Einige der ausrangierten Boote sind beim Bauhof in Steinheim zwischengelagert. Foto: Werner Kuhnle

Auf dem Gewässer bei Ludwigsburg werden „auf absehbare Zeit“ keine Boote mehr verliehen. Doch die einst hier schippernden Gefährte haben damit keineswegs ausgedient.

Für Thomas Leitz war es ein Schock, für seine Kunden eine schwer zu verdauende Nachricht, für die Stadt Ludwigsburg der Verlust einer beliebten Attraktion: Im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass die Hofkammer des Hauses Württemberg den Pachtvertrag mit dem Bootsverleiher am Monrepos-See nicht verlängert. Ende Juni musste der Betrieb eingestellt werden. Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs werde man nun vom Frühjahr an nicht über das Gewässer schippern können, sagt Leitz, dem die Enttäuschung über das erzwungene Aus immer noch anzuhören ist. Und nach Lage der Dinge wird man sich auf eine längere Zeit ohne das Freizeitvergnügen einstellen müssen.

 

Die Hofkammer hatte den Kontrakt mit Thomas Leitz nach eigenen Angaben auslaufen lassen, weil bestimmte Bäume an dem Gewässer nicht mehr hundertprozentig sicher stünden und man kein Risiko eingehen wolle. „Da die Verkehrssicherheit durch nicht mehr standfeste Bäume noch immer gefährdet ist, wird es auf absehbare Zeit keinen Bootsverleih geben“, teilt die Hofkammer nun mit. Ein Vertreter des Hauses hatte zwar im vergangenen Frühsommer angedeutet, das Gespräch mit dem Landratsamt suchen zu wollen, um sich über eine mögliche Rodung in dem Naturraum auszutauschen. Doch dazu ist es nach Angaben der Behörde bis dato nicht gekommen. „Die Hofkammer ist in dieser Sache noch nicht auf uns zugekommen“, erklärte Pressesprecher Andreas Fritz unlängst.

Diese ganze Entwicklung hatte allerdings nicht zur Folge, dass die 15 Tret- und 30 Ruderboote aus der Flotte von Thomas Leitz hätten eingemottet werden müssen. Der Freiberger hat mit nur einer Ausnahme für alle Gefährte Abnehmer gefunden. „Dabei ist trotzdem viel Geld vernichtet worden“, betont der 58-Jährige. Schließlich müsse man für ein neues Tretboot um die 11 000 Euro investieren. Die Ruderboote habe er selbst gezimmert. Realistischerweise hätten diese einen Gegenwert pro Stück irgendwo im Bereich zwischen 8000 und 9000 Euro, schätzt Leitz.

Die Ruderboote hat Thomas Leitz selbst zusammengezimmert. Foto: Archiv /(Werner Kuhnle)

Bedient hat sich aus dem Fundus von Leitz unter anderem die Stadt Bietigheim-Bissingen. Man muss also gar nicht so viele Kilometer abspulen, wenn man mit den Wasserfahrzeugen vom Monrepos wieder eine Runde drehen möchte. Insgesamt zehn Tretboote habe man für den Bootsverleih an der Enz gesichert, berichtet Anette Hochmuth, Pressesprecherin der Kommune. „Die letztjährigen Boote stammen noch von der Landesgartenschau 1989 und mussten aufgrund des Alters ersetzt werden. Wir waren bereits längere Zeit auf der Suche nach geeigneten Booten“, erklärt sie. Zur Saisoneröffnung im Frühjahr kämen die Neuerwerbungen vom Monrepos zum Einsatz. „Aktuell läuft noch die Überarbeitung durch den städtischen Bauhof“, berichtet Anette Hochmuth.

Etwas Hand anlegen müssen auch die Kollegen in Steinheim, ehe sieben Ruderboote aus dem früheren Bestand von Leitz ihrer neuen Bestimmung übergeben werden können. Sie sollen fortan als Spielgeräte dienen, vornehmlich in Kitas, sagt der Bürgermeister Thomas Winterhalter. Über persönliche Kontakte zu der Pächterfamilie sei das Ganze zustande gekommen. „Wir haben auch das Tickethäusle erworben“, erklärt der Rathauschef. Es soll künftig als Gerätehütte in einem Kindergarten verwendet werden.

Ein Dekorationsstück für Tripsdrill

Wer in dieser Saison Tripsdrill einen Besuch abstattet, wird ebenfalls auf ein Relikt aus Ludwigsburg stoßen. Leitz hat dem Freizeitpark ein Ruderboot geschenkt. Tripsdrill habe er vor 20 Jahren schon einmal ein solches Gefährt überlassen. Er wisse, dass es dort in guten Händen sei. Das Boot „wird bei uns als Dekorationsstück im Bereich des Mühlensees bei der Altweibermühle integriert“, verkündet Tripsdrill-Pressesprecherin Britta Dirrler. „In diesem Zusammenhang wollen wir dann darauf hinweisen, dass mit solchen Ruderbooten viele Jahre auf dem idyllischen Monrepos-See bei Ludwigsburg Jung und Alt ihre Freizeit verbringen konnten“, erklärt sie. Dirrler hebt hervor, dass die Familie Fischer als Betreiber des Freizeitparks stets „ein freundliches Verhältnis“ zu Thomas Leitz gepflegt habe. Diesem Umstand sei es zu verdanken, dass er Tripsdrill das Ruderboot geschenkt habe.

Weitere Exemplare aus seinem Fundus seien zum Beispiel nach Darmstadt gegangen, sagt Leitz, bei dem sich gelegentlich immer noch Menschen melden und fragen: wann startet die Saison bei euch? Früher hätte Leitz geantwortet: je nach Wetter Anfang oder Mitte März, jetzt muss er sagen: leider gar nicht – und zumindest unter meiner Regie auch nie wieder.

Ein Anwesen mit langer Geschichte

Lage
Das Schloss Monrepos wurde von Herzog Carl Eugen von 1758 bis 1764 erbaut. Es befindet sich zwischen Freiberg und Ludwigsburg. Auf dem Anwesen sind unter anderem ein Weingut, ein Hotel und ein Golfplatz angesiedelt.

Verleih
Ein See befindet sich ebenfalls auf dem Areal, in den bereits im 18. Jahrhundert Schiffe eingesetzt wurden. Anfangs des 19. Jahrhunderts wurden zwei künstliche Inseln in dem Gewässer aufgeschüttet. Die Wasserfläche ist heute rund 5,6 Hektar groß. Der Freiberger Thomas Leitz hat sich seit 1999 als Pächter um den Bootsverleih gekümmert. Sein Vertrag mit der Hofkammer war zum 30. Juni 2024 ausgelaufen.