Der schwarz-rote Koalitionsvertrag ist für die Bürger nur schwer verständlich. Zu diesem Urteil kommt Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim. Foto: dpa

Laut Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Hohenheim, zeigt die Bundesregierung beim Koalitionsvertrag nicht eben viel Bürgernähe. Er sei schlichtweg für die Bürger kaum verständlich.

Laut Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Hohenheim, zeigt die Bundesregierung beim Koalitionsvertrag nicht eben viel Bürgernähe. Er sei schlichtweg für die Bürger kaum verständlich.

Stuttgart - Von wegen Bürgernähe: Der schwarz-rote Koalitionsvertrag ist nach einer wissenschaftlichen Untersuchung unverständlicher als so manche Doktorarbeit. „Die Verständlichkeit des Mammut-Werks lässt sehr zu wünschen übrig“, teilte der Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim, Frank Brettschneider, am Dienstag in Stuttgart mit. Der Vertrag sei von Experten für Experten geschrieben worden. „Angesichts des Mitgliederentscheids der SPD sollte der Koalitionsvertrag aber nicht nur für Experten und Akademiker verständlich sein“, monierte er.

Die Wissenschaftler haben mit einer Analyse-Software unter anderem nach überlangen Sätzen, Fachbegriffen, Fremdwörtern und zusammengesetzten Wörtern gesucht. Auf einer Skala von 0 (völlig unverständlich) bis 20 (sehr verständlich) erreichte das Regierungsprogramm von Union und SPD im Bund einen Wert von 3,48. Zum Vergleich: Politikwissenschaftliche Doktorarbeiten lägen etwa bei 4,7 - die Wahlprogramme der Parteien bei 7,7. Im Koalitionsvertrag sei noch die Präambel (7,56) am verständlichsten. Das Schlusslicht bildet das Kapitel Europa (1,96).

Brettschneider prangerte Bandwurmsätze mit bis zu 86 Wörtern, Wortungetüme wie „Schnellreaktionsmechanismus“ und Fachbegriffe wie „Thesaurierungsregelungen“ an. Dabei hätten sich alle Parteien eigentlich mehr Transparenz und Bürgernähe auf die Fahnen geschrieben. Möglicherweise wollten die Koalitionäre aber auch gar nicht verstanden werden. „Immer wieder nutzen Parteien abstraktes Verwaltungsdeutsch auch, um unklare und unpopuläre Positionen absichtlich zu verschleiern“, sagte Brettschneider.

Hier finden Sie den Koalitionsvertrag von CDU, CDU und SPD zum Herunterladen.

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