Freuen sich auf den Ruhestand: Margit und Hartmut Stürner Foto: Stefanie Schlecht/ 

Nach über 40 Jahren hat die Deufringer Metzgerei Stürner jetzt die letzte Wurst verkauft. Hartmut und Margit Stürner gehen in den verdienten Ruhestand.

Über 40 Jahre lang war die Metzgerei Stürner ein fester Bestandteil im Alltag vieler Deufringerinnen und Deufringer. Wie viele Wurst- und Fleischwaren im Laufe der Zeit über die Theke gingen, können Margit und Hartmut Stürner nicht mal annähernd abschätzen.

 

Seit dem 29. Juli sind Theke und Schaufenster allerdings leer. An der Tür hängt ein Schild, auf dem sich das Ehepaar für die jahrelange Treue seiner Kunden bedankt. Margit und Hartmut Stürner haben ihren wohlverdienten Ruhestand angetreten.

Was am Ende übrig bleibt, ist nicht mehr attraktiv genug

Einen Nachfolger gibt es nicht. Allerdings nicht, weil keiner den Job hätte machen wollen. Sondern vielmehr aus finanziellen Gründen. „Ein selbstständiger Kleinbetrieb kann mit der Sicherheit eines großen Betriebs nicht mehr mithalten“, sagt Hartmut Stürner. Als Selbstständiger verdiene man nur das, was am Ende übrig bleibt. Und das sei, angesichts der steigenden Energie- und Lebenskosten, nicht attraktiv genug.

Hartmut Stürners Plan ist, die 380 Quadratmeter große Fläche künftig zu verpachten. Allerdings nicht sofort. Denn für Catering-Anfragen oder die gastronomische Betreuung einiger Vereine stehen die Stürners noch immer zur Verfügung. „Aber wir möchten jetzt gern unser Alter genießen“, sagt der 66-Jährige. Denn der Metzgerei-Beruf ist richtige Knochenarbeit.

Die Metzgerei gab es 155 Jahre lang

Sieben Tage die Woche arbeiteten Hartmut und Margit Stürner von halbsechs morgens bis acht Uhr abends in ihrer Metzgerei. Jede Wurst, jedes Fleisch wurde hier nicht nur verkauft, sondern auch zubereitet. Nach alten Traditionsrezepten, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Erstmals eröffnet wurde die Metzgerei Stürner im Jahr 1868 von Hartmut Stürners Urgroßvater. Damals befanden sich die Räumlichkeiten noch im Gasthaus Linde in der Aidlinger Straße. „Der Metzgereiberuf sah damals noch anders aus als heute“, sagt Hartmut Stürner. Die Tiere wurden vor Ort gehalten, geschlachtet, verarbeitet in der darüberliegenden Wirtschaft verkauft.

Die Wirtschaft wurde zuerst geschlossen

In den 1960er-Jahren übernahm dann Hartmut Stürners Vater das Geschäft und erweiterte die Fläche um einen Laden. Gute 20 Jahre später ging der Betrieb an Hartmut Stürner über. Seine Frau Margit kam beruflich eigentlich aus einer ganz anderen Richtung, sattelte jedoch ihrem Mann zuliebe auf den Fleischereifachverkauf um. „Dafür bin ich ihr noch heute dankbar“, sagt Hartmut Stürner.

Man entschied sich, die Wirtschaft zu schließen. Die Metzgerei zog um, in ein Gebäude, das Hartmut Stürner selbst bauen ließ. Einen eigenen Stall hatte seine Familie nicht mehr.

Trend zum Vegetarismus ist deutlich zu spüren

Geschlachtet wurde bis vor wenigen Jahren dennoch selbst. „Dann ist eine neue EU-Verordnung in Kraft getreten“, erzählt Hartmut Stürner. Die bisherige Betäubungszange sei nicht mehr zulässig gewesen. Stattdessen hätte der Betrieb in ein teures, neues Modell investieren müssen. Im Rückblick ist Hartmut Stürner der Meinung, dass hier nicht ganz fair mit ihm umgegangen wurde. Seitens des Veterinäramtes hieß es, dass es auch nicht erlaubt sei, die Tiere zu erschießen. „Heute wissen wir aber, dass eigentlich jeder Hausmetzger die Berechtigung zum Schießen hat“, so Hartmut Stürner.

Die EU-Verordnung ist nicht das Einzige, was sich in den vergangenen Jahren verändert hat. So hat zum Beispiel der Wurstverkauf in Supermärkten der Metzgereibranche einen ziemlichen Knick gegeben. Auch der Trend zum Vegetarismus und Veganismus ist laut Hartmut Stürner deutlich zu spüren. Trotzdem hatte die Metzgerei zumindest während der Coronapandemie keine Probleme. „Mein ehemaliger Meister sagte immer: „Das Metzgerhandwerk ist goldener Boden, denn gegessen wird immer““, so Hartmut Stürner. Die Pandemie habe gezeigt: „Er hatte recht.“

Wochenende oder Ferien kennt das Ehepaar bisher nicht

Rosig sah der Alltag der Stürners trotzdem nicht immer aus. Wochenende oder Ferien kannte das Ehepaar nicht. Der Alltag spielte sich hauptsächlich in der Metzgerei ab. „So geht es aber allen kleinen selbstständigen Betrieben“, weiß Hartmut Stürner. „Entweder man hat gearbeitet, oder man war müde.“ Dann müssen er und seine Frau grinsen. „Wir waren mal mit einem Metzger-Ausflug in einem Konzert“, erinnert er sich. Dort hätten sich die anderen Gäste irgendwann über die Lautstärke der Metzger-Fraktion beschwert. „Anfangs, weil wir geredet haben – dann, weil alle angefangen haben, zu schnarchen.“

Wie sie ihre neugewonnene Freizeit nutzen, wissen Hartmut und Margit Stürner noch gar nicht. „40 Jahre lang hat sich unser Leben in der Metzgerei abgespielt“, sagt Hartmut Stürner. „Wir müssen das Freizeit-haben jetzt erst mal lernen.“