Werner Jäkle wird 80 Jahre alt. Foto: Brigitte Hess

Werner Jäkle begründete die Partnerschaft mit St. Pierre d’Albigny und kämpfte letztlich vergeblich für ein selbstständiges Stetten.

Stetten - So ist das mit körperlich und geistig regen Senioren heutzutage: Dass er an diesem Samstag, 14. Juli, seinen 80. Geburtstag feiert, das sieht man Werner Jäkle nicht an. Geradezu jugendfrisch sitzt er in seinem Stettener Häuschen mit Blick hoch auf die Yburg – und erzählt aus seinem Leben. Bürgermeister in Stetten war er nur bis 1975.

Der gebürtige Freudenstädter absolvierte eine Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst. Nach einem kurzen Intermezzo in der Stadtverwaltung von Friedrichshafen, wo ihn die Tätigkeit „nicht befriedigte“, bewarb er sich auf Stellenausschreibungen in Wildbad, Deizisau im Kreis Esslingen und Stetten (im damaligen Kreis Waiblingen) als „Gemeindeinspektor“.

1965 wurde er zum Bürgermeister gewählt

In Wildbad sagte man ihm nach dem Bewerbungsgespräch, die Stelle als Stadtpfleger sei wohl „zu langweilig“ für ihn, in Deizisau wurde ein anderer Bewerber vorgezogen – und deshalb „also Stetten“, sagt Werner Jäkle und strahlt noch heute über den Treffer.

„Hier Weinbau, dort Tannenzapfen“, beschreibt er knapp und zunächst etwas rätselhaft die Unterschiede in der Mentalität. Die Schwarzwälder seien eben verschlossen und die Stettener lebenslustiger, Umgebung und Lebenssituation prägten halt die Menschen. Rasch habe er sich eingelebt und sehr wohlgefühlt, guten Kontakt zu den Menschen gefunden, die viele Arbeit habe ihm Spaß gemacht. Der damalige Stettener Bürgermeister Hitziger sei krank gewesen, und deshalb sei viel liegen geblieben. Als Amtsverweser war der damals 23-Jährige zunächst für die 4500 Einwohner in Stetten zuständig. 1965 wurde er zum Bürgermeister gewählt und führte das Amt zehn Jahre bis zum Zusammenschluss von Rommelshausen und Stetten 1975 zur Gemeinde Kernen aus.

Vor diesem Hintergrund war ihm die Aussöhnung mit Frankreich Herzensangelegenheit

Was ihn sehr prägte und ihm bis heute wichtig ist, das ist die unter seiner Ägide beschlossene Gemeindepartnerschaft mit St. Pierre d’Albigny. „Ich wollte unbedingt dazu beitragen, dass diese Erbfeindschaft zwischen Franzosen und Deutschen verschwindet“, sagt er. Als kleiner Bub hatte er erlebt, wie Freudenstadt von den Franzosen in einem Racheakt für die Vernichtung des Örtchens Oradour durch die deutsche Wehrmacht in Schutt und Asche gelegt wurde. Die Häuser seiner Großeltern und Eltern brannten lichterloh, und „in einer Nacht stand man ohne etwas da“.

Vor diesem Hintergrund war ihm die Aussöhnung mit Frankreich Herz

Kernens aktueller Bürgermeister Stefan Altenberger gibt ihm zu Ehren einen kleinen Empfang . Foto: Archiv Simone Käser
ensangelegenheit, und nach einer Fahrt mit dem damaligen Fellbacher Oberbürgermeister Guntram Palm nach Tain l’Hermitage war er beeindruckt. Stetten war eine der ersten Gemeinden in dieser Ortsgröße, die eine Partnerschaft mit einer französischen ­Gemeinde eingingen. Dass diese bis heute durch viele enge private Beziehungen höchst aktiv ist, freut Jäkle sehr.

„Ledige Bürgermeister gibt es nicht so oft“, sagt er dann und berichtet, wie er seine Frau Ulrike bei einer Skitour in der Silvretta kennenlernte. Sie habe ihn mit ihrem Mut und ihrer Sportlichkeit beeindruckt, und nach einem Jahr Briefwechsel und Besuchen im Südschwarzwald, woher sie stammte, wurde geheiratet. Das Paar hat drei Söhne und sechs Enkelkinder, etliche Zeit im Jahr verbringen die Pensionäre inzwischen auf der Kanareninsel La Palma.

Bürgermeister Stefan Altenberger gibt ihm zu Ehren einen kleinen Empfang im Bürgerhaus

Doch zurück nach Stetten: Dass die Gemeindereform der 1970er Jahre Rommelshausen und den Wengerterort zur Gemeinde Kernen verschmelzen wollte, gefiel damals weder den Menschen unter der Yburg, noch ihrem Bürgermeister. „Wir waren der Meinung, dass Stetten als gewachsener Weinort sehr gut alleine existieren kann, und haben geklagt bis vor den Staatsgerichtshof“, erinnert sich Jäkle. Vergeblich.

Das alles ist längst Geschichte, aber Werner Jäkle war sein Amt los, Bürgermeister des neuen Kernen wurde der Rommelshauser Günter Haußmann. Doch kaum 14 Tage daheim, rief der damalige Waiblinger Landrat Horst Lässing an: Als Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands fand Werner Jäkle bis zu seiner Pensionierung 23 Jahre lang eine neue Herausforderung. An diesem Samstag nun wird Werner Jäkle 80 Jahre alt, und Kernens aktueller Bürgermeister Stefan Altenberger gibt ihm zu Ehren einen kleinen Empfang im Bürgerhaus – in Rommelshausen.

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