Senioren im betreuten Wohnen müssen ihre Coronaimpfung selbst vereinbaren und Zentren aufsuchen. So etwa im Haus Roser in Stuttgart-Feuerbach.
Feuerbach - Jeden Tag sind derzeit sieben mobile Impfteams des Klinikums Stuttgart in der Landeshauptstadt und Umgebung unterwegs. Das Robert-Bosch-Krankenhaus hat fünf mobile Teams im Einsatz. Für die Impfung gegen Covid 19 angefahren werden allerdings nur Pflegeheime und ambulant betreute Wohngemeinschaften. Menschen, die über 80 sind und damit ebenfalls einen Anspruch auf vorrangige Impfung haben, aber im betreuten Wohnen leben, müssen selbst einen Impftermin vereinbaren und sich in der Liederhalle oder im Robert-Bosch-Krankenhaus impfen lassen.
Für Berthold Lannert, den Schulleiter des Heidehof-Gymnasiums, ein nicht hinnehmbarer Zustand. Sein 87 Jahre alter Vater wohnt im Haus Roser, einer Anlage für betreutes Wohnen des Deutschen Roten Kreuzes in Feuerbach. „Die meisten der rund 70 Bewohner sind wie er älter als 80 und kaum in der Lage das Haus zu verlassen. Wie sollen die per Telefon oder gar übers Internet einen Impftermin vereinbaren und ins Impfzentrum kommen?“, fragt er und spricht damit für viele Angehörige.
Anträge auf Nachbesserungen haben derzeit kaum Chancen
Auch Annett Ostermeier, Pflegedienstleiterin im Haus Roser, erklärt, dass die Senioren bei der Vereinbarung eines Impftermins auf die Hilfe ihrer Angehörigen angewiesen sind. Bewohner ohne Angehörige bekommen von zwei Mitarbeiterinnen Unterstützung. „Für Senioren im betreuten Wohnen gilt das gleiche wie für die zu Hause: Sie müssen ihre Impfung selbst organisieren“, sagt sie. Zwar bemühe man sich um Nachbesserung, rechne sich aber kaum Chancen aus.
Eine Änderung der Situation ist tatsächlich zumindest vorerst nicht geplant. „Das betreute Wohnen fällt nicht unter stationäre Pflegeeinrichtungen. Das Land hat sich entschieden, die mobilen Impfteams zunächst nur in stationären Pflegeeinrichtungen und bei ambulant betreuten Wohngruppen einzusetzen“, stellt Pascal Murmann vom Sozialministerium fest. Das Argument: Die Seniorinnen und Senioren im betreuten Wohnen hätten andere individuelle Schutzmöglichkeiten vor einer Virusübertragung, als Menschen in Pflegeheimen und ambulanten Wohngemeinschaften.
Murmann versichert jedoch, dass zu „einem späteren Zeitpunkt“ Bewohner betreuter Wohnanlagen, die nicht mehr aus dem Haus können, „abhängig von der Verfügbarkeit des Impfstoffs und spätestens im Rahmen der Regelversorgung durch die Hausärzte“ von mobilen Teams geimpft werden können. Bleiben Impfdosen in Pflegeheimen oder ambulant betreuten Wohngemeinschaften übrig und müssten wegen der geringen Haltbarkeit entsorgt werden, können sie im betreuten Wohnen verimpft werden, sofern die Anlage in direkter Nähe ist.
Mit der Verfügbarkeit des Impfstoffs sieht es derzeit allerdings mehr als schlecht aus. Weder unter der zentralen Telefonnummer 116 117 noch im Internet unter www.impfterminservice.de sind deshalb derzeit Termine zu bekommen. „Seit drei Wochen versuche ich vergeblich, meinen Vater anzumelden. Und es wäre doch so einfach, im betreuten Wohnen mehrere Dutzend Menschen auf einmal zu impfen“, kritisiert Berthold Lannert.
In den beiden Impfzentren in Stuttgart, dem des Klinikums in der Liederhalle und dem des Robert-Bosch-Krankenhauses, sind rund 20 000 Menschen geimpft worden. Täglich kommen rund 1300 Neu-Geimpfte dazu. 50 Prozent des vorhandenen Impfstoffs wird für die notwendige zweite Impfung zurückbehalten. Sobald neuer Impfstoff eingetroffen ist, sollen über das Buchungssystem wieder Termine vergeben werden. Soweit sein soll das nach Auskunft des Sozialministeriums „einige Tage vor dem 22. Januar“.