Formulierungen mit dem Sternchen finden immer mehr Einzug in unsere Alltagssprache. Foto: imago/Christian Fischer

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich entschieden: Der Gender-Stern findet keinen Einzug ins Regelwerk. Eine vertane Chance, denn das Gendern wird deswegen nicht weggehen, meint unser Redakteur Florian Gann.

Immer mehr Behörden, Firmen und vor allem junge Menschen nutzen die geschlechtersensible Sprache. Gleichzeitig bleibt die Nutzung von Sonderzeichen – wie in Bürger*innen – ungeregelt. Daran hat auch der dritte Anlauf des Rates für deutsche Rechtschreibung in dieser Sache nichts geändert. Aber im Alltag ist der Sprachwandel längst im Gang, und das schafft Probleme.

 

Der Rat wird eine Entscheidung nicht immer vertagen können

Wissenschaftlich ist die Lage eindeutig: Sprechen wir von Pflegern, stellen sich die meisten Leute Männer vor, obwohl der Beruf als weiblich konnotiert gilt. Hört ein Mädchen von Ingenieur*innen, ist der vermeintliche Männerberuf plötzlich einer für alle Geschlechter. Das beseitigt nicht alle Ungleichheiten, aber es baut Hürden ab.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Etwa zwei Drittel der Menschen in Deutschland stehen dem Gendern negativ gegenüber. Gleichzeitig nehmen es Menschen unter 30 immer wichtiger, viele tun es völlig selbstverständlich, und sie werden mehr. Auch das gehört zum unaufhörlichen Wandel der Sprache dazu. Dass der Sprachrat verpasst hat, diesen Wandel in Regeln zu gießen, ist eine vertane Chance. Noch einmal wird sich der Rat vor dieser Entscheidung nicht drücken können.