Doch kein technischer Defekt: Offenbar wurde das Feuer in Backnang, bei dem Anfang März eine Mutter und ihre sieben Kinder starben, versehentlich von den Bewohnern selbst ausgelöst. Foto: www.7aktuell.de | Oskar Eyb (103 Fotos)

Weder Brandanschlag noch technischer Defekt: Nach dem verheerenden Feuer in Backnang am 10. März gehen die Ermittler nun davon aus, dass die Bewohner das Feuer selbst verursacht haben.

Stuttgart/Backnang - Kleiner Gegenstand, verheerende Wirkung: Eine glimmende Zigarette könnte der Auslöser der Brandkatastrophe von Backnang gewesen sein, bei der eine 40 Jahre alte Frau und sieben ihrer zehn Kinder vor rund vier Wochen ihr Leben lassen mussten. Es habe zunächst einen Schwelbrand auf einer Schlafcouch gegeben, der sich zu einem offenen Flächenbrand ausweitete, sagten die Ermittler am Donnerstag in Stuttgart.

Als besondere Tragik bezeichneten sie es, dass die Familie den zunächst kleinen Schwelbrand unterschätzte und versuchte, das Feuer selbst zu löschen. „Ich denke, es hätte Möglichkeiten zur Rettung der Kinder und ihrer Mutter gegeben“, sagte der Leiter der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, Siegfried Mahler.

Entgegen erster Vermutungen könne sowohl ein technisch-elektrischer Defekt als auch Brandstiftung ausgeschlossen werden. Das hätten auch externe Sachverständige des Forensischen Instituts der Kantonspolizei Zürich bestätigt.

Nach Angaben der Ermittler brach das Feuer in den frühen Morgenstunden auf einer Schlafcouch aus, auf der die Mutter der getöteten 40-Jährigen schlief. Mehrere Familienmitglieder - auch die Großmutter - hätten viel in den verschiedenen Räumen der Wohnung geraucht. Die Großmutter kann wegen eines ärztlichen Attests nicht zum genauen Hergang befragt werden, hieß es weiter. Es werde aber weder gegen die Großmutter noch gegen andere Familienmitglieder strafrechtlich ermittelt, sagte Staatsanwalt Mahler.

Auslöser des Brandes könnte Zigarette oder Kerze sein

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Auslöser des Brandes selbst im Feuer verbrannt ist. Es könne sich beim Brandherd beispielsweise um eine Zigarette oder um eine Kerze handeln. „Eine Kerze scheidet allerdings eher aus, weil die Familie nach eigenen Angaben selten Kerzen benutzt hat“, sagte der Leiter der Kriminalpolizei Waiblingen, Thomas Schöllhammer.

Nach dem Ausbruch des Feuers habe die Großmutter ihren Sohn im Nebenzimmer geweckt und gemeinsam mit ihm versucht, das Feuer mit Kochtöpfen zu löschen. Nachdem dies nicht gelungen sei, hätten sich die Flammen trichterförmig nach oben ausgebreitet. „Die vier Jungen in dem hinteren Zimmer sind im Schlaf erstickt und haben von dem Feuer gar nichts mitbekommen“, so Schöllhammer.

Einen fremdenfeindlichen Anschlag schließen die Ermittler sicher aus. „Wir wissen definitiv, dass beide Türen zum Zeitpunkt des Brandausbruches von außen verschlossen waren, es kann kein Molotowcocktail in die Wohnung geworfen worden sein“, betonte Schöllhammer. Auch ein Ofen in dem Zimmer käme als Brandherd nicht in Betracht, weil später darin Papier und Holz gefunden wurden. „Der Schornsteinfeger hat bestätigt, dass der Ofen ordnungsgemäß aufgestellt und regelmäßig gewartet wurde.“

Maroder Zustand der Wohnung wohl nicht Auslöser des Feuers

Erste Vermutungen, dass womöglich der marode Zustand der Wohnung oder schlecht verlegte elektrische Leitungen Auslöser des Brandes gewesen seien, könnten nicht bestätigt werden. Die Familie selbst habe den Vermieter gefragt, ob sie in die Wohnung einziehen könne. „Der Vermieter wollte ihnen die Wohnung aber zunächst nicht geben, weil sie renovierungsbedürftig war.“ Der Ex-Mann der getöteten 40-Jährigen habe aber angeboten, die Räume selbst zu renovieren und dafür vom Vermieter 600 Euro Bargeld sowie eine Guthabenkarte für einen Baumarkt erhalten.

Bei dem Feuer vor rund vier Wochen waren eine aus der Türkei stammende 40 Jahre alte Frau und sieben ihrer zehn Kinder ums Leben gekommen. Die Großmutter, ein Sohn der Frau sowie dessen Onkel konnten sich aus dem brennenden Gebäude retten. Die Oma war noch am Tag nach der Brandnacht wieder an die Unglücksstelle zurückgekehrt.

Von türkischer Seite hatte es unter anderem Kritik daran gegeben, dass die Polizei ziemlich schnell einen fremdenfeindlichen Anschlag ausgeschlossen hatte. So hatte der türkische Vizeministerpräsident Bekir Bozdag getwittert: „Von Deutschland erwarten wir, den wahren Grund des Brandes ohne Platz für Zweifel aufzuklären und der Öffentlichkeit mitzuteilen“. Der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, hatte im „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwoch) gefordert, in solchen Fällen solle grundsätzlich von einem rechtsradikalen Hintergrund ausgegangen werden.

Hintergrund für Kolats Aussage war ein Feuer in einem Kölner Mehrfamilienhaus mit zwei Toten am Wochenende. Die Brandursache dort ist zwar noch unklar, doch seit kurzem steht fest, dass es keine Hinweise auf Brandbeschleuniger gibt. Ausgeschlossen werden könne Brandstiftung dennoch nicht.

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