Ob Markenware oder Discounter: Chemikalien finden sich überall. Wir geben in unserer Bildergalerie Tipps, worauf Sie achten sollte:Tipp 1
Auf Farben achten: Es gibt Farbstoffe – besonders blau färbende – die Allergien auslösen. Kinder mit empfindlicher Haut sollten keine dunkle Unterwäsche, keine dunklen Strumpfhosen und schwarzen Jeans tragen Foto: Fotolia

Greenpeace hat Kinderkleider auf Chemikalien untersucht. Kauftipps für Eltern.

Greenpeace hat Kinderkleider auf Chemikalien untersucht. Kauftipps für Eltern.
Stuttgart - Was hat die Umweltschutzorganisation ­Greenpeace genau untersucht?
In einer Stichprobe wurden 82 Kleidungsstücke von zwölf internationalen Modefirmen (American Apparel, C&A, Disney, GAP, H&M, Primark, Uniqlo, Adidas, Li-Ning, ­Nike, Puma, Burberry) auf gefährliche ­Chemikalien getestet. Gefunden wurde Weichmacher und andere giftige Stoffe. Einige wirken wie Hormone, andere stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. „Teure Klamotten sind nicht sauberer produziert als billige“, sagt der Greenpeace-Chemiker Manfred Santen.
Was sagen andere Experten zu den ­Greenpeace-Ergebnissen?
„Die Chemikalien-Problematik in Textilien ist in den letzten Jahren immer größer geworden“, sagt Michael Braungart, Chemiker und Leiter des Hamburger Umweltinstituts Epea. Ein Grund sei beispielsweise, dass Pet-Flaschen zu Bekleidung recycelt werden. „Die darin enthaltenen Chemikalien waren aber nie für die Textilherstellung gedacht.“ Von der Greenpeace-Untersuchung hält Braungart trotzdem nicht viel, weil sie Teil der sogenanten Detox-Kampagne ist. Damit will die Umweltorganisation Textilhersteller dazu bringen, eine Liste bestimmter Chemikalien nicht mehr zu verwenden. „Solche Verbotslisten bringen aber nichts, dann setzt die Industrie eben andere, genauso schädliche Stoffe ein, die der Verbraucher noch gar nicht kennt.“
Wie sieht die rechtliche Lage für Chemikalien in Bekleidung aus?
Innerhalb der Europäischen Union gibt es keine gesetzliche Grundlage, die sicherstellt, dass nur nachgewiesenermaßen ­unbedenkliche Chemikalien in Textilien gelangen. Es ist Aufgabe der Hersteller, die ­Gefährlichkeit der Stoffe zu untersuchen, die Risiken zu bewerten und Gesundheit wie Umwelt zu schützen. Für Stoffe mit ­besonders besorgniserregenden Eigenschaften sieht die europäische Reach-Verordnung für chemische Stoffe ein Zulassungs­verfahren für Herstellung oder Verwendung vor.
Kann man auf dem Etikett sehen, welche ­Chemikalien bei der Herstellung verwendet wurden?
Nein, auf dem Etikett müssen lediglich die verwendeten textilen Fasern, etwa Baumwolle, angegeben werden. Chemikalien, die beim Bleichen oder Färben eingesetzt ­werden, tauchen dort nicht auf – sonst müsste man den meisten Textilien einen Extrazettel mit mehreren Hundert Chemikalien beilegen. Eine solche umfassende Kennzeichnung, wie sie für Lebensmittel oder Kosmetika bereits gilt, fordert der Chemiker Michael Braungart. „Nur so hätte der ­Verbraucher Transparenz, und die ­Hersteller müssten den Einsatz Hunderter Chemikalien rechtfertigen.“
Warum werden für die Herstellung von ­Textilien so viele Chemikalien verwendet?
Von weltweit 60 000 eingesetzten Chemikalien verwendet die Textilindustrie 20 000. So ist Baumwolle eine empfindliche Pflanze, für deren Anbau viel Dünger und Pestizide nötig sind. Bunt wird Bekleidung nicht ohne Farbstoffe. Einige Farben sind fettlöslich und können in die Haut übergehen. Damit Kleidungsstücke „bügelfrei“ oder „schmutzabweisend“ werden, braucht es ­jede Menge Chemie. Viele Textilhersteller lassen ihre Ware im Ausland herstellen. Auf dem Transport nach Deutschland muss sie vor Insekten und Schimmel geschützt ­werden – mit Chemikalien.
Warum sind Chemikalien in Kinderbekleidung besonders bedenklich?
Die Haut von Kindern ist zehnmal dünner als die eines Erwachsenen und damit viel durchlässiger. „Da Kinder noch wachsen, ­haben sie außerdem einen viel höheren Stoffwechsel, dadurch gelangen mehr ­Chemikalien durch ihren Körper“, sagt ­Michael Braungart.
Gibt es für Kinderkleidung strengere ­Grenzwerte und extra Kontrollen?
Nein, es gelten die gleichen Regelungen wie bei der Herstellung von Erwachsenen-Kleidung. „Insbesondere Babysachen sind ­häufig sogar noch deutlich stärker belastet als Erwachsenen-Kleidung, weil sie wegen ihrer geringen Größe erst nach dem Nähen ganz zum Schluss gefärbt werden“, sagt Braungart. Bei Erwachsenen-Bekleidung hingegen werden die Stoffballen gefärbt, dadurch enthalten Bekleidungsstücke ­weniger Farbstoffe.
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