Das Ensemble des Teatro Piccolo bei einer seiner Aufführungen in der Fritz-Elsas-Straße 44. Foto:  

Der Kirchkreis und das evangelische Jugendwerk haben kein Geld mehr für ein Projekt, das der Stadtdekan über den Klee lobt. Dem Teatro Piccolo droht das endgültige Aus.

Stuttgart - Das Evangelische Jugendwerk in Stuttgart (Ejus) hat einen Jahresetat von 1,86 Millionen Euro. Viel Geld, doch für das Teatro Piccolo, eine spiel- und theaterpädagogische Initiative im Ejus, bleibt in Zukunft nichts mehr übrig. Das Projekt, das eng mit dem Gründer und Macher Martin Seeger verbunden ist, wird wahrscheinlich nicht mehr weitergeführt. Denn Seeger geht nach 30 Jahren im Dienst für die evangelische Jugend in den Ruhestand. Diese Nachricht trifft die Geschäftsführer Jörg Titze und Martin Gutbrod nicht überraschend, nach einem Nachfolger haben sie aber nie gesucht.

„Das Projekt ist stark an die Person Martin Seeger gebunden“, erklärt Titze, „und mit Seeger ist auch das Ensemble alt geworden.“ Er gebe das Projekt zwar nicht gerne auf, „aber wir können es einfach nicht mehr schultern“. Hilfe vom Kirchenkreis ist auch nicht zu erwarten. Obwohl in diesem Jahr ein Überschuss von 62 527,32 Euro zu Buche steht, sieht Stadtdekan Sören Schwesig keine Möglichkeit, in diesem Fall finanziell in die Bresche zu springen.

Viel Lob, aber kein Geld wert

Im Kirchenkreis sieht man die Causa Teatro Piccolo mit Verwunderung. Denn an der Qualität und dem Wert für die evangelische Jugendarbeit hegt keiner Zweifel. Auch in der Stuttgarter Theaterszene haben Seeger und sein Ensemble nach rund 30 Produktionen einen überragenden Rang. Selbst Stadtdekan Schwesig schwärmt von der Arbeit: „Das Aus ist eine schmerzhafte Entscheidung. Das Ensemble hat eine große Strahlkraft und sich stets mit christlichen Themen für junge Leute ausgezeichnet. Es ist ein Projekt mit einer großartigen Außenwirkung. Aber wir haben keine ganze Stelle mehr zur Verfügung, das schaffen wir nicht.“

Genau aus diesem Grund versucht Jörg Titze das Teatro Piccolo nun doch noch mit einem Kunstgriff zu retten: „Wir führen demnächst Gespräche, ob und wie das Projekt ehrenamtlich oder auf Honorarbasis weitergeführt werden kann.“ Auch Martin Seeger und Sören Schwesig sehen in dieser Lösung eine Möglichkeit für das Fortbestehen des Theater-Projektes. „Ich hoffe, wir finden eine Möglichkeit“, sagt Schwesig. An Martin Seeger selbst soll es jedenfalls nicht liegen. Er hat großes Interesse daran, dass sein Lebenswerk nicht sang- und klanglos untergeht. „Hier geht es aber nicht um mich“, sagt er, „da sind ja noch genügend andere Leute, die gerne weitermachen wollen. Zudem bräuchten wir in Zukunft natürlich eine Raum für Proben und Aufführungen.“

Hintergrund:

Festival
Das Teatro Piccolo ist mit seinem Stück Corpus Delicti beim internationalen Amateurtheater-Festival (23. bis 26. Mai) vertreten. Dabei sind Theater-Gruppen aus zehn verschiedenen Nationen zu sehen.

Älter werden Das Stück Corpus Delicti ist eine Revue über Lust und Last des Jungseins und Älterwerdens. Junge Körper – alte Körper, verschiedener können Zustände gar nicht sein? Sind junge Körper eine Metapher für Zukunft? Alte Körper dagegen ein Sinnbild für Vergänglichkeit? Alles nur Klischee? In einer Revue aus Musik, Tanz und Theater spüren Junioren (17 bis 25) und Senioren (60 bis 77) gemeinsam der Lust und der Last des Jungseins und des Älterwerdens nach, erforschen heitere, skurrile, aufregende und nicht zuletzt auch schwere Momente. Und über allem steht der Wunsch nach „Geliebt sein wollen“ – mit 17 und mit 77 Jahren.

Karten Bei der Wiederaufnahme des Stücks im Rahmen des Festivals gibt es nur drei Vorstellungen. Die sind am Samstag, 25. Mai, am Sonntag, 26. Mai, und am Dienstag, 28. Mai, jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es für 17 Euro (12 Euro ermäßigt). Reservierung unter Telefon 0711/18771-22, Mail: teatro@ejus-online.de.

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