Seite 2Kehrwoche in Stuttgart Das Aus für die Kehrwoche

Von Andrea Jenewein 

Als geradezu frevelhaft wurde von vielen Stuttgartern der Beschluss vom 17. Dezember 1988 angesehen. An diesem Tag nämlich hat Manfred Rommel, seines Zeichens Oberbürgermeister der Stadt, die Kehrwoche für öffentliche Straßen und Gehwege abgeschafft.

Zuvor gab es exakte Regeln in einer Satzung über „das Reinigen, Räumen und Bestreuen der Gehwege“. Die Bürger hatten die Auflage gehabt, „mindestens einmal wöchentlich“ zu fegen. Wer sich nicht daran hielt, dem konnte ein Ordnungsgeld zwischen fünf und tausend Mark angedroht werden.

Doch in jenem Dezember 1988 haben die Stadtväter beschlossen – mit nur einer Gegenstimme vom damaligen Stadtrat Rudolf Bläser – , dass nur noch „bei Bedarf“ gekehrt werden muss. Die Empörung war groß. Die Stuttgarter beharrten auf ihr Recht auf die Kehrwoche. Schließlich gehöre die zum Schwaben wie der Trollinger oder die Spätzle. Da half es auch wenig, dass der CDU-Fraktionschef Heinz Bühler beschwichtigend sagte, dass „schwäbische Frauen für Sauberkeit sind, das braucht man denen nicht durch eine Polizeiverordnung zu sagen“. Auch die Beteuerung von Rommel „Wir können die Kehrwoche ja wieder einführen, wenn Stuttgart zu schmutzig wird“, besänftigte die Gemüter kaum. Aber, den Kehrwochen-Wütigen sei’s ein Trost: Es gibt die Kehrwoche noch, vielen Mietern wird sie durch den Mietvertrag auferlegt.

Die moderne Kehrwoche

Fast 300 Jahren lang wurde die Kehrwoche mit Besen und Schaufel gemacht. Doch in den 1990er Jahren setzte die Technisierung des Kehrdienstes ein. Ein schwäbischer Motorsägenhersteller aus Waiblingen brachte sogenannte Laubbläser auf den Markt. Sie wurden als „windige Putzhilfe“ und „Konkurrenz zu Besen und Rechen“ gefeiert – der Schwabe aber betrachtet die Technisierung skeptisch, sogar die elektrische Schneeschippe. Unternehmen, die heute oft den Kehrwochendienst für die Mieter übernehmen, nutzen sie aber gerne. Der Besa ist und bleibt aber unabdingbar! Auf die nächsten 300 Jahre!

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