Angeln am Max-Eyth-See in Stuttgart. Foto: dpa

Stundenlang rumzuhocken, aufs Wasser zu starren und beim leisesten Zucken der Angelschnur aufzuspringen waren nicht sein Ding: Unser Redakteur Markus Brauer berichtet, warum er angeln hasst.

Stuttgart - Mein Vater war Angler aus Leidenschaft. Genau wie mein Opa. Und ihre besten Kumpel. Für einen Jungen aus dem Ruhrpott hieß das: An den Wochenenden fuhren die Männer des Öfteren an den Rhein-Herne-Kanal bei Oberhausen. Und Sohnemann ging mit, um was fürs Leben zu lernen, wie mein Großvater immer sagte.

Hocker aufgeklappt, Wurmboxen danebengestellt, Teleskopangelrute ausgeworfen, Bier, Limo und Wurstbrot ausgepackt. Ich hatte eine spezielle Kinder-Angel, aber was mir völlig abging, waren Geduld und Spaß am Angeln. Stundenlang rumzuhocken, aufs Wasser zu starren und beim leisesten Zucken der Angelschnur aufzuspringen waren nicht mein Ding. Außerdem taten mir die armen Fische leid, die hilflos im Netz zappelten und panisch nach Luft schnappten.

Eine beliebte Beute von Kanal-Anglern war damals wie heute Karpfen. Aber auch Zander hingen oft am Haken. Die gefangenen Fische wurden meist gleich wieder ins trübe Wasser gekippt. Zu genießen waren sie ohnehin nicht. Wenn man die rostigen Lastkähne vorüberziehen, die Ölflecken auf dem Wasser schwimmen und die Rohre an den Kanalwänden sah, wusste man auch gleich, warum.

Irgendwann hatten die Hobby-Fischer genug vom Kanal-Dasein und pachteten stattdessen in der Nähe meines Elternhauses inmitten eines Naturschutzgebietes eine Forellenzucht. Die gehörte einem älteren Herrn, der sommers wie winters in Jägerkluft rumlief. Von nun an gehörten noch mehr Wochenenden den Fischen – statt den Ehefrauen und den Kindern.

Die drei großen Teiche mussten mit einem langen Kescher gesäubert, die Wege­ gefegt und die Wiese gemäht werden. Während sich die Männer nach getaner Arbeit ein kühles Pils gönnten, kümmerte ich mich um die Forellen. Mit dem Angeln war’s nicht getan. Salmo trutta – wie der zoologische Name der Forelle lautet – musste entschuppt, ausgenommen und ­gewaschen werden.

Gottlob! Nach zwei, drei Jahren waren die Erwachsenen des Teich-Lebens überdrüssig. Der Pachtvertrag wurde gekündigt. Vorbei war’s mit der Angel-Leidenschaft. Mein Vater wurde Hobby-Imker. Opa stellte im Garten zwei Gewächshäuser auf, in denen er junges Gemüse liebevoll umsorgte. Und ich hatte die Wochenenden endlich wieder frei. Geangelt habe ich übrigens nie wieder!