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Bürgermeister von 16 Kommunen wehren sich gegen Abbildung bei Google Street View.

Stuttgart - Die große weite Welt des Web hat viele Vorteile, aber auch Nachteile. Im Kreis Hohenlohe, dem kleinsten Landkreis im Südwesten, wehrt man sich gegen den Plan des US-Giganten Google, alle Straßen und Häuser zu fotografieren.

Jeder kennt das. Man sucht eine Wohnung, ein Haus oder will den nächsten Sommerurlaub buchen und traut den schönen Bildern im Katalog nicht so recht. Was tun? Die einfache Lösung: Ins Internet gehen und bei Google Maps sich ganz nah zum Ziel zoomen. Schon ist klar, ob die gesuchte Wohnung wirklich in einer ruhigen Gegend oder doch eher nahe des Industriegebiets liegt. Und schon zeigt sich, ob der Swimmingpool so schön ist, wie er im Katalog versprochen wird.

Aber Internet-Dienstanbieter Google reicht das Angebot nicht. Seit Monaten ist der Gigant damit beschäftigt, Land für Land, Stadt für Stadt, Straße für Straße zu fotografieren. Das vermeintliche Zauberwort heißt Google Street View. Dafür sind Fahrzeuge mit Spezialkameras unterwegs, die Straßen und Häuserfassaden ablichten, auf dass der Internetsurfer per Mausklick nicht mehr nur sieht, wie das Haus von oben aussieht und wie es bei den Nachbarn im Garten ausschaut, sondern der Blick auch von vorne aufs Haus möglich ist.

Doch diese Art der Transparenz stößt immer öfter auf Kritik, weil es viele Menschen ablehnen, dass ihnen jemand auf den Tisch oder ins Schlafzimmer schaut. Um die Privatsphäre ihrer 110.000 Bürger zu schützen, haben sich deshalb jetzt die Bürgermeister der 16 Kommunen im Landkreis Hohenlohe mit einem Protestbrief an Google Deutschland in Hamburg gewandt.

"Wir wollen nicht einfach so fotografiert werden"

Der Bürgermeister von Bretzfeld, Thomas Föhl, ist zum Sprecher des Bündnisses geworden und betont: "Wir wollen nicht, dass unser Kreis einfach so fotografiert wird." Die Privatsphäre der Bürger müsse gewahrt bleiben. Zudem könne Street View leicht zu einer Art Bedienungsanleitung für Einbrecher werden. Frei nach dem Motto: Wenn das Haus in einer bevorzugten Wohnlage liegt und obendrein ein Porsche vor der Tür geparkt ist, könnte mancher auf die Idee kommen, "da mal vorbeizuschauen", so Föhl. Aber auch das andere Extrem, wie neulich aus den USA gemeldet, will man vermeiden. Dort hatte sich ein Warenkonzern geweigert, einer Kundin weiterhin Sendungen zuzustellen, weil man mit Blick auf die heruntergekommene Wohngegend offenbar fürchtete, die Dame könnte ihre Rechnungen alsbald nicht mehr bezahlen.

Doch der Protest der Bürgermeister aus dem Heilbronner Hinterland gegen den Online-Spaziergang stößt an seine Grenzen. Zwar ist das Vorgehen von Google rechtlich umstritten. Aber die Gemeinden können gegen den Internet-Giganten qua Gesetz kein Fotografierverbot verhängen. "Es kann nur jeder Einzelne darlegen, dass er sich in seiner Privatsphäre verletzt fühlt", sagt Föhl. Deshalb haben die Bürgermeister nun ein Musterschreiben an Google aufgesetzt und es in ihren Amtsblättern veröffentlicht. "Es wäre wünschenswert, dass andere Kreise uns folgen und sich möglichst viele Bürger melden. Dann wird sich Google mit seinem Vorhaben schwertun", hofft Föhl.

Bei Google selbst sieht man das ganz gelassen. Der Dienst Street View sei eine Ergänzung zu Google Maps und diene "weltweit der Orientierung", so eine Sprecherin in Hamburg. Für Deutschland habe man aber ein sogenanntes Widerspruchsrecht installiert. Soll heißen: Wer nicht will, dass sein Haus fotografiert wird und alsbald via Internet zu finden ist, muss das schriftlich darlegen. "Jede Privatperson hat das Recht, Einspruch zu erheben", so die Google-Sprecherin, dann werde das Haus im Online-Auftritt geschwärzt. Experten freilich sehen darin für potenzielle Verbrecher erst recht einen Anreiz, vor Ort zu gehen.

Innenminister Heribert Rech (CDU), aber auch Städte- und Gemeindetag in Baden-Württemberg haben Google zuletzt immer wieder darauf hingewiesen, den Datenschutz einzuhalten. So hat sich der Online-Riese verpflichtet, Gesichter und Kfz-Kennzeichen zu pixeln, also unkenntlich zu machen, sofern sie auf den Bildern erkennbar sind. Manchmal scheint aber auch das nicht zu reichen. In Österreich, wo Google Street View bereits stark verbreitet ist, ging die Anonymisierung dieser Tage offenbar nicht weit genug. Eine Frau erkannte das Auto ihres Mannes vor dem Haus der Geliebten - anhand der auffälligen Radkappen.

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