Die Kelter in Schorndorf-Miedelsbach wird von der Firma Arnold Glas saniert. Die erste Produktionsstätte des Familiengründers soll als Akademie genutzt werden und Bürgern zur Verfügung stehen. Foto: Gottfried Stoppel

Der Isolierglas-Erfinder Alfred Arnold wäre am 9. November 100 Jahre alt geworden. Als Geburtstagsgeschenk wird seine erste Produktionsstätte im Schorndorfer Teilort Miedelsbach aufwendig renoviert und zu einer Akademie des Unternehmens Arnold Glas umgebaut.

Schorndorf - Genau 60 Jahre ist es her, dass Alfred Arnold in der Kelter von Schorndorf-Miedelsbach das Mehrscheibenisolierglas erfunden hat. Aus den Ideen eines Tüftlers hat sich ein führendes mittelständisches Unternehmen entwickelt: Mittlerweile beschäftigt der in Remshalden ansässige Glasveredler 800 Mitarbeiter an acht Standorten.

Am 9. November wäre Firmengründer Alfred Arnold 100 Jahre alt geworden. „Wir haben uns überlegt, ob wir eine dicke, fette Party feiern. Aber das ist nicht zeitgemäß“, erzählte sein Sohn Hans-Joachim Arnold, der zudem Vorsitzender des Aufsichtsrates ist, vor Kurzem im Schorndorfer Gemeinderat. Das Gremium hatte darüber zu entscheiden, ob der Firmengründer stattdessen mit einer etwas längerfristigen Idee gewürdigt werden darf.

Schulungsakademie soll auch von Bürgern genutzt werden können

Hans-Joachim Arnold und seine beiden Brüder möchten die Kelter Miedelsbach in eine Schulungsakademie der Firma umbauen und sie dadurch wieder beleben. „Wir würden das Gebäude vielleicht 20 bis 30 Mal im Jahr nutzen. Es wäre schade, wenn sie nur uns zugutekommt“, sagte Hans-Joachim Arnold. Stattdessen sollen auch Bürger die Kelter für Feiern oder Kulturveranstaltungen nutzen können.

Für die Stadt ist das Vorhaben nicht nur deswegen ein Glücksfall. Bis vor fünf Jahren war das nicht unter Denkmalschutz stehende Gebäude als Lagerfläche vermietet. Eine folgende Untersuchung durch das städtische Gebäudemanagement hatte ergeben, dass eine Sanierung der Kelter mit einem sehr hohen Aufwand verbunden wäre. Deswegen wurden bereits die Kosten für einen Abbruch erhoben und auf 100 000 Euro beziffert. Weil dieser Vorschlag beim Ortschaftsrat auf wenig Gegenliebe stieß, wurde die Überlegung vom Gemeinderat zurückgestellt. Eine Entscheidung über eine alternative Nutzung war bisher aber noch nicht gefallen.

Fachwerk der Kelter wird erhalten

Umso mehr haben sich Ortschafts- und auch Gemeinderat über die Idee des Glasveredlers und die Pläne der beauftragten Architektin Sigrid Hintersteininger gefreut. „Wir möchten aus der Kelter etwas Neues machen, sie aber in weiten Teilen erhalten“, berichtete sie. So soll das Fachwerk bleiben und der Dachstuhl sichtbar werden. Im Erdgeschoss wird ein großer, aber unterteilbarer Saal entstehen. Je nach Art der Nutzung können dort zwischen 72 und 200 Gäste untergebracht werden.

Ein neues Element ist dagegen der Kubus, der die Verbindung zu Arnold Glas darstellen soll: Er ist ab dem Obergeschoss vollverglast und wird als gläserne Gaube auf der Nordseite aus dem Gebäude herausragen. Im unteren Teil sollen dort Küche und Technik untergebracht werden, im oberen Teil ein Seminarzimmer. Auch einige der Wände sollen im Zuge der Sanierung verglast werden.

Ende nächsten Jahres soll die Arnold Akademie fertiggestellt sein

Wie viel das Unternehmen für diese Investition ausgibt, möchte Hans-Joachim Arnold nicht sagen. Losgehen soll es sobald wie möglich: „Wir sind momentan in der Detailplanung, um möglichst schnell eine Baugenehmigung zu bekommen. Schön wäre, wenn wir im November einen symbolischen Spatenstich hätten“, sagt er auf Nachfrage. Fertiggestellt werden soll die Akademie Ende 2020/Anfang 2021.

Der Gemeinderat hat dem Projekt zugestimmt. Da sich die Kelter auf einem Grundstück befindet, auf welchem ebenfalls das Feuerwehrgerätehaus steht, wird das Grundstücksteil nicht verkauft, sondern soll in Form eines Erbbaurechts überlassen werden.

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