Schottische Fans feiern am Wochenende auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Ein Stuttgarter Hotel verlangt zur EM 500 Euro Kaution – aber warum? Diskriminierung, meint ein schottischer Fan. Man habe von den Erfahrungen der WM 2006 gelernt, sagt der Geschäftsführer. Wie halten es andere Stuttgarter Hotels mit der EM-Kaution?

Robert Kirkhope ist sauer. Seit Jahrzehnten ist er Fan der schottischen Fußball-Nationalmannschaft, seit 1996 auch Mitglied des Tartan Supporters Club, der für seine Kilts mit Tartanmuster bekannt ist. Unlängst waren die schottischen Fans erst in München gefeiert worden für ihre gute Laune und am Wochenende dann in Stuttgart. Doch bei der Hotelbuchung fühlte sich der Schotte unter Generalverdacht.

 

„Weshalb verdächtigen Sie meine Frau und mich?“

Konkret geht es um 500 Euro Kaution, die Kirkhope mit der Buchung in den Stuttgarter SI-Suites zahlen sollte, jenem vor allem bei Musicalgästen beliebten Hotel im Stadtbezirk Möhringen. „Ich habe fast 90 Länder bereist, noch NIE wurde mir eine Aufforderung wie die von ihnen geschickt“, schreibt Kirkhope in einer Mail an das Hotelteam, die auch unserer Zeitung vorliegt. „Vielleicht können Sie mir erklären, weshalb meine Frau und ich verdächtig werden.“

Konkret soll die Kaution auf Kirkhopes Kreditkarte autorisiert, aber nur dann abgebucht werden, wenn es nach Abreise im Hotelzimmer gravierende Schäden gibt. Ansonsten werde die Summe drei Tage nach Abreise wieder entblockt. Das sei lediglich „eine Vorsichtsmaßnahme“, weil man viele Gäste habe, die die EM besuchten, mailt das Hotel auf Nachfragen von Kirkhope zurück. Auf keinen Fall stünden die Kirkhopes unter Verdacht.

Christian Pfleiderer, Geschäftsführer der SI-Suites, weist auf Anfrage unserer Zeitung eine mögliche Diskriminierung von Fans zurück. Die Kaution gelte im EM-Zeitraum für alle Gäste, man habe aber aus den Erfahrungen während der Fußball-WM 2006 gelernt. Was damals an Inventar zerstört wurde, wisse er nicht mehr, sagt Pfleiderer, betont aber: Da häufig Gruppen buchten, wisse man nicht, wer genau komme. „Aber es ist ein etwas anderes Publikum – ausgelassener.“ Außerdem sei er nicht der einzige Hotelier, der zur EM eine Kaution erhebe – Namen wolle er aber nicht nennen.

Tatsächlich verlangen einige Hotels in der Stadt eine Kaution, wie eine kleine Umfrage unserer Zeitung ergibt. Allerdings fällt diese wesentlich geringer aus und wurde nicht mit Blick auf mögliche Schäden von Fangruppen veranlasst. Beim Ibis Budget im Stuttgarter Norden sind 100 Euro fällig, von Stammgästen abgesehen. Die Rezeption des Viersternehotels Mercure im Stadtzentrum teilt mit, man berechne 50 Euro pro Zimmer und Nacht, dies gelte aber nicht nur während der EM.

Eine Kaution sei nicht ungewöhnlich, heißt es beim Dehoga

Das Maritim an der Liederhalle wiederum verlangt von ausländischen Gästen immer Vorkasse. „Möchten diese Gäste auch im Hause auf ihr Zimmer schreiben, so buchen wir bei Anreise/Check-in 100 Euro oder mehr ab beziehungsweise nehmen den Betrag als Bargeld entgegen“, schreibt General Manager Hartmut Korthäuer, Stammgäste seien ausgenommen. Und auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg (Dehoga) schreibt, dass es in der Hotellerie kein ungewöhnliches Vorgehen sei, eine Kaution zu verlangen. Konkrete Zahlen habe der Verband aber nicht.

Allerdings lehnen andere Stuttgarter Hotels in der Kurzbefragung eine Kaution ab – darunter das B&B Hotel in der City oder das Hotel Garni am Olgaeck, wo man keine Probleme mit Fans kenne, wie man betont: „Die waren richtig super.“

Personal nachts verdoppelt

Auch Elisabeth Berger, Direktorin des Kronenhotels unweit des Hauptbahnhofes, hält eine Kaution für verzichtbar. „Wir möchten unseren Gästen nicht das Gefühl geben, dass wir vermuten, dass Sie unsere Zimmer beschädigen, denn in unseren Augen erzeugt dies Frust.“ Unlängst seien dänische und ungarische Gäste wegen einiger Spielergebnisse „ziemlich frustriert“ gewesen – „dennoch waren unsere Gäste sehr anständig im Umgang mit uns, es kam weder zu verbalen Übergriffen, noch wurde etwas mutwillig zerstört“, betont Berger. Wie zur Wasenzeit auch habe sie allerdings zur Nachtschicht das Personal verdoppelt.

Die SI-Suites bleiben damit in dieser Runde das einzige Hotel mit einer EM-Kaution. Nur wenige Gäste hätten sich darüber beschwert, betont Geschäftsführer Pfleiderer. Allerdings meldeten sich viele, um Vorschäden in den Zimmern zu Protokoll zu geben – ähnlich, wie bei einer Mietwagenbuchung. Dass es etwa einen Kratzer auf dem Tisch gebe, sie es aber nicht waren. „Darum geht es uns natürlich nicht“, sagt Pfleiderer, „sondern um Zerstörungen, wenn etwa die Katze eines Gastes das Sofa zerkratzt.“

Kirkhope hat keine Katze dabei. Ihm hat die Internetplattform Booking.com, über die er das Zimmer gebucht hat, geraten, keine Kaution zu zahlen. Das Hotel habe Booking.com nichts von seinem Kautions-Grundsatz mitgeteilt.