Zehn Millionen Euro sind als „Rahmenbudget“ für das Sportevent in der MHP-Arena nötig. Nur Grüne und FDP sind bereit, sich für die Veranstaltung zu bewerben.
Für die Fußball-Europameisterschaft der Männer im vergangenen Jahr hat sich die Landeshauptstadt finanziell ins Zeug gelegt. Um die neue Haupttribüne in der MHP-Arena rechtzeitig fertigzustellen, musste die Stadt praktisch über Nacht 80 Millionen Euro nachschießen, für fünf Spiele gab man als Gastgeber weitere rund 40 Millionen Euro. Auch um die Ausrichtung der Frauen-EM im Fußball 2029 wollte sich die Verwaltung mit einer Finanzierungsgarantie an den DFB über zehn Millionen Euro bewerben. Stichtag ist laut Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) der 13. Februar 2025, dann tagt das DFB-Präsidium zur Endauswahl der mindestens acht Spielorte.
in.Stuttgart: Wichtig für Imagebildung
Die Unterlagen seien eingereicht, es fehle noch die Zusage des Gemeinderats für das Geld. Diese sollte noch vor der Genehmigung des Nachtragshaushalts für 2025 erfolgen. „Sportgroßveranstaltungen sind ein wichtiger Faktor zur Imagebildung. Sie können eine große Strahlkraft im In- und Ausland entwickeln“, heißt es in der Vorlage. Die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart plädiert dafür, den Tourismusstandort mit internationalen Großveranstaltungen zu stärken. Fuhrmann wollte die zehn Millionen für den Beschluss zunächst aus dem Zuschussbudget der Stadt für Beteiligungsunternehmen decken. Aktuell könne man noch nicht sagen, aus welchem Budget man den Aufwand dann 2029 finanzieren werde, so der Bürgermeister.
CDU: Defizit Bürgern nicht zuzumuten
So weit kommt es aber nicht. Der Gemeinderat wird an diesem Donnerstag über die Bewerbung abstimmen – und sie verwerfen. In der Debatte im Verwaltungsausschuss, der auch für die Finanzen zuständig ist, zeichnete sich eine deutliche Mehrheit gegen die Frauen-EM in Stuttgart ab. Das absehbare Millionendefizit könne man „den Bürgern nicht zumuten“, sagte Markus Reiners für die CDU. Fußballspiele der Frauen seien deutlich schlechter besucht als die der Männer, man müsse leere Plätze im Stadion befürchten oder Tickets verschenken. Mit der Idee, mit dem Frauenfußball in große Städte zu gehen, tue man dem Turnier keinen Gefallen, „kleinere Stadien würden besser passen“, sagte CDU-Fraktionschef Alexander Kotz.
Linke/SÖS sehen die Uefa kritisch
Auch die Fraktion aus Sozialdemokraten und Volt lehnt das Sportevent ab. Im Rückblick und mit der Frage nach dem Ertrag müsse man sich fragen, ob man die EM 2024 „nochmals machen“ würde, sagte Fraktionssprecherin Jasmin Meergans. Angesichts der Haushaltslage könne man nicht zustimmen. Dieses Argument brachte auch die AfD. Ob es bei zehn Millionen bleibe, sei unklar, die Uefa lehne man als Organisation außerdem ab, „wir sehen die EM in Stuttgart daher nicht“, so Johanna Tiarks für Linke/SÖS. „Wir haben Sympathien für den Frauenfußball, aber das ist der falsche Zeitpunkt“, so Thorsten Puttenat für die Gruppe Puls. Man habe das Thema in der Fraktion noch nicht diskutiert, so Rose von Stein für die Freien Wähler. Sie beantragte die Verschiebung der Abstimmung in den Gemeinderat.
FDP fürchtet „Rückfall in Provinzialität“
Er habe keine Sorge, dass man das Stadion ausverkauft bekomme, sagte Florian Pitschel für die Grünen. Die Argumentation der CDU verwundere, denn „betriebswirtschaftlich hätten wir die Herren-EM so was von ablehnen müssen“. Aber nun stehe die Infrastruktur. Sollte Deutschland den Zuschlag für die Austragung bekommnen, werde man 2029 erklären müssen, warum man die Veranstaltung abgelehnt habe. Mit der Ablehnung „fallen wir in die Provinzialität zurück“, so der Schluss von FDP-Fraktionschef Matthias Oechsner. Stuttgart werde somit zum „Stutendorf“. Grüne und FDP verfügen im Rat zusammen über 18 von 60 Stimmen, die Freien Wähler über fünf.
Einstimmig pauschal zugestimmt hat der Verwaltungsausschuss der Förderung der Handball-WM der Frauen 2025 mit einem Festbetrag von 1,083 Millionen Euro. Für diese WM hatte man sich bereits 2019 als Ausrichterstadt beworben. Auch die Veranstaltung des Schwäbischen Turnerbunds (40. EnBW-DTB-Pokal) im März in der Porsche-Arena wird unterstützt, die Stadt gibt einen fixen Zuschuss von 150 000 Euro.