Der Schwäbischen Albverein Bonlanden bewirtschaftet bei Festen die Kelter, Wasser für Küche und Toiletten kommt aus einem Brunnen – dieser soll aber nun stillgelegt werden.
Gerade jetzt, wo der Herbst die Wiese vor der Kelter in Bonlanden mit Laub bedeckt, könnte man sie schnell übersehen: die flache braune Kuppel, die sich am Waldrand leicht vom Boden abhebt. „Eigentlich sieht er nicht spektakulär aus“, sagt Dietmar Weinmann und schaut auf den Deckel. Doch unter ihm liegen aktuell die Probleme des Schwäbischen Albvereins Bonlanden: Unter dieser Abdeckung geht es 15 Meter in die Tiefe. Der Bohrbrunnen versorgt die Kelter, die der Verein bewirtschaftet, mit Trinkwasser. Jetzt aber droht das Landratsamt Esslingen, den Hahn zuzudrehen. Da der Brunnendeckel nicht mehr dicht ist und eine Verunreinigung des Wassers befürchtet wird, fordert die Kreisbehörde eine fachmännische Sanierung. Mehrfach wurde eine Frist verlängert, nun aber erlaubt das Landratsamt die Wasserentnahme nur noch bis zum 31. Dezember 2025.
„Für uns wäre das ein Riesenproblem“, sagt Dietmar Weinmann, der Vorsitzende. Die Ortsgruppe feiert heuer ihr 125-Jahr-Jubiläum. Seit fast 60 Jahren hat sie die idyllisch im Grünen gelegene Kelter von der Stadt gepachtet. Immer wieder richten die Ehrenamtlichen rund ums historische Gebäude beliebte Feste aus. „Bei den Großveranstaltungen kommen 300 bis 400 Leute“, sagt er. Das alles ohne Wasser? Unvorstellbar. „Dann könnten wir die Kelter nicht mehr in der Form bewirtschaften. Das wäre für uns ein Stillstand“, sagt Dietmar Weinmann.
Kelter in Bonlanden: wie geht es mit der Wasserversorgung weiter?
Der Brunnen, der sich aus dem Grundwasser speist, stammt aus den 1970ern. Der 650 Mitglieder starke Verein hat ihn gebaut und finanziert, erklärt Dietmar Weinmann. „Mit der Wasserqualität gab es immer wieder Probleme.“ Man habe bisweilen mit Chlor hantieren müssen, auch diverse Filter und eine UV-Desinfektionsanlage habe man installiert. Der Grenzwert für den Urangehalt müsse ebenfalls im Blick behalten werden. Vor einigen Jahren seien bei einer Sommerveranstaltung zudem neue Probleme aufgetreten. In der Toilette sei kein Wasser mehr gekommen. „Da waren die Alarmglocken da.“ Will heißen: Ob der Brunnen langfristig genügend Wasser führen wird, ist unklar.
Über das alles ist man seit 2019 mit der Stadt im Gespräch. Seither geht es darum, die Zuständigkeiten in puncto Brunnen und Instandhaltung vertraglich zu fixieren. „Es wurde uns zugesagt, dass die Mängel behoben werden“, sagt Dietmar Weinmann. Bis heute gibt es aber keinen aktualisierten Pachtvertrag. In der jüngsten Sitzung des Filderstädter Gemeinderats hat Dietmar Weinmann die Misere öffentlich gemacht. Was er sich wünschen würde: eine Wasserleitung zur Kelter. „Das wäre das Eleganteste“, denn so entfielen auch die vielen Beprobungen.
Wasserversorgung für die Kelter: ein mobiler Tank?
Der Oberbürgermeister Christoph Traub machte noch in der Sitzung Zugeständnisse. „Ich sage Ihnen zu, dass wir den Pachtvertrag bis zum 31. März 2026 unterschrieben haben“, sagte er. Während Corona sei das Thema in der Verwaltung liegen geblieben, bekennt er im Gespräch mit unserer Zeitung, „das ist nicht unser Anspruch“. Mitte November sei nun ein Vor-Ort-Termin mit dem Landratsamt, dabei werde es unter anderem um eine Sanierung des Brunnens gehen, ebenso darum, wie man die Wasserversorgung langfristig sichern könne. Auch die Anschaffung eines mobilen Tanks sei seitens der Stadt denkbar. Eines stellt Christoph Traub jedoch klar: Eine Wasserleitung zu verlegen, sei nicht möglich. Der Weg sei zu weit, auch würde das Wasser zu oft zu lang in den Leitungen stehen und so verkeimen. „Das ist wasserwirtschaftlich nicht zu vertreten.“