Ihr neues Leben passt oftmals in zwei, drei Taschen. Im Schwarzwald-Baar-Kreis angekommen, stehen viele ukrainische Flüchtlinge vor einem neuen Problem: Ihr Geld will eigentlich keiner haben.
Schwarzwald-Baar-Kreis - Kein Geld, kein Konto – kaum eine Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe in jeglichen Belangen. Wie aber machen die Flüchtlinge aus der Ukraine das jetzt?
Bei Regionalbanken auf der Matte
Für die großen Regionalbanken im Schwarzwald-Baar-Kreis ist der Ukraine-Krieg auch ein Stück Alltagsgeschäft in den Geschäftsstellen. Als Banken vor Ort stehen bei ihnen im Gegensatz zu Online- und Direkt-Banken die Flüchtlinge direkt auf der Matte, wenn es darum geht, ein Konto zu eröffnen – oder Geld umzutauschen, das überall verschmäht wird: ukrainische Hrywen, auch Griwna genannt.
In den 36 Geschäftsstellen der Sparkasse Schwarzwald-Baar geht es geschäftig zu – viele Ukrainer fragen hier an. Und auch Andrea Martin von der Volksbank in der Region, die nun unter dem Namen Gestalterbank agiert, berichtet Ähnliches: "Wir haben viele Anfragen." Meist würden die Flüchtlinge von Ehrenamtlichen begleitet, die sich um die Menschen aus der Ukraine kümmern und auch für sie übersetzen.
"Wir als Sparkasse Schwarzwald-Baar sind in der glücklichen Situation, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ukrainischen Wurzeln oder jene, die der russischen Sprache mächtig sind, die Betreuung der Flüchtlinge übernehmen", freut man sich auch bei der Sparkasse. So gelinge es der Bank, auf externe Dolmetscher zu verzichten.
Umtausch unmöglich
Geritzt ist mit Überwindung der Sprachbarrieren aber längst noch nicht alles, denn eine Unsicherheit bleibt: Wie können die Ukrainer überhaupt bezahlen, wenn ihre Griwna niemand haben will – und sie über kein deutsches Konto verfügen, um den normalen Zahlungsverkehr abzuwickeln?
Derzeit ist all das offenbar tatsächlich ein Problem. "Aktuell kann ukrainische Währung nicht in Euro umgetauscht werden", bestätigt Benedikt Grießhaber als Pressesprecher der Sparkasse Schwarzwald-Baar. Die Bundesregierung arbeite an einer Lösung – die Sparkasse wolle, sobald die Richtlinien klar seien, die ukrainischen Flüchtlinge "auch in diesem Punkt unterstützen". Doch das kann dauern.
Erst für Mitte Mai etwa kündigt die Gestalterbank Erleichterungen an: "Wir haben von unserem Partner, der Reisebank, die Info erhalten, dass wir ab Mitte Mai die Möglichkeit haben, ukrainische Griwna über die Reisebank abzurechnen", erklärt Andrea Martin. Somit werde die Gestalterbank ab diesem Zeitpunkt "den Ankauf zur Gutschrift auf ein bei uns geführtes Konto vornehmen", aber sie stellt auch klar: "Barankäufe werden wir keine tätigen", ein Umtausch Eins-zu-Eins, Griwna gegen Euro, wird es also am Volksbankschalter erst einmal nicht geben.
Viel Hilfe für Geflüchtete
Schon frühzeitig startete die Bank eine Initiative, um Geflüchteten eine rasche Kontoeröffnung zu ermöglichen. Man habe damit "im Rahmen unserer Möglichkeiten" Ersthilfe geleistet. "Stand heute haben wir über 370 Konten für ukrainische Geflüchtete eröffnet", lässt die Gestalterbank wissen. Kontoführungsgebühren müssten die Geflüchteten aus der Ukraine derzeit nicht abführen. Ähnlich handhabt man das bei der Sparkasse Schwarzwald-Baar – "wir als Sparkasse bieten diesen Menschen die Möglichkeit zur Eröffnung eines Girokontos, das in den ersten sechs Monaten kostenlos ist", lässt Pressesprecher Benedikt Grießhaber dort wissen.
Ganz so unbürokratisch aber ist die Sache mit dem Konto dann doch nicht: Einfach zurück in die Heimat, wenn der Krieg vorbei sein sollte, und auf jeglichen Papierkrieg verzichten, das ist für alle, die hier ein Konto haben nicht möglich. Zwar sei die Kündigung der Konten "jederzeit kurzfristig möglich", so Andrea Martin, aber: der Kunde muss mitwirken, "ohne ihn geht nichts".