Das Auffüllen der Baugrube hätte rund eine halbe Million Euro gekostet. Foto: Uli Nagel

Noch vor der Sommerpause soll der Wettbewerb mit mindestens zehn Teilnehmern auf den Weg gebracht werden. Bauantrag kann frühestens 2024 gestellt werden.

Nach einem fünf Jahre lang andauernden Verhandlungsmarathon befindet sich das ehemalige Kaufhof-Areal am Cannstatter Wilhelmsplatz seit Februar 2023 im Besitz der LBBW Immobilien Development GmbH. Bereits gegenüber dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik hatte Johannes Schlosser, Technischer Geschäftsführer, betont, die Neubebauung nicht nur zügig anzugehen und umzusetzen, sondern dabei auch eng mit der Stadt Stuttgart und dem Cannstatter Einzelhandel zusammenzuarbeiten. „Das 4000 Quadratmeter große Grundstück ist eine Schlüsselfläche für Bad Cannstatt“, sagte Corinna Althanns vom Stadtplanungsamt, als sie zusammen mit ihrer Kollegin Johanna Kretschmer am Mittwoch den Bezirksbeirat Bad Cannstatt auf den neuesten Stand brachte.

 

Wettbewerb im Vordergrund

Im Vordergrund steht dabei der anstehende Wettbewerb, der noch vor der Sommerpause auf dem Weg gebracht werden soll. Laut Stadtverwaltung und Gemeinderat sollen mindestens zehn, wenn nicht sogar noch mehr renommierte Büros daran teilnehmen. „Das Wettbewerbsergebnis muss den hohen Erwartungen der Stadt an den Standort und der Bedeutung der Aufgabe gerecht werden“, betonte Althanns. In der Folge sollen deshalb Stadträtinnen und Stadträte in der Jury sitzen und der Bezirksvorsteher sowie Vertreter des Einzelhandels in beratender Form integriert werden.

Keine geschlossenen Passagen

Die städtebaulichen Rahmenbedingungen sind anspruchsvoll: Lieber kleinteilige Gebäude als ein massiver Baukörper, wobei der Charakter der Altstadt aufgenommen werden muss. Wichtig ist auch eine attraktive Verbindung der Bad- mit der Marktstraße, wobei es keine geschlossenen Passagen mehr geben soll.

Die Nutzung soll eine gesunde Mischung aus Einzelhandel, Büros, Praxen und Wohnungen sein. Gesetzt sind die Filiale der BW Bank, die heute ihren Interimsstandort in der Seelbergstraße hat, und ein Supermarkt als Frequenzbringer für die Fußgängerzone. „Möglichst im Untergeschoss, doch ob das möglich ist, soll ein Gutachten zeigen“, sagt Corinna Althanns.

Stadt will keine Tiefgarage

Auf keinen Fall wird auf dem Grundstück eine Tiefgarage gebaut werden, da die verkehrliche Anbindung des Areals durch die beengten Verhältnisse in der Badstraße schon schwierig genug ist. Ausnahmen, wie etwa Behindertenparkplätze, sowie eine größere Zahl an Fahrradstellplätzen stehen dagegen im Aufgabenkatalog für den Wettbewerb.

Supermarkt sorgt für Skepsis

Generell zeigte sich das Bürgergremium angetan von dem weiteren Vorgehen, vor allem die geplante Beteiligung der „Akteure vor Ort“ wurde von Tobias Döring (Die Grünen) positiv registriert: „Wir haben das Gefühl, das Verfahren geht in die richtige Richtung.“ Roland Schmid (CDU) zeigte sich allerdings skeptisch, ob ein Supermarkt in Nachbarschaft zum Rewe in der König-Karls-Passage „funktionieren“ kann. In diesem Zusammenhang vermisst SPD-Bezirksbeirat Marcel Schlatterer eine Tiefgarage. Was einen zweiten, nicht-kommerziellen Frequenzbringer in dem Neubau angeht, gab es ebenfalls Bedenken. Warum denn nicht eine attraktive Einrichtung für Jugendliche? Jugendrat Zaza Goemann würde sich darüber freuen, zumal es im Cannstatter Zentrum so etwas bisher nicht gibt.

Kein neuer Bebauungsplan

Wert legt das Bürgergremium auf jeden Fall auf eine rasche Umsetzung, zumal für das künftige LBBW-Projekt auch kein neuer Bebauungsplan erforderlich sein wird. Dennoch, allein der Wettbewerb dauert laut Corinna Althanns seine Zeit, sodass frühestens Anfang 2024 ein Bauantrag gestellt werden kann. So lange wird Bad Cannstatt auch mit der hässlichen Baugrube leben müssen, denn das Verfüllen hätte mit sage und schreibe 500 000 Euro zu Buche geschlagen. Eine viel zu große Summe bei einem anvisierten Baubeginn Ende 2024/Anfang 2025. Die LBBW-Verantwortlichen rechnen mit einer Fertigstellung frühestens 2027.