Gegen eine Verbreitung der hochansteckenden Katzenseuche hilft nur Isolation. Jungtiere sind besonders anfällig für eine Infektion (Symbolfoto) Foto: dpa//Klaus-Dietmar Gabbert

Jenny Schoch hat auf ihrem Hof eine Aufzuchtstation für Tiere in Not. Dort ist zu Beginn des Jahres die Katzenseuche ausgebrochen. Viele der Tiere haben die Infektion nicht überlebt. Wie sie die verbleibenden Katzen schützt – und wie eine Infektion vermieden werden kann.

Eines Abends, es ist August, bemerkt Jenny Schoch, dass es einem ihrer Katzenbabys schlecht geht. Die Kleine ist sehr schwach, hat starken Durchfall und bewegt sich kaum noch. Schoch gibt ihr eine Infusion, wie sie es bei Neuankömmlingen, die ausgehungert und schwach sind, immer macht. Am nächsten Tag will sie die Katze zum Tierarzt bringen. Als sie morgens aufwacht, sieht sie, dass das Tier tot in seinem Käfig liegt. Damit nicht genug: Noch ein zweites Kätzchen ist verstorben.

 

Jenny Schoch kümmert sich außer um Katzen noch um einige andere Tiere. Foto: Gottfried Stoppel

Zu diesem Zeitpunkt weiß Jenny Schoch noch nicht, dass das nur der Anfang ist. Von ihren 22 Katzen werden am Ende nur acht überleben – und nur eine von denen, die ihr selbst gehören. Jenny Schoch betreibt auf ihrem Hof in Großerlach-Trauzenbach eine Auffangstation und nimmt regelmäßig Tiere in Not auf. Bis Dezember vergangenen Jahres arbeitete die 40-Jährige als Assistentin bei einem Tierarzt in Murrhardt, musste den Beruf aber wegen zu vielen Neuzugängen in der Aufzuchtstation aufgeben, wie sie erzählt.

Sofort als sie die toten Tiere sieht, ruft Schoch in ihrer alten Praxis an. Ihr ehemaliger Chef kommt auf den Hof, um die Katzen zu untersuchen. Er vermutet, dass die Tiere mit der Katzenseuche infiziert sind, eine extrem ansteckende Virusinfektion, die zwar nicht auf den Menschen übertragbar ist, für die infizierten Tiere aber oft tödlich endet. Schoch bringt die beiden verstorbenen Katzen ins Veterinäruntersuchungsamt in Fellbach, das auf solche Fälle spezialisiert ist. Der Verdacht des Tierarztes bestätigt sich.

Eigentlich hatte Schoch keine Kapazitäten mehr

Dabei hatte die 40-Jährige eigentlich gar keine neuen Tiere mehr in ihre Station aufnehmen wollen. Mit den 18 Katzen, die sie bis dahin großgezogen hatte, seien ihre Kapazitäten eigentlich aufgebraucht gewesen. Aber dann sei ganz in der Nähe die Mutter von vier kleinen Kätzchen überfahren worden. „Da kann man nicht lange zuschauen, sondern muss etwas machen“, sagt sie. Sie habe die vier Jungtiere aufgenommen. „Sie müssen die Katzenseuche gehabt haben.“ Das Virus habe sich schnell auch unter den anderen Tieren verbreitet.

Dabei habe sie für die vier Katzen sogar eine Quarantänestation gekauft und diese jeden Tag mehrmals desinfiziert. Für eine Impfung seien die Kitten noch zu jung gewesen, sagt Schoch. Bei einigen ihrer Schützlinge hätte ein Katzenschnupfen eine Erstimpfung oder eine Auffrischung verhindert. Eine andere sei sogar trotz vollständiger Impfung gestorben. „Als die Seuche ausgebrochen ist, bestand mein Tag aus Desinfizieren, Putzen sowie Infusionen und Medikamenten geben“, so Schoch. Aber auch emotional habe sie die Zeit sehr mitgenommen. In 19 Jahren habe sie schon viele Katzen großgezogen – aber so etwas habe sie noch nie erlebt. „Es war schrecklich“, sagt die 40-Jährige. „Ich habe viel geweint in der Zeit.“

Inzwischen sind die Tests negativ

Das ist inzwischen mehrere Monate her. Mit den Nachwirkungen hat die Großerlacherin aber immer noch zu kämpfen. Jedes Mal, wenn sie das Katzenzimmer betritt, zieht sie außerdem Überschuhe und Handschuhe an und nimmt das Desinfektionsmittel aus dem Konglomerat an Putzmitteln und Medikamenten aus dem dafür vorgesehenen Regal. Zwar muss sie die beiden Katzenzimmer nicht mehr jeden Tag desinfizieren, putzen und das Streu wechseln muss sie aber trotzdem noch täglich. Denn auch wenn Schoch die Situation inzwischen im Griff hat, aktuell keines der Tiere Symptome hat und die Schnelltests negativ sind: Das Zimmer darf trotzdem keiner der Vierbeiner verlassen. „Das wäre eine Gefahr für die anderen Katzen“, erklärt Schoch.

Ab jetzt muss jede Katze einen Schnelltest machen

Auch finanziell sei die Pflege der Katzen herausfordernd. Kratzbäume, Katzenspielzeug, Hängematten – alles habe sie wegwerfen müssen. „Die Zimmer waren wunderschön eingerichtet“, sagt sie traurig. „Jetzt brauche ich Katzenkörbchen ohne Ende.“ Immerhin: Mit Medikamenten und Desinfektionsmitteln sei sie mittlerweile gut ausgestattet. Nach einem Facebookaufruf habe sie viele Spenden erhalten, „ohne die es nicht gegangen wäre“, wie Schoch berichtet. Noch eine weitere Konsequenz hat der Fall: Ab jetzt muss jede Katze, die bei Jenny Schoch ein neues Zuhause findet, zuerst einen Schnelltest machen.

Informationen zur Katzenseuche

Katzenseuche
 Die Katzenseuche, auch Panleukopenie genannt, ist eine Virusinfektion, die für die betroffenen Tiere häufig tödlich verläuft. Ausgelöst wird die Krankheit vom sogenannten „Felinen Panleukopenie-Virus“. Besonders oft betroffen sind Jungtiere, deren Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift ist.

Symptome
 Zu den Symptomen der Katzenseuche gehören oft starker, blutiger Durchfall, Flüssigkeitsmangel und Erbrechen sowie Fieber, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit. Außerdem sind infizierte Tiere anfällig für bakterielle Infektionen, weil es zu einer starken Abnahme weißer Blutkörperchen kommt.

Vorbeugung
. Zum Schutz der Tiere ist eine Impfung gegen das Virus zu empfehlen. Diese können Tierärzte ab einem Alter von acht Wochen durchführen. Die Impfung sollte alle ein bis drei Jahre aufgefrischt werden. Kätzchen, deren Muttertier bereits geimpft war, sind bis zu fünf Monate vor einer Infektion geschützt.