Ramona und Michael Deli kegeln selbst regelmäßig und gerne auf den zwei Holz- und zwei Kunststoffbahnen. Foto: Eva Herschmann

Ramona und Michael Deli betreiben einen traditionellen Kegeltreff in Plüderhausen mit zwei Holz- und zwei Kunststoffbahnen, auf denen die Gäste gerne eine ruhige Kugel schieben. Und preiswerter als Bowling ist Kegeln allemal.

Hart schlägt die Kugel auf der Holzbahn auf und rollt mit leisem Rumpeln in Richtung der neun Kegel, von denen sechs polternd umfallen. Für Ramona und Michael Deli sind es vertraute Geräusche. Seit mehr als 20 Jahren betreibt das Ehepaar den Kegeltreff im Gewerbegebiet in Plüderhausen, auf dessen vier vollautomatischen Bahnen, zwei aus Holz und zwei aus Kunststoff, kleine und große Hausnummern und viele andere traditionelle Spiele ausgekegelt werden.

 

Während es beim Bowlen immer nur darum gehe, möglichst schnell alle Pins abzuräumen, einen Strike zu schaffen, gebe es beim Kegeln „bestimmt um die 150 verschiedene Spielmöglichkeiten“, erzählt Michael Deli, der früher in ganz Deutschland herumgereist ist und Kegelbahnen gebaut hat. „Und einige unserer Gäste haben mittlerweile auch eigene Spiele kreiert.“ Die Mehrzahl davon sind Stammkegler, die seit vielen Jahren in Plüderhausen eine ruhige Kugel schieben. Sie schätzen die familiäre Atmosphäre und gute Pflege, die der Fachmann den Bahnen angedeihen lässt, die er regelmäßig von Hand wachst. „Beim Bowling erledigen das Maschinen.“

Kegeln ist gemütlicher als Bowling

Dafür, dass sich der Kegeltreff Plüderhausen erfolgreich dem allgemeinen Trend zum Bowling widersetzt, gebe es viele gute Gründe, meint Ramona Deli. „Kegeln, das es übrigens nur in Europa gibt, ist nicht so grell, nicht so laut wie Bowling, es ist ein gemütlicher Sport, der in jedem Alter Spaß macht.“ Und jeder könne kegeln, zumal es oft gar nicht so sehr aufs Können ankomme, sondern auch Geschick, Taktik und Glück eine Rolle spielten. Die Zielgruppe sei eine andere als die der großen Bowlinghallen, sagt sie. „Bei Keglern steht die Gaudi und die Gemeinschaft im Vordergrund.“

Dass sich Kegeln wieder mehr Beliebtheit erfreut, kann Ramona Deli gut verstehen. Zum einen sei Kegeln unkompliziert. Mehr als gewöhnliche Turnschuhe brauche es nicht und die brächten die Besucher selbst mit, denn einen Schuhverleih gibt es im Kegeltreff nicht. Vor allem aber sei Kegeln bis ins hohe Alter möglich, sagt sie. „Bei uns kegeln Freundeskreise, ehemalige und aktuelle Arbeitskollegen oder Geschwisterrunden, die sogar aus Stuttgart zu uns kommen, und beim Kegelverein „Selten 9“ aus Plüderhausen ist der älteste Mitkegler 90 Jahre alt.“

Seniorinnen und Senioren schätzten den Sport, der seit dem 12. Jahrhundert durchgängig belegt ist und damit zu den ältesten Freizeitsportarten überhaupt gehört, weil er erwiesenermaßen viele Vorteile bringt, so Ramona Deli. „Kegeln trainiert Arme, Beine und die Konzentration. Man muss rechnen und zusammenzählen, aber vor allem die sozialen Kontakte, die bei uns gepflegt werden, sind ganz wichtig.“ Und wenn jemand Anschluss suche, sei das beim Kegeln ziemlich einfach. „Bei uns suchen immer wieder Gruppen neue Mitkeglerinnen und -kegler, und wir vermitteln gerne.“

Die Mehrheit der Kegler gehört der älteren Generation an. „Mittlerweile kommen aber auch einige Jüngere zu uns, oft sind es Kinder von früheren Keglerinnen und Keglern, die, wie schon ihre Eltern, noch eine Kegelkasse führen. Und es gibt auch einige generationsübergreifende Kegelrunden“, sagt Ramona Deli, die ebenso wie ihr Mann selbst gerne zur Kugel mit einem Daumenloch und einem Loch für den Mittelfinger greift. Und die meisten davon kämen regelmäßig – wöchentlich, 14-tägig oder einmal im Monat. Billiger als Bowling ist Kegeln schließlich auch. Eine Bahn in Plüderhausen kostet für eine Stunde – egal wie viele darauf spielen – 9 Euro.

Überwiegend Freizeit- und Hobbykegler räumen die Kegel ab

Einen Ruhetag gibt es in Plüderhausen nicht. Von 17 bis 22 Uhr können hier täglich die Kegel abgeräumt werden. „Wir bedienen hauptsächlich Freizeit- und Hobbykegler“, sagt Michael Deli, „aber wir haben auch einige Ambitioniertere, die hier trainieren, die gehen auf die Kunststoffbahnen, die zwei Meter länger sind als die Holzbahnen.“ Die 18 Meter langen Holzbahnen wiederum seien besonders bei den Seniorinnen und Senioren beliebt. „Sie sind einfacher zu bespielen und so schön traditionell.“ Und außerdem von ihm persönlich handgewachst.