Umstrittenes Gelände südlich der Weinkellerei Kern. Foto: Hans-Dieter Wolz

Bei der Informationsveranstal-tung rückt Kernens Bürgermeister Stefan Altenberger nicht vom Gewerbegebiet „Lange Äcker III“ ab.

Rommelshausen - Offenkundig mit angestautem Ärger haben Mitglieder der Schutzgemeinschaft Schmidener Feld und weitere Bürger mit Bürgermeister Stefan Altenberger am Donnerstag über geplante neue Gewerbegebiete in Rommelshausen diskutiert. Manche Redner wählten scharfe Worte. Der dreistündige Austausch von Argumenten und eine Vielzahl von zusätzlichen Informationen in der fast voll besetzten Spvgg-Halle an der Kelterstraße haben die Gemüter am Ende deutlich beruhigt. Allerdings war Altenberger auch am Donnerstag nicht bereit, das Verfahren für die „Langen Äcker III“ südlich der Weinkellerei Kern wegen der dort vorhandenen wertvollen Ackerböden noch zu stoppen.

Die Schutzgemeinschaft Schmidener Feld hat neue Hoffnung geschöpft

Die Schutzgemeinschaft Schmidener Feld hat dennoch neue Hoffnung geschöpft. Auf den Feldern sind Rebhühner gesichtet worden. Deren Lebensraum ist geschützt. Naturschutzverbände haben deswegen einen Planungsstopp gefordert. Ob das selten gewordene Tier allerdings einem Gewerbegebiet auf Dauer im Weg stehen kann, ist fraglich: „Dann muss man mit dem Rebhuhn umgehen“, sagte Bauamtsleiter Horst Schaal nur.

In der Informationsveranstaltung haben Altenberger und Schaal mögliche Alternativen und die Gründe, an den Langen Äckern als Gewerbestandort festzuhalten, erläutert. So gaben sie das Ergebnis der Untersuchungen durch den Bodenkundler Andreas Lehmann und seinen Mitarbeiter Richard Veit-Meya bekannt. Auch im zweiten, noch im Flächennutzungsplan vorhandenen möglichen Gewerbegebiet Schiemer in Stetten, jenseits der Kreisstraße vorgesehen, sind demnach gute Böden vorhanden, wenn auch nicht ganz so herausragend wie in den Langen Äckern. Dagegen hat das Gebiet Schiemer einen gravierenden Nachteil, der die Erschließung nach Meinung des Bauingenieurs Erich Ernst Kuhn deutlich verteuern würde: Die Kreisstraße darf nicht zur Erschließung der Grundstücke mitbenutzt werden. Ein dortiges kleines Gewerbegebiet mit höchstens 2,4 Hektar würde eine eigene Erschließungsstraße benötigen. Außerdem sieht Kuhn Probleme beim Schutz der Stettener vor Lärm aus dem Gewerbegebiet voraus. Zusätzliche Flächen würden für die Regenwasserableitung benötigt. Gräben und Versickerungsmulden müssten neu geschaffen werden, während sie für die Langen Äcker schon vorhanden sind.

Auch wenn östlich der Kolbenhalde gebaut wird, stößt die Gemeinde auf gute Böden

Auch wenn östlich der Kolbenhalde gebaut wird, stößt die Gemeinde auf gute Böden. Ein Gewerbegebiet sei dort wegen einer teuren Erschließung bis zum Tankstellenkreisel mitten durch bestehende Gewächshäuser und ebenfalls hochwertige Böden sowie wegen eines als Puffer notwendigen zusätzlichen Mischgebiets „unsinnig“, sagte Kuhn. Es sei „aus fachlicher Sicht nicht realisierbar“. Auch neben vorhandenen Gewerbegebieten wie an der Seestraße oder an der Frauenländerstraße in Stetten gebe es keine ebenen Flächen mehr für weitere Firmen.

Damit die mit Protesttafeln in der Halle vertretenen Mitglieder der Schutzgemeinschaft sich mit den Verwaltungsplänen anfreunden können, hat Erich Ernst Kuhn ein einprägsames Bild präsentiert. Ein Skizze auf einem Luftbild zeigt den von ihm so genannten Schaal’schen Grünkeil, eine als Pfeil markierte Freifläche südlich der bestehenden Gewerbegebiete einschließlich der „Langen Äcker III“. Diese Fläche soll nach den Vorstellungen von Horst Schaal unbedingt frei von weiterer Besiedlung bleiben. Sie reicht von den Scheunen des Landwirts Roland Haap im Norden bis zum Schmidener Weg und der Cannstatter Straße im Süden und bis zu den Gewächshäusern an der Hegnacher Straße. Die im Flächennutzungsplan vorgesehene Verbindung von der Wilhelm-Maybach- zur Fellbacher Straße im Zick-Zack entlang bestehender Feldwege wird deswegen gestrichen. Der Beigeordnete Schaal sieht diese Straße über freies Feld, die den Ortskern von Lastwagen entlasten sollte, als nicht notwendig an. Bürgermeister Altenberger kündigte einen Beschluss in der nächsten Sitzung des Gemeinderats an, diese Trasse aus dem Flächennutzungsplan zu streichen.

Nur als „Planspiele“ bezeichnete Horst Schaal eine Skizze, die westlich der Langen Äcker ein Gewerbegebiet vorsieht

Nur als „Planspiele“ bezeichnete Horst Schaal eine Skizze, die noch westlich der Langen Äcker ein Gewerbegebiet vorsieht. Dafür gebe es im Gemeinderat „momentan“ keine Mehrheit, betonte Altenberger. „Ich kann Ihnen aber nicht sagen, was in 20 Jahren ist.“ Gewerbegebiete seien notwendig: „Uns sind die Arbeitsplätze wichtig“, sagte er. „Vorrang haben ortsansässige Firmen.“