Die beiden jüngsten Kegler Neo (links) und Silas mit Papa Robin Anders Foto: Lg/Schmidt

Der VfL Kaltental wird nach dem Sommer eine der modernsten Anlagen im Südwesten haben. Die jüngsten Kegler in Feuerbach sind drei Jahre alt. Ansonsten gibt es kaum Nachwuchs.

Stuttgart - Die erste Mannschaft der Sportkegler des VfL Kaltental hofft darauf, in dieser Saison den Aufstieg von der Ober- in die Verbandsliga zu schaffen. Die sehr junge Mannschaft – ein Großteil der Spieler ist Anfang 20 – steht an der Tabellenspitze und setzt damit ihren als Jugendmannschaft begonnenen Erfolg der Vorjahre fort. Von Herbst an sollen die Rundenspiele auf einer der modernsten Plattenkegelbahnen im Südwesten erfolgen. Rund 300 000 Euro investiert der Verein in die Generalüberholung der Anlage. Die Modernisierung, so der Abteilungsleiter Norbert Walter, erfolgt nach dem letzten Rundenspieltag Ende März. Sechs Wochen vor dem Start der Runde 2018/19 soll die Anlage dann am zweiten Augustwochenende eingeweiht werden.

Jugendspieler hat der VfL Kaltental derzeit nur vier. Bewusst, so Walter, habe man zuletzt aber auch nicht um Jugendliche geworben. Dies wolle man erst machen, wenn die neue Anlage fertig sei. Dass in Kaltental in die Bahnen investiert wird, habe sich aber längst herumgesprochen. Immer wieder würden junge Sportkegler anfragen, ob man beim VfL einsteigen könne. Für den Verein mit derzeit vier Trainern eine komfortable Situation, so Walter. Er hofft zudem auch wieder auf ein Damenteam. Seit 1991 sei keine Damenmannschaft mehr offiziell am Start gewesen.

Die Hochzeiten des Kegelsports sind vorbei

Oliver (20) und Henrik (22) Walter sowie Simon Schmidt sind drei der aktiven Sportkegler des VfL. „Wir sind durch unsere Väter zu dem Sport gekommen“, berichten die drei, die im Alter „von elf, zwölf Jahren“ mit dem Kegeln begonnen haben. In ihrem Umfeld seien sie anfangs belächelt worden. „Die Meinung vieler ist, Kegeln ist ein Saufsport“, sagt Henrik Walter. Dabei stehe man bei den Rundenspielen unter einer großen emotionalen und körperlichen Belastung. „Es geht ja um Konzentration und Präzision“, so Walter. Und auch die Stimmung bei den Rundenspielen stimmt. Schon wer sechs Kegel umwirft wird von den Kollegen mit „Sexy, sexy, sexy olé“-Rufen angefeuert, Achter werden mit „vier, sechs, acht – jetzt hat’s ’kracht“ quittiert. Und wer beim Abräumen den letzten Kegel umlegt, darf sich über ein lautes „Lucki, lucki, ratzeputz“ freuen.

Michael Matutt, der Abteilungsleiter Kegeln bei den Sportvereinigung Feuerbach, erinnert sich noch gut an die Jahre, als der Verein Mitte der 1980er Jahre nicht nur mehr als 80 Mitglieder zählte, „sondern auch mehr als 30 Jugendliche“. Diese Hochzeiten des Kegelsports seien längst vorbei, sagt er. Deutlich weniger als die Hälfte Mitglieder zählt seine Abteilung heute. Mit dem Bowling- und Kegelsportverein Stuttgart Nord 1929 bildet die Feuerbacher Sportvereinigung heute im Rundenbetrieb Spielgemeinschaften – um an den Wettbewerben teilnehmen zu können. Matutt ist als Trainer fast jeden Tag da. Eine der jüngeren Spielerinnen ist seine Nichte Sara Mlinaric, die seit 2014 den Kegelsport betreibt, Freunde dafür aber bislang keine in ihrem Umfeld begeistern konnte. „Das interessiert niemanden“, sagt die 19-Jährige. Zwei Herren-, eine Damenmannschaft und eine gemischte Mannschaft nehmen am Rundenbetrieb teil.

Neo und Silas fangen im Alter von zwei Jahren mit dem Kegeln an

Eine Jugendmannschaft gibt es nicht, dafür stehen auf der Vereinsanlage regelmäßig die wohl jüngsten Kegler Stuttgarts auf der Bahn. Die dreijährigen Zwillingsbrüder Neo und Silas Anders „sind nicht von der Bahn zu bringen“, wie deren Vater Robin Anders verrät. „Sie haben bereits im Alter von zwei Jahren mit dem Kegeln begonnen und zeigen seither keine Müdigkeit“, sagt Verena Terranova-Anders, die allerdings selbst vom Kegelvirus bislang nicht erfasst wurde. Dennoch findet sie es toll, dass Silas und Neo mit Begeisterung versuchen, mit ihren Kinderkegelkugeln alle neune zu werfen. „Ich habe Vereinsleben, wie man es hier bei der Sportvereinigung mitbekommt, nie so erlebt. Ich finde es klasse, dass unsere Kinder so etwas erfahren dürfen“, sagt die Mutter von Neo und Silas. Der Abwärtstrend beim Kegeln im Südwesten ist gestoppt

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