte. Sie selbst habe dagegen den Zuschlag erhalten müssen, wenn alle Firmen den geforderten Klinker angeboten hätten.

Der Unterschied zum Klinker am Bürgerhaus ist selbst für einen Laien sichtbar

Die in der Ausschreibung beschriebenen grauen Klinker-Steine sind – in einigen Varianten und unterschiedlichen Fugenfarben – als Bemusterungswand noch immer in der Kläranlage Haldenbach in Stetten zu besichtigten. Der Unterschied zum Klinker am Bürgerhaus ist selbst für einen Laien sichtbar: Er ist einheitlicher gefärbt und etwas kürzer. Das hat Folgen fürs Aussehen, deutet die unterlegene Firma an: Auch daran könne es liegen, dass den Betrachtern die Klinkerfassade nicht gefällt. Sie will den Vorgang rechtlich überprüfen lassen, nachdem die Gemeindeverwaltung auf die Versuche einer außergerichtlichen Klärung nicht eingegangen sei.

Bürgermeister Stefan Altenberger hat auf Anfrage unserer Zeitung den Eingang der Schadenersatzforderung bestätigt, sich bei der Stellungnahme allerdings zurückgehalten: „Wir lassen das unsererseits prüfen. Die Frage ist, ob die Firma recht hat und ob wir einen Fehler gemacht haben.“

Der Beigeordnete und Bauamtsleiter Horst Schaal sagt Billigklinker seien nicht verbaut worden

Der Beigeordnete und Bauamtsleiter Horst Schaal, unter dessen Verantwortung und Aufsicht der Bau des Bürgerhauses liegt, ist sich dagegen im Gespräch mit unserer Zeitung jetzt schon sicher, dass Bürgerhaus-Architekt Auerbacher und die Gemeindeverwaltung richtig gehandelt haben. Mauschelei-Vorwürfe, wie sie ebenfalls erhoben werden, weist er zurück und sagt: „Ich habe ein gutes Gewissen.“ Billigklinker seien nicht verbaut worden. Den angeblichen Preisunterschied von 70 000 Euro hält der Bauamtsleiter wegen des ähnlichen Herstellungsprozesses für nicht nachvollziehbar.

Laut Schaal ist der in der Kläranlage als Muster zu sehende graue Ziegelstein der unterlegenen Firma sogar sein Favorit gewesen und gewünscht von der Baukommission des Gemeinderats: „Den wollten wir“, betont Schaal. In einer Ausschreibung könne jedoch nicht einfach ein bestimmtes Produkt verlangt werden, sondern gleichwertige Ware müsse ebenfalls eine Chance haben. „Wenn es keine Alternative gäbe, hätten wir vergaberechtliche Schwierigkeiten“, sagt er. Die Produkteigenschaften des Wunschsteins seien dennoch möglichst genau beschrieben und das Produkt als Referenz genannt worden.

Zur Überraschung aller, so sagt Horst Schaal, selber Architekt, habe es aber der siegreiche Anbieter geschafft, einen Klinker-Stein mit ebenso guten Eigenschaften anzubieten und unter dem Strich günstiger zu sein. Damit haben Architekt Auerbacher und die Gemeindeverwaltung keine Möglichkeit mehr gesehen, auf dem favorisierten Klinker zu beharren. Die Vergabeentscheidung beruht also laut dem Bauamtsleiter auf vergleichbaren Angeboten.

Die Firma riet Schaal, einige etwas dunklere Steine unter zu mischen, weshalb die Fassade jetzt etwas scheckig aussieht

Dass die Fassade des Bürgerhauses jetzt anders anmutet als die Mustermauer am Haldenbach erklärt sich erst durch die weitere Entwicklung. Schaal hat sich nämlich, wie er erzählt, auf die Reise nach Münster zum Lieferanten dieser Klinker gemacht, um sich deren Produkteigenschaften durch Zertifikate bestätigen zu lassen. Dabei hat ihm die Firma zwei Angebote gemacht: Sie hat ihm die jetzt vermauerten, etwas längeren Ziegel zum gleichen Preis angeboten. „Da greife ich zu“, sagt der Beigeordnete, denn diese wirken eleganter. Die Firma riet ihm auch, einige etwas dunklere Steine darunter zu mischen, weswegen die Fassade jetzt etwas scheckig aussieht im Unterschied zur einheitlich grauen Musterwand im Haldenbach. „Die beigemischten Klinkersteine sind für meinen Geschmack etwas zu dunkel geworden “, sagt Schaal, der dennoch zur Klinkerfassade steht: „Die Ziegel geben Kontrast und Charakter für das Bürgerhaus.“

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