Gute Stimmung in Gärtringen: Die Besucher des Wet-Festivals feiern und tanzen im Sonnenschein Foto: factum/Archiv

Nach vier Ausgaben hat Gärtringen dem Open Air im örtlichen Freibad eine Absage erteilt. Für die kleine Kommune ist der Aufwand zu groß. Die Veranstalter wollen nach Sindelfingen umziehen.

Gärtringen - Die Veranstalter des Wet-Festivals schwelgen in Erinnerungen. „Was würden wir jetzt dafür geben, wieder an diesem Ort zu sein“, steht auf ihrer Facebook-Seite über einem Video von der letzten Ausgabe ihres Techno-Events im Gärtringer Freibad. Aber daraus wird nichts: Der Bürgermeister hat ihnen eine Absage erteilt. „Es wächst uns als Verwaltung unserer Größenordnung über den Kopf“, hat Thomas Riesch festgestellt. Er schickte die Festivalmanager kurzerhand nach Sindelfingen. Im dortigen Sport- und Bäderamt kommt die Idee auch gut an. „Aber sie muss gründlich geprüft werden“, sagt dessen Leiter Christian Keitert. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Vier Jahre hat die Berliner Firma Ghost 99 gebraucht, um das Wet-Festival profitabel zu machen. „Jetzt haben wir das Standing“, sagt deren Generalmanager Aga Heller und meint damit den nötigen Bekanntheitsgrad für schwarze Zahlen. Rund 7000 Besucher kamen im vergangenen Jahr nach Gärtringen, eine Steigerung bis auf rund 10 000 Besucher ist das Ziel. Zusätzliche Flächen hätten die Eventmanager dafür gebraucht, doch die Kommune war an ihre Grenzen gekommen. „Wir hätten sehr gerne weitergemacht“, sagt Aga Heller. Das Wet-Festival in Gärtringen hat sich etabliert. Auf der Facebook-Seite gingen täglich Nachrichten ein mit der Frage, wann das nächste stattfindet, berichtet er.

Der Bürgermeister trauert dem Event nach

„Wir trauern dem Event schon ein bisschen nach“, sagt Thomas Riesch. Denn an der Organisation liegt die Absage nicht. Der Bürgermeister hat auch mitgefeiert: „Es ist eine Superveranstaltung, die Spaß macht, und das Publikum war immer friedlich.“ In der Verwaltung und bei den Freibadmitarbeitern habe es aber zu vielen Überstunden geführt. Für die kommende Saison fehlt sogar noch eine Kraft im Freibad,Personal in dem Bereich ist shcwer zu finden. Neben den Vergrößerungswünschen machte außerdem eine neue Auflage des Gesundheitsamtes der Kommune zu schaffen. Das Freibad hätte nach dem Open Air für einen Tag geschlossen werden müssen, um das Wasser zu reinigen. Und noch mehr Schließzeiten in der Hochsaison wollte die Kommune den Badegästen nicht zumuten.

Bereits im vergangenen August hat Gärtringen die Berliner über ihre Entscheidung informiert. Doch erst jetzt wurde sie im Gemeinderat verkündet, um der Firma die Suche nach einer Alternative zu erleichtern. Und gleich im August wurden Aga Heller und seine Kollegen in Sindelfingen vorstellig. Mehrere Treffen und Begehungen gab es seither. Mitte Dezember reichten die Veranstalter ein schalltechnisches Gutachten ein. „Das Wet-Festival würde Sindelfingen und seiner Jugend gut tun“, findet Christian Keitert. Das Freibad mit seinem Park biete sich dafür geradezu an.

Der Termin ist auch noch offen

Bei aller Begeisterung gilt für den Amtsleiter jedoch: „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit.“ Das Vorhaben müsse genau geprüft werden, insbesondere bei den Themen Lärm und Sicherheit. Christian Keitert erinnert daran, dass sich nach der Konzertreihe „Sindelfingen rockt“ auf dem Marktplatz im vergangenen Sommer Anwohner über die Geräuschbelästigung beschwert hatten. Während in Gärtringen das Freibad ab vom Schuss liegt, befinde es sich in Sindelfingen am Stadtrand. Ein anderer Punkt ist die Anreise der Besucher, die meist mit der S-Bahn kommen – doch die Stationen sind nicht in nächster Nähe. „Wir lassen uns extern beraten, damit wir in allen Fragen sicher sind“, sagt der Amtsleiter. Mit einer Entscheidung rechnet er zeitnah. „Ein Wet-Festival in Sindelfingen ist nach wie vor möglich“, hat Sascha Ritter von 99 Ghosts der Stadt jetzt noch einmal bestätigt. Der Zeitpunkt ist offen. Im Juni ließe es sich eher nicht mehr realisieren, im August durchaus, sagt Aga Heller und ergänzt: „Die Location wäre hervorragend und würde noch besser zu uns passen.“

Vielleicht können die Techno-Fans also bald in neuen Erinnerungen schwelgen. „Wir freuen uns auf den Sommer“, steht auf der Facebook-Seite der Veranstalter: „Die heiße Sonne würde uns in den Nacken scheinen und die Klänge würden unsere Körper zum Tanzen bringen.“ Im Gärtringer Freibad geht es in diesem Sommer dagegen ruhiger zu: Der Musikverein wird dort wieder sein Serenadenkonzert geben.

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