Das Stuttgarter Sommerfest zieht eine halbe Million Besucher an. Um die Standplätze gibt es jetzt Streit. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Für die Vergabe der Standplätze beim Volksfest, Frühlingsfest und Weihnachtsmarkt hat der Gemeinderat Richtlinien beschlossen. Für das Sommerfest, ebenfalls in städtischer Regie veranstaltet, gilt das nicht. Das löst Ärger bei Bewerbern aus.

Stuttgart - Der Gastronom ist nicht gut auf die in.stuttgart zu sprechen. „Da gibt es keine Vergabekriterien, da entscheidet einer nach seinem persönlichen Geschmack“, sagt er über die städtische Veranstaltungsgesellschaft. Auslöser des Ärgers ist das Sommerfest. Auf dem wollte der Mann, der früher bereits mit der in.Stuttgart zusammengearbeitet hatte, einen Stand betreiben. „Ich habe mich zig Mal beworben, aber am Ende nur eine rüde Absage bekommen“, sagt er. Eine wirkliche Begründung sei ihm nicht geliefert worden – und einen Katalog mit Vorgaben, an dem man sich orientieren könne, gebe es nicht. Er hat mittlerweile einen Rechtsanwalt eingeschaltet, um die Sache zu klären.

Tatsächlich gibt es erhebliche Unterschiede bei den verschiedenen städtischen Großveranstaltungen. „Die Richtlinien für die Vergabe von Ständen auf den großen Festen werden durch den Gemeinderat beschlossen“, sagt Rathaussprecher Martin Thronberens. Diese Richtlinien sind öffentlich einsehbar und legen im Detail fest, was für eine Bewerbung notwendig ist, welche Ausschlusskriterien zu beachten sind oder was passiert, wenn es zu viele Interessenten gibt. Auch die Gebühren legen die Stadträte fest. Das gilt allerdings nur für Volksfest, Frühlingsfest und Weihnachtsmarkt. „Für das Sommerfest gibt es keine Richtlinien, da es nicht als Markt im Sinne der Gewerbeordnung gilt“, sagt Thronberens.

Sommerfest ist kein Selbstläufer

Bei der in.stuttgart führt man noch weitere Gründe für ein unterschiedliches Vorgehen an. „Das Sommerfest ist viel kleiner. Da geht es um 30 Stände und etwa 20 Betreiber“, sagt Sprecher Jörg Klopfer. Das Sommerfest dauere nur vier Tage und sei aufgrund der Wetterabhängigkeit ein Risiko für die Wirte. Das alles mache eine andere Vergabepraxis notwendig. „Wir sind immer im Gespräch mit denjenigen, die regelmäßig dabei sind, und gehen auch einmal selbst auf Leute zu, damit es immer mal wieder etwas Neues gibt.“

Im Klartext bedeutet das: Die Bewerber stehen nicht so Schlange wie bei den anderen großen Veranstaltungen. Für die rund 350 Stände beim Volksfest bewerben sich normalerweise rund 1000 Interessenten. Beim Frühlingsfest sind es 800 Bewerber für 250 Plätze, beim Weihnachtsmarkt 1000 Interessenten für 300 Stände. Auch da sind nicht immer alle einverstanden mit der Vergabe, auch wenn sie auf klaren Richtlinien beruht. „In Einzelfällen geht das auch mal vor Gericht, aber wir haben noch kein Verfahren verloren, weil die Entscheidungen immer nachvollziehbar waren“, so Klopfer. Strittig ist immer wieder nicht nur, wer überhaupt mitmischen darf, sondern auch an welchem Standort.

Beim Sommerfest jedoch ist die Ausgangslage schwieriger. Es gebe schon immer mal wieder Diskussionen, räumt die in.stuttgart ein. Klopfer verwahrt sich jedoch gegen den Vorwurf, einer allein entscheide nach Gutdünken über die Vergabe: „Es gibt einen Projektleiter, einen Abteilungsleiter und im Zweifel auch noch einen Geschäftsführer. Gerade, wenn es Ärger gibt, entscheidet nicht einer allein.“ Zum konkreten Fall will man sich nicht im Detail äußern. Es habe Probleme mit dem Wirt gegeben. Das Rechtsanwaltsschreiben der Gegenseite liege vor, man wolle nun noch einmal das Gespräch suchen.

Kein Ärger beim Weindorf

Beim Weindorf kennt man solche Probleme nicht. Es wird nicht von der Stadt, sondern vom Pro Stuttgart Verkehrsverein veranstaltet. „Wir entscheiden nach Qualitätskriterien, wer mit dabei ist“, sagt Geschäftsführerin Bärbel Mohrmann. Vorrangig behandelt werden Bewerber aus Stuttgart oder der Region.

Auch beim Weindorf ist es so, dass nicht Hunderte Interessenten abgewiesen werden müssen. Etwa 10 bis 15 Betriebe, die gerne Lauben bespielen würden, kommen jedes Mal nicht zum Zug, denn es gibt wenig Wechsel. „Wir haben aber ein sehr gutes Verhältnis zu den Wirten“, erzählt Bärbel Mohrmann, so dass es zu keinen größeren Auseinandersetzungen kommt. Man bespreche die Bewerbungen mit dem Vorstand und dem Weindorfausschuss, die Entscheidung fälle dann letztlich aber sie, sagt die Geschäftsführerin.

Der verhinderte Sommerfest-Wirt will hingegen nicht so schnell klein beigeben. „Wir brauchen transparente Regeln für die Stuttgarter Feste. Ich möchte mich an einem fairen, offenen Verfahren beteiligen können“, fordert er.

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