Kaufnebenkosten bei Immobilien Der Staat als Preistreiber

Von Christian Gottschalk 

Wer teuer kauft, muss teuer vermieten. Geringere  Kaufnebenkosten kämen allen zu Gute. Foto: dpa
Wer teuer kauft, muss teuer vermieten. Geringere Kaufnebenkosten kämen allen zu Gute. Foto: dpa

Die Politik fordert bezahlbaren Wohnraum – und trifft Entscheidungen, die genau dies verhindern. Kaufnebenkosten sind viel zu hoch, kommentiert Christian Gottschalk. Sie zu senken wäre gar nicht schwer.

Stuttgart - Keine politische Partei kann es sich im Augenblick leisten, ohne Pläne gegen die steigenden Preise fürs Wohnen aufzutreten. Mit der Explosion von Miet- und Kaufpreisen wird das Thema von Monat zu Monat drängender, und das Versagen der Politik offensichtlicher. Fehler der Vergangenheit, wie der weitgehende Ausstieg aus dem sozialen Wohnungsbau, werden höchst unzureichend kaschiert. Fast noch schlimmer: für die Zukunft werden fleißig weiter falsche Entscheidungen getroffen und unsinnige Ideen diskutiert. Neuestes Beispiel sind die Grünen, die in Sachen Maklerprovision das Bestellerprinzip einführen wollen. Bei der Miete gibt es das schon: Nicht der Mieter, sondern der Vermieter soll den Vermittler bezahlen. Künftig soll das auch beim Kaufen gelten. Bringen wird das nichts, gar nichts.

Es gibt Makler, die sind ihr Geld wert

Makler gehören für viele zu ziemlich parasitären Zeitgenossen, gerade jetzt, da der Wohnungsmarkt boomt. Im Großraum Stuttgart reicht es heutzutage meist, ein angepriesenes Objekt für zwei Interessenten aufzuschließen, dann ist die Arbeit getan. In Baden Württemberg werden für den Käufer dann knapp 15 000 Euro fällig, sollte der Kaufpreis 300 00 Euro betragen. Das ist fürwahr ein guter Stundensatz für den Vermittler. Allerdings: es gibt auch Landstriche, in denen laufen sich die Makler die Füße krumm, und finden doch keine Interessenten. Es gibt Makler, die kümmern sich auch dann noch um ihre Klientel, wenn die Arbeit eigentlich getan ist. Und es gibt Makler, die manch einen Eigentümer aus der Traumwelt herausbefördern, in der für eine Schrottimmobilie horrende Preise aufgerufen werden. Kurzum: eine pauschale Verdammnis der Vermittler ist fehl am Platze.

Sehen Sie im Video eine Analyse zum Stuttgarter Wohnungsmarkt:

Nun darüber nachzudenken, wie die Maklerprovision zwischen Käufer und Verkäufer aufzuteilen ist, ist der falsche Weg. Nach kurzer Zeit wird es sich durchsetzen, dass sich der Kaufpreis in etwa um den Faktor erhöht, den der Verkäufer an die Makler zu zahlen hat. Unter dem Strich bezahlt der Kunde. Allerdings: die Idee, sich die – gesetzlich vorgegebenen – Maklergebühren genau anzusehen, die ist nicht falsch. Es ist nicht Gott gegeben, dass sich der Lohn des Makelns am Kaufpreis des Objektes zu bestimmen hat. Denkbar – und fairer – wäre es, den Einsatz des Maklers zu honorieren. Abrechnung auf Stundenbasis – warum nicht. Das schaffen auch Rechtsanwälte oder Steuerberater.

Eine Senkung der Kosten wäre ganz einfach

Apropos Steuer: wöllte die Politik tatsächlich etwas gegen die steigenden Immobilienpreise unternehmen, hier läge der Schlüssel. Die Grunderwerbssteuer toppt in unserer Beispielrechnung noch die Maklercourtage um ein paar Euro – und es gehört zu den grausamen Wahrheiten, dass Baden-Württemberger bei dieser Rechnung noch vergleichsweise gut wegkommen. Im anderen Bundesgebiet sind sowohl Makler als auch Steuern zum Teil deutlich höher. Diese Grunderwerbssteuer radikal zu senken wäre eine sinnvolle Sofortmaßnahme, stattdessen wird sie seit Jahren kontinuierlich erhöht. Und weil das Ländersache ist, wird sich daran so schnell auch nichts ändern – allen Beteuerungen der Politiker, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, zum Trotz.

Wenn beim Haus- oder Wohnungskauf bis zu 15 Prozent an Kaufnebenkosten anfallen, dann verschärft das die Krise gleich doppelt. Zum einen wird die Zahl potenzieller Käufer geringer. Und wenn die Immobilie nach ein paar Jahren wieder verkauft werden muss, wofür es in einer auf Mobilität setzenden Arbeitswelt gute Gründe geben kann, dann wird ein jeder versuchen, mindestens diese 15 Prozent auf den Kaufpreis draufzuschlagen, um kein Verlustgeschäft zu machen. Neue Käufer haben es dann noch schwerer.

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