In der Heumadener Einrichtung lernen wohl bald nur noch Grundschüler. Foto: Patricia Sigerist

Immer weniger Eltern melden ihr Kind bei einer Werkrealschule an. Daraus ergeben sich auch in Heumaden und Degerloch Veränderungen – größere und kleinere.

Heumaden - Dass es so schnell geht, damit hatte wohl zunächst keiner gerechnet. Vor ziemlich genau einem Jahr, also 2013, hat Roland Steiner, der stellvertretende Leiter des städtischen Schulverwaltungsamts, im Sillenbucher Bezirksbeirat über die Zukunft der Grund- und Werkrealschule Heumaden gesprochen.

Damals war der Stand, dass der weiterführende Zweig der Einrichtung trotz sinkender Anmeldezahlen vorerst erhalten bleibt. Dennoch könne es sein, dass in wenigen Jahren weitere Werkrealschulen in der Stadt aufgegeben werden müssen, sagte Steiner damals. Das ist in Heumaden nun wohl der Fall.

Die Stadt schlägt vor, zwei weitere Werkrealschulen in Stuttgart auslaufen zu lassen. Eine davon ist die in Heumaden. Am 13. März wird der Gemeinderat entscheiden, ob er dem Vorschlag des Schulverwaltungsamts zustimmt.

Im Jahr 2013 wurde der Schule noch eine Chance eingeräumt

Auch wenn dem Standort Heumaden im Jahr 2013 noch eine Chance eingeräumt wurde, „war es letztes Jahr schon absehbar“, dass die Schule keine Chance mehr hat, sagt die Amtsleiterin Karin Korn. Denn sowohl 2012/2013 als auch im aktuellen Schuljahr konnte mit nur sieben beziehungsweise fünf Anmeldungen keine fünfte Klasse gebildet werden. „Wir sind bei den Streichungen einfach vorsichtig“, erklärt Korn, warum Heumaden nicht schon vergangenes Jahr auf der Abschussliste gelandet war.

Für die Schulleiterin Doris Noller-Claus kommt der Vorschlag der Stadtverwaltung nicht überraschend: „Man konnte fast damit rechnen.“ Die Entscheidung sei „nachvollziehbar und konsequent“. Traurig sei sie nur darüber, dass die Kinder, für die die Werkrealschule die richtige Schulform ist, vorerst keine Option mehr in Sillenbuch hätten. Als einzige Werkrealschule auf den Fildern verbliebe dann nur noch die Pestalozzischule in Rohr.

Es braucht eine Lösung für die Kinder

Für jene Kinder gelte es, eine neue Lösung zu finden, sagt Noller-Claus. Dazu gebe es nun Gespräche mit der Stadt und anderen Schulen. Konkret könne sie dazu aber noch nichts sagen, schon gar nicht, bevor die endgültige Entscheidung gefallen sei, sagt die Rektorin. Sie sei jedenfalls für alles offen, „was eine gute Beschulung für die Kinder gewährleistet, die bisher für die Werkrealschule geeignet waren“.

Im Konzept der Stadt, das unter anderem die Schließung der Heumadener Schule vorschlägt, schreibt die Verwaltung, dass eine mögliche Kooperation mit der Birken-Realschule bereits Thema sei. Die beiden Schulleitungen hätten sich entschlossen, „die Möglichkeiten zur Entwicklung eines gemeinsamen Angebots zu prüfen“, heißt es in der schriftlichen Vorlage. Das bedeutet, dass es möglicherweise künftig eine Gesamtschule geben könnte, verteilt auf die beiden Standorte.

Die Kooperation der beiden Heumadener Schulen ist ungewiss

Wolfgang Weixler, der Rektor der Birken-Realschule, bestätigt, dass die beiden Schulen miteinander im Gespräch sind – „in so einer Situation sogar verstärkt“, sagt er und meint damit die drohende Schließung der Werkrealschule. Allerdings sieht es so aus, als ob die Realschule an der Bruno-Frank-Straße keine Kooperation mit der Grund- und Werkrealschule eingehen wird. Denn „die Gesamtlehrerkonferenz hat am Mittwoch entschieden, dass sie keine Veränderung möchte“, berichtet Weixler.

Neben dem Abbau der Werkrealschulen ist besonders das Raumproblem an den Stuttgarter Schulen etwas, das die Verwaltung umtreibt. Derzeit wird überlegt, wie man die Schüler der überfüllten Gymnasien in Ausweichquartieren unterbringen kann. Dazu zählen auch frei werdende Räume in ausgedienten Werkrealschulen. So soll etwa das Degerlocher Wilhelms-Gymnasium Räume der Filderschule beziehen, deren Werkrealschulzweig bereits abgeschafft wurde und derzeit ausläuft.

Leere Räume will die Schule mit Grundschülern füllen

Ob auch Räume in Heumaden als sogenannte Außenstellen genutzt werden sollen, kann die Amtsleiterin Karin Korn noch nicht sagen. Denkbar wäre es. Das sieht Doris Noller-Claus anders. Bis der Werkrealschulzweig in Heumaden im Jahr 2018/2019 auslaufen würde, würde jedes Jahr nur ein Klassenzimmer frei werden, sagt sie. Und das wüsste die Schule gut mit den Grundschülern zu füllen.

Wie es nach der möglichen Schließung der Heumadener Werkrealschule weitergehen könnte, wollen auch die Sozialdemokraten im Sillenbucher Bezirksbeirat wissen. Sie haben beantragt, dass ein Vertreter des Schulverwaltungsamts möglichst bald in den Bezirk kommt und das Gremium informiert. Die Sillenbucher Bezirksbeiräte stimmen ihrerseits in ihrer nächsten Sitzung am 26. Februar 2014 über den Vorschlag der Stadtverwaltung ab; das abschließende Wort hat allerdings der Gemeinderat.

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