Kein Bruderkampf der Khediras bei der WM 2018 Rani Khedira sagt Tunesien ab

Von red/dpa 

Rani Khedira spielt beim Bundesligisten FC Augsburg. Foto: dpa
Rani Khedira spielt beim Bundesligisten FC Augsburg. Foto: dpa

Rani Khedira hat sich nach langem Grübeln gegen eine WM-Teilnahme mit Tunesien entschieden. Der Augsburger Profi führt dafür Sprachprobleme und Fairnessgründe an. Er will niemandem ein WM-Ticket „klauen“.

Ausgburg - Ein mögliches brisantes Bruderduell zwischen Fußball-Weltmeister Sami Khedira im Deutschland-Trikot und Rani Khedira im Dress von Tunesien wird es bei der Weltmeisterschaft nicht geben. Denn Mittelfeldspieler Rani Khedira vom Bundesligisten FC Augsburg wird in Russland nicht für die Nordafrikaner auflaufen.

„Ich hatte gestern Abend ein Telefonat mit dem tunesischen Verband. Ich habe mitgeteilt, dass ich für die WM absage“, berichtete der 24 Jahre alte Deutsch-Tunesier am Mittwoch in Augsburg bei der Pressekonferenz des FCA zum Auswärtsspiel am Freitag in Leipzig.

Der jüngere Bruder von Sami Khedira (30), der für Juventus Turin spielt und seinen Platz im WM-Aufgebot von Bundestrainer Joachim Löw bei entsprechender Fitness sicher hat, hatte intensiv über die Entscheidung nachgedacht. „Es war ein langer Prozess. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, auch, da mein Papa ein stolzer Tunesier ist“, sagte Rani Khedira. Er trage beide Nationen - Deutschland und auch Tunesien - in seinem Herzen. Tunesiens Verantwortliche hätten auf die Absage „verständnisvoll“ reagiert, bemerkte er mit einem Lächeln.

Khedira führt Sprachschwierigkeiten als Grund an

Der in Stuttgart geborene Fußballer führte mehrere Gründe an, auf die persönliche WM-Premiere zu verzichten - auch Sprachschwierigkeiten. „Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ich spreche nur Deutsch“, sagte er. Sein Spiel auf dem Platz sei aber auch sehr auf Kommunikation aufgebaut. Die Zeit reiche nicht, um in den wenigen Monaten bis zur WM einen richtigen Bezug zu den Teamkollegen aufzubauen, meinte der Mittelfeldspieler. Der afrikanische Fußball sei aber „anders“ als der europäische.

Fairness gegenüber möglichen Konkurrenten im tunesischen Team führte Rani Khedira als einen weiteren wichtigen Aspekt an. Diese hätten sich in der Qualifikation schließlich „den Arsch aufgerissen“, um sich für die WM zu qualifizieren. „Ich würde einem Spieler den Platz klauen“, sagte Khedira. Das wolle er nicht. Tunesien trifft in Russland in Gruppe G auf Belgien, England und Panama.

Rani Khedira könnte wie sein Bruder Sami auch für Deutschland spielen. Der 24-Jährige hat beim DFB für die Jugendteams von der U15 bis zur U19 gespielt. Beim FC Augsburg hat er sich nach seinem Wechsel von RB Leipzig im vergangenen Sommer inzwischen zu einem Stammspieler entwickelt. Ein Kandidat für Löw ist er aber nicht.

2010 trafen Jérôme Boateng und sein Halbbruder Kevin-Prince Boateng aufeinander

Ein Bruderduell der Khediras wäre bei einer WM im Viertelfinale möglich gewesen. Aus deutscher Sicht wäre es kein Novum gewesen. Beim Turnier 2010 in Südafrika trafen Bayern-Profi Jérôme Boateng und sein inzwischen bei Eintracht Frankfurt spielender Halbbruder Kevin-Prince Boateng aufeinander. Jérôme siegte vor acht Jahren im letzten Gruppenspiel in Johannesburg mit Deutschland gegen Ghana 1:0.

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