Der Rückzug von Car2go aus den Randbezirken hat sich auch in den Oberen Neckarvororten ausgewirkt. Viele Stadtteile sind in der App des Unternehmens ausgegraut, Fahrzeuge können dort nicht entliehen beziehungsweise abgestellt werden. Foto: Sebastian Steegmüller

Weil sich Car2go aus den Oberen Neckarvororten zurückgezogen hat, wollte das Autohaus Krautter ein eigenes Carsharing-Projekt aufziehen. Die Stadt lehnt es jedoch ab.

Untertürkheim - Seit die Daimler-Tochter Car2go vor gut einem Jahr ihr Carsharing-Angebot in einigen Randbezirken Stuttgarts eingestellt hat, wird über Alternativen diskutiert. Das erklärte Ziel der Stadtverwaltung ist, „dass es zukünftig in allen Stadtbezirken Fahrradverleih- und Carsharing-Stationen im öffentlichen Raum in Verbindung mit ÖPNV-Knotenpunkten gibt“, betont Oberbürgermeister Fritz Kuhn.

Die unkomplizierteste Lösung für die Oberen Neckarvororte wischt er allerdings vom Tisch: Das Untertürkheimer Autohaus Krautter hatte angeboten, in Wangen, Hedelfingen sowie Ober- und Untertürkheim Fahrzeuge an gut erreichbaren Standorten zur Ausleihe bereitzustellen. Wie berichtet fand die Idee in den Bezirksbeiräten einhellige Zustimmung – die Stadtverwaltung erteilt ihr nun aber eine endgültige Absage. Wie es in Kuhns Stellungnahme zu einem Antrag der CDU-Stadträte Beate Bulle-Schmid und Fritz Currle heißt, sei es „nicht möglich, öffentliche Stellplätze auf Zuruf oder Antrag freihändig an private Unternehmen zu vergeben“. Denn das könnte Begehrlichkeiten von weiteren Anbietern wecken – es gebe bereits heute mehrere Interessenten für Carsharing-Stationen. Deshalb müssten „wie bei der Strategie zur Vergabe von Standorten für Ladesäulen und bei der beabsichtigten Regelung für die Errichtung von Parklets und Außengastronomie beim Carsharing ebenfalls Spielregeln und einheitliche Zugangskriterien geschaffen sowie Vorgaben für die Einrichtung, Gestaltung und Sicherheit der Abstellplätze im öffentlichen Raum gemacht werden“, so Kuhn.

Vergabeverfahren „rechtlich zwingend notwendig“

An einem entsprechenden Carsharing-Konzept arbeite die Verwaltung derzeit. In dieses sollen die Ergebnisse des bis Jahresende laufenden Pilotversuchs einfließen: Am 1. August wurden zehn speziell ausgewiesene Carsharing-Stellplätze am Cityring an das Unternehmen Stadtmobil übergeben, das sich Ende 2017 in einem sogenannten Interessenbekundungsverfahren für die Standorte beworben und schließlich auch den Zuschlag erhalten hatte. „Nach Vorlage des Carsharing-Konzeptes ist eine Beschlussfassung über die Regelung zur Ausweisung von öffentlichen Flächen an Carsharing-Anbieter in den gemeinderätlichen Gremien vorgesehen“, kündigt Kuhn an. Sobald das Konzept beschlossen sei, werde ein Vergabeverfahren für Stellplätze in weiteren (Außen-)Bezirken eingeleitet. Ein solches sei „rechtlich zwingend notwendig“.

Die Stadtverwaltung begrüße die Initiative des Autohauses Krautter, betont der OB. Für Vorschläge sei man immer offen. „Allerdings können die zukünftigen Carsharing-Standorte weder von lokalen Anbietern, noch von den Bezirksbeiräten abschließend festgelegt werden. Dies erfolgt durch die Fachämter nach Prüfung aller öffentlichen Belange.“ Der jeweilige Bezirksbeirat werde dazu angehört.

Der OB verweist überdies darauf, dass es in den Oberen Neckarvororten durchaus ein Carsharing-Angebot gibt. Stadtmobil biete auch hier seit vielen Jahren an verschiedenen Stellen Fahrzeuge an. „Dazu gehören beispielsweise Stationen direkt an den S-Bahn-Stationen von Untertürkheim und Obertürkheim sowie im Stadtbezirk Wangen.“ Für seine Standorte nutze Stadtmobil bislang ausschließlich private Grundstücke. „Seit längerer Zeit versucht das Unternehmen, ein Fahrzeug hinter dem Bürgerhaus in Hedelfingen zu platzieren“ – was vom Bezirksbeirat bisher aber abgelehnt worden sei, so Kuhn.

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