Der Kater Merlin müsste dringend behandelt werden, hat sich sämtlichen Fangversuchen aber bislang widersetzt. Foto: privat

Ein ehemaliges Mitglied wirft dem Katzenschutzverein Feline vor, sich nicht genug um kranke Tiere zu kümmern. Der Vereinsvorstand bestreitet das vehement.

Seit mehr als zwanzig Jahren gibt es mit dem Verein Feline im Affalterbacher Ortsteil Wolfsölden (Kreis Ludwigsburg)  eine Zuflucht für verwilderte, herrenlose Katzen, wo die Tiere von derzeit 19 Ehrenamtlichen mit Futter versorgt werden und im Bedarfsfall auch Pflege- und Heilungsmaßnahmen erhalten, wie es in der Satzung heißt.

 

Doch Letzteres wird jetzt von einer ehemaligen Ehrenamtlichen bezweifelt. Sibylle Müller sagt, die Samtpfoten würden nicht ausreichend versorgt. „Ich habe bei dem Verein angefangen, weil ich den Katzen etwas Gutes tun wollte“, sagt Müller. Am Anfang schien aus ihrer Sicht auch alles in Ordnung zu sein. Man werde von den ehrenamtlichen Fütterern eingewiesen. An einer Tafel in der Hütte hänge zudem eine Liste, welches der Tiere welche Versorgung mit Medikamenten erhalten müsse. „Ich habe darauf vertraut, dass die Leute sich auskennen.“ In einer WhatsApp-Gruppe tausche man sich zudem darüber aus, wenn jemandem unter den Ehrenamtlichen etwas auffalle.

Nicht alle Katzen sind gesund

Doch dann habe ihre Tochter, die ein paarmal mit zum Füttern gekommen sei, bemerkt, dass einige der Katzen Probleme mit den Ohren und auch mit den Zähnen hatten, was dazu geführt habe, dass sie nicht richtig fressen konnten. Hinweise darauf an die Vereinsvorsitzende hätten nichts bewirkt; sie habe nur zu hören bekommen, dass alles in Ordnung sei und sie sich im Übrigen raushalten solle, weil das nicht ihre Angelegenheit sei. Der Grund, warum sich Müller jetzt an unsere Zeitung gewandt hat, ist Kater Merlin. Der hatte im April des vergangenen Jahres eine kleine offene Stelle wie einen Kratzer in der Nähe des rechten Auges, im August war die Wunde schon größer, inzwischen hat sie sich geschwulstartig und blutrot deutlich zur Nase und zum Auge hin ausgebreitet. „Wie soll man, wenn man Tiere liebt, so was mit ansehen?“, sagt Müller. Sie hat wegen des Katers auch schon von sich aus einen Tierarzt kontaktiert, dem sie Bilder vorgelegt hat. „Er sagte, das müsse möglicherweise sogar operiert werden.“

Ein kranker Kater lässt sich nicht einfangen

Regina Heinrich, Vorstand von Feline, erklärt: „Wir wären gottfroh, wir könnten Merlin zu einem Tierarzt oder in die Tierklinik bringen. Aber wir können ihn nicht fangen, er ist einfach zu schlau für uns.“ Man habe mehrere Fallen ausprobiert, habe auch die Tierengel geholt, aber alles habe keinen Erfolg gehabt. Man habe sich sogar erkundigt, ob eine Betäubung mittels Blasrohr machbar sei, doch das sei verneint worden. An Sybille Müller schrieb Regina Heinrich, das sei eben der Preis der Freiheit. Fälle wie Merlin „werden nicht das erste und das letzte Mal sein, und wer das nicht ertragen kann, ist bei uns fehl am Platz.“

Die Vorsitzende betont, man kümmere sich sehr wohl um die ärztliche Versorgung der Tiere. „Letztes Jahr hatten wir Tierarztrechnungen über rund 4500 Euro.“ Merlin konnte zuletzt im Juli 2022 eingefangen werden, damals mussten ihm Zähne gezogen werden. Wegen der offenen Stelle, die eine Entzündung, aber auch ein Plattenepithelkarzinom sein könne, bekomme der Kater Antibiotika, die der Tierarzt anhand vorgelegter Fotos verschrieben habe.

Ist alles ordnungsgemäß dokumentiert?

„Da gibt es eine gewisse Grauzone“, sagt Heinrich und betont, dass ihr als Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin die Bedeutung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit Antibiotika bewusst sei. Es sei aber alles genau dokumentiert. Das bestätigt auch das Veterinäramt. „Die Dokumentation und Vorlage über tierärztliche Behandlungen inklusive Medikamentenmanagement hat stattgefunden“, teilt ein Sprecher mit. Außerdem seien Optimierungsmöglichkeiten zum Einfangen behandlungsbedürftiger Tiere besprochen worden. Und es wurde angeordnet, zwei der Katzen zum Tierarzt zu bringen, was auch geschehen sei. Die anderen Tiere seien ebenfalls in tierärztlicher Behandlung.

Die meisten Tiere werden übrigens mit Globuli versorgt. Ob diese wirken, wenn sie nicht ins Maul gespritzt, sondern nur ins Futter gegeben werden, ist umstritten, doch da die Tiere halb wild sind, gibt es keine andere Möglichkeit. Und bei einer notwendigen Medikamentengabe bleibe man so lange neben der Futterschüssel stehen, bis man sicher sei, dass sie von der richtigen Katze gefressen werden, versichern die beiden Vorstandsfrauen. Man habe auch keine schweren Fälle, sagt Heinrich. „Wir nehmen keine Katzen auf, die von vornherein krank sind und auch keine, die lebensnotwendige Medikamente brauchen.“

Dass Sibylle Müller von sich aus wegen Merlin einen Tierarzt aufgesucht hat, nehmen die Vereinsvorsitzenden ihr übel. „Aber für mich war der Knackpunkt, dass sie mich als Vorstand nicht darüber informiert hat, dass das Veterinäramt da war, obwohl sie bei dessen Besuch dabei war“, sagt Heinrich. Da sei einfach kein Vertrauensverhältnis mehr gegeben. Müller ist inzwischen nicht mehr Mitglied bei Feline. Und der Verein hat wegen der Vorwürfe und Anzeigen einen Anwalt eingeschaltet. „Wir wollen uns einfach weiter um unsere Miezen kümmern“, sagt Marianne Zimmermann.

Der Verein Feline in Wolfsölden

Gründung
Alles begann mit einem Umzug nach Baden-Württemberg, bei dem von jetzt auf nachher zehn Stubentiger untergebracht werden mussten. Möglich war dies letztendlich nur auf dem Grundstück in Wolfsölden, auf dem nicht nur ein Schuppen, sondern auch eine Hütte steht. Andere Katzen gesellten sich dazu, auch Tierheime aus der Nachbarschaft fragten an. Christine Kubeja finanzierte jahrelang alles aus eigener Tasche und stand deshalb kurz vor dem Aus. Deshalb wurde im Jahr 2009 der Verein Feline gegründet.

Katzen
Derzeit leben 15 herrenlose Katzen auf dem gemieteten Vereinsgelände. Die Mehrzahl davon kommt aus dem Tierheim Göppingen, das anfragt, wenn es dort nicht vermittelbare Samtpfoten gibt. Das Ludwigsburger Tierheim gibt keine Tiere mehr nach Wolfsölden ab.