An der Heilbronner Straße wächst das Milaneo in den Himmel. Foto: Leif Piechowski

Im April will Betreiber ECE die Mieter des neuen Einkaufscenters Milaneo bekannt geben. Doch schon jetzt sickert durch: Hoch gehandelte Kandidaten wie Apple und Primark kommen nicht. Dafür feiert die Supermarktkette Tegut ihr Debüt in der Region.

Stuttgart - Die Liste, die den Stuttgarter Nachrichten vorliegt, ist aussagekräftig. Darauf sind diverse Namen möglicher künftiger Mieter im Grundriss des Milaneo an der Wolframstraße eingezeichnet. Das letzte Wort sind sie zwar noch nicht, weil es nach wie vor Änderungen gibt. Betreiber ECE will im April den endgültigen Stand bekannt geben. Doch einiges lässt sich jetzt schon sagen.

So feiert die Supermarktkette Tegut aus Fulda ihre Stuttgart-Premiere. Der bisher südlichste Markt in Deutschland soll laut einer Sprecherin ein Testlauf sein, „wie wir außerhalb unserer Stammregion bei den Kunden ankommen“. Das Buchsegment im Milaneo wird der Tübinger Händler Osiander auf gut 500 Quadratmeter Fläche übernehmen. Der VfB Stuttgart verhandelt derzeit noch über einen Fanshop, will aber ebenfalls ins neue Einkaufszentrum. Auf der vorläufigen Liste tauchen zudem erwartete Namen wie Media Markt, C&A, Intersport, H&M, dm und Zara auf, dazu zahlreiche weitere Textil- und Schuhhändler.

Ähnlich interessant sind aber die gehandelten Kandidaten, die nicht einziehen. „Einen Apple-Store wird es im Milaneo nicht geben“, sagt ECE-Sprecher Christian Stamerjohanns, der sich ansonsten bedeckt hält. Verwirrung löst der vermeintliche Hauptmieter aus. In den Plänen ist noch der irische Textildiscounter Primark über drei Etagen eingezeichnet, der bereits seit Monaten als Favorit gehandelt wird. Ein Primark-Sprecher dementiert allerdings: Ein Geschäft in Stuttgart sei nicht geplant.

Die City-Initiative als Vertreter der Händler und Dienstleister in der Innenstadt lehnt das Milaneo nach wie vor ab – ähnlich wie große Teile der Politik. Die gehandelten Namen der Geschäfte beim neuen Konkurrenten lassen Citymanagerin Bettina Fuchs allerdings nicht in Schockstarre verfallen. „In Teilen bekommen wir eine Duplizierung des Ladenbesatzes. Es wird nur wenige neue Anbieter geben, viele andere sind in der Innenstadt bereits vorhanden“, sagt sie. Man müsse davon ausgehen, dass nach der Eröffnung viele Leute sich das Milaneo aus Neugier anschauten. Wenn dieses erste Interesse vorüber sei, müsse man aber sehen, wie der Standort sich entwickle: „Der Kunde wird entscheiden, wo er sich wohler fühlt.“

Die City-Initiative will dafür sorgen, dass das die bisherige Innenstadt ist. „Wir tragen unser Scherflein dazu bei, dass die City attraktiv bleibt“, so Fuchs. Damit sind auch die langen Einkaufsnächte gemeint. „An solchen Formaten werden wir weiterarbeiten“, sagt die Citymanagerin – und kündigt an, im Mai neue Ideen vorstellen zu wollen.

Damit ist es allerdings nicht getan. Bettina Fuchs will die bisherige strikte Ablehnung des Milaneo durchbrechen. „Wir müssen anfangen, an die Gesamtattraktivität der Stuttgarter Innenstadt zu denken“, sagt sie. Deshalb führe man derzeit Gespräche über eine Zusammenarbeit mit der ECE. Denkbar könnte unter anderem deren Mitgliedschaft in der City-Initiative sein. ECE-Sprecher Stamerjohanns bestätigt das: „Dass wir in Gesprächen sind, ist richtig. Wir begreifen uns als Teil der City und möchten uns auch für diese engagieren.“

Die Ablehnung vieler Händler bleibt dennoch. „Wir erwarten negative Auswirkungen auf die Umsätze in der Königstraße, aber auch Zuffenhausen, Feuerbach und Bad Cannstatt dürfte das Milaneo weh tun“, sagt Heinz Reinboth von der Interessengemeinschaft Königstraße. Er glaubt, dass viele große Ketten ihre Präsenz eher als Werbemaßnahme denn als gewinnbringendes Geschäft sehen. Einige lokale Händler seien wieder abgesprungen, weil sie die Haftungsklauseln in den Verträgen der ECE nicht hätten unterschreiben wollen. Das Risiko, für Schäden im Center erheblich zur Kasse gebeten zu werden, sei ihnen zu groß gewesen.

Reinboth erwartet vom neuen Einkaufstempel am Rande der Innenstadt aber noch einen ganz anderen Effekt: „Wir werden eine erhebliche Erhöhung der Verkehrsmengen in der Heilbronner Straße und Wolframstraße haben.“ Auch Bettina Fuchs ist in Sorge darüber, wie sich in diesem Bereich „die verkehrliche Situation entwickelt“.

Die dürfte erheblich davon abhängen, welche Namen die ECE im April verkündet. Dann lüftet sich das Geheimnis komplett.

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