Im Januar war Thorsten Strotmann noch zuversichtlich, auf dieser Wiese in Leonberg bauen zu können. Foto: factum/

Der Zauberkünstler Thorsten Strotmann bleibt mit seiner Magic Lounge in Stuttgart. Die Ansiedlung in Leonberg sieht er als gescheitert an, weil sich Widerstand bei Naturschützern regt. Zuvor kam er schon auf dem Flugfeld nicht zum Zug.

Leonberg - Manchmal kommt es eben anders, als man denkt,“ sagt der Magier Thorsten Strotmann. Er erteilte der Stadt Leonberg nun eine Absage: Er wolle in Leonberg kein Zaubertheater mehr bauen. Seine Magic Lounge bleibe im Stuttgarter Römerkastell, gab er bekannt. Als Gründe führte Strotmann den Widerstand gegen sein Projekt an, aber auch die zu erwartende Dauer bis zum Baustart. Für das Vorhaben hätte ein Bebauungsplan aufgestellt werden müssen. In der Regel dauert das ein Jahr. Dabei hatte der Gemeinderat vor der Kommunalwahl in einer nicht-öffentlichen Sitzung noch grünes Licht für Strotmanns Bauvorhaben gegeben.

„Wir benötigen die weitere Zustimmung. Immer wieder, vor allem im Gemeinderat. Im letzten Gespräch mit dem Bau- und Planungsamt kam heraus, dass es viel Widerstand vor allem von den Grünen und dem Naturschutzbund gibt“, erklärte Strotmann. Die Grünen waren bei der Gemeinderatswahl stärkste Kraft geworden und verfügen künftig über acht von 32 Sitzen im Gremium. Damit habe er im Kommunalparlament keine klare Mehrheit, meinte der Magier. Naturschützer hätten schon Briefe gegen das Projekt an das Regierungspräsidium und die Stadt Leonberg geschrieben, will Strotmann in Erfahrung gebracht haben.

Projekt hätte sich jahrelang hinziehen können

Weil es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handle, könne jeder Bürger Eingaben machen, so Strotmann weiter: „Dann beginnen Gerichte mitzuwirken – und alles­ dauert noch länger.“ Ein Architekt und mehrere Anwälte hätten ihm gesagt, dass sich das Projekt noch fünf Jahre hinziehen könne. „So können und wollen wir unser Vorhaben nicht umsetzen. Wir machen nur Projekte, die uns Spaß machen, in Fluss kommen und unternehmerisch sinnvoll sind. Wir werden auch nirgends hingehen, wo wir nicht willkommen sind“, betont Strotmann, der in Weissach lebt.

Der Magier wollte einen Saal bauen lassen für bis zu 270 Zuschauer. Das Theater wollte er möglichst noch vor Weihnachten 2021 eröffnen. Strotmann rechnete mit 70 000 Zuschauern pro Jahr. Die Lage am Autobahndreieck hielt er „für sehr attraktiv“. Nachdem Pläne für eine neue Spielstätte auf dem Flugfeld im Oktober gescheitert waren, hatte Strotmann mit den Betreibern des Kinos Traumpalast in Leonberg Ideen geschmiedet für einen neuen Standort neben dem Kino.

Pläne auf dem Flugfeld waren auch schon gescheitert

Zuvor hatte sich Strotmann bei den maßgeblichen Amtsträgern in Böblingen und Sindelfingen, die im Zweckverband Flugfeld das Sagen haben, über mangelndes Interesse beklagt. Es waren städtebauliche Vorgaben gemacht worden mit einem Architektenwettbewerb – dabei wollte Strotmann doch selbst entscheiden, wie seine Magic Lounge aussehen soll.

In Leonberg, wo der Magier danach bauen wollte, befindet sich ein geschütztes Biotop. Kurze Zeit später wurde ihm eine Alternative in den Riedwiesen präsentiert, unterstützt von Oberbürgermeister Martin Cohn. An der Glemseckstraße sollte das neue Theater auf einem Privatgrundstück entstehen. Auch hier gab es jedoch große Bedenken. Zum einen liegt das Gelände in einem Landschaftsschutz­gebiet, zum anderen ist es bereits als Ausgleichsfläche für den Kino-Neubau Traumpalast reserviert. Zudem hätte sich Strotmanns Zaubertheater, das bis zu 16 Meter hoch werden sollte, in einer Frischluftschneise von Leonberg-Eltingen befunden. Und darüber hinaus hatten Anwohner Bedenken bezüglich der Park- und Verkehrssituation.

Frischluftschneise soll nicht zugebaut werden

„Alle hätten gerne ein solches Zaubertheater in Leonberg gehabt. Niemand hat sich dagegen ausgesprochen. Doch stellt sich die Frage nach dem Standort“, sagt Bernd Murschel, der grüne Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Gemeinderat. „Eine Frischluftschneise zuzubauen, ist nicht die Lösung­. Erst recht nicht vor dem Hintergrund, dass wir uns viele Jahre für eine sanfte Bebauung in den Riedwiesen eingesetzt haben“, erklärt Murschel.

Die nichtöffentliche Sitzung des Gemeinderats, in der eine Entscheidung pro Strotmann gefallen sei, sei recht knapp gewesen, meinte Murschel weiter. Einige Stadträte seien verärgert über den Druck gewesen, den Strotmann aufgebaut habe. „Da hieß es: hier oder nirgendwo, jetzt oder nie“, berichtete Murschel. Auch den Oberbürgermeister Martin Cohn und den Baubürgermeister Klaus Brenner greift Murschel an. Man habe Strotmann suggeriert, dass alles einfach gehe.

Oberbürgermeister bedauert Strotmanns Entscheidung

„Aus unternehmerischer Sicht ist die Entscheidung Strotmanns nachvollziehbar angesichts der Option, dass er im Römerkastell­ bleiben kann“, unterstreicht Cohn. Doch sei die Stadt gewillt gewesen, schnell zu reagieren. Im Juli habe man die Baupläne mit der Region erörtern wollen. „Was uns betrifft, wir hätten unsere Arbeit so schnell wie möglich gemacht“, sagt der Rathauschef. Fünf Jahre bis zur Eröffnung, wie von Strotmann befürchtet, wären es nicht geworden. „Schade, er wäre ein kultureller Leckerbissen für unser breites Angebot gewesen“, erklärt Cohn.

Mit Bauplänen wird sich Strotmann in Zukunft dennoch befassen. Seinen Pachtvertrag für Strotmanns Magic Lounge im Römerkastell hat er um zehn Jahre verlängert mit der Option auf 15 Jahre. Er dürfe „planen und umbauen, wie er wolle“, schreibt der Magier.

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