In Katrine Engbergs neuem Thriller geht es mitunter blutig zu. Foto: Lukas Jenkner

Die Dänin Katrine Engberg hat mit „Blutmond“ ihren zweiten Thriller vorgelegt und unterhält die Leser mit einer gut konstruierten Geschichte, die sie spannend und lakonisch erzählt.

Kopenhagen/Stuttgart - Der Einstieg von Katrine Engbergs „Blutmond“ ist kernig: Eine Prostituierte bedient einen Freier in einem Park im winterlichen Kopenhagen, da torkelt auch schon der erste Sterbende blutüberströmt in die Szenerie, und Anette Werner hat mit ihrem Kollegen Jeppe Korner ihren nächsten Fall.

Dieser führt das Ermittlerduo, das auch dieses Mal von der rüstigen und gewieften Esther de Laurenti im Miss-Marple-Stil unterstützt wird, hinter die Kulissen der dänischen Haute Couture. Dort herrscht erwartungsgemäß weitaus weniger Bussibussi- und Sektlaune, als die schäumenden Partys und Modeschauen suggerieren. Die kleine Kopenhagener Modeszene ist randvoll mit Eifersüchteleien, handfesten Geschäftsinteressen und krimineller Energie.

Eine spannende und vergnügliche Lektüre

Ausgehend vom qualvollen Tod des Kopenhagener Modezaren Alpha Bartholdy entfaltet Katrine Engberg ein verschroben-liebenswertes Panoptikum Kopenhagener Figuren. Das reicht vom emotional verwirrten Polizisten über vom Heimweh geplagten, schwulen Chilenen bis zur Heilerin mit Kontakt zu mystischen Kräften und einsiedlerische Hausmeister mit Vergangenheit.

Engberg bereichert das Sujet des skandinavischen Thrillers um eine Art Light-Version von Henning Mankell und Jo Nesbo. Es geht kernig und unverblümt zur Sache, ohne dass es jemals so existenziell wie bei bei Mankell oderbrutal wie bei Nesbowird. Am ehesten erinnert die Kopenhagener Thrillerautorin an die gut konstruierten, augenzwinkernden Krimis von Jussi Adler-Olson.

Der ist ja ebenfalls Däne und offenbar scheint man im südlichen Skandinavien einen deutlich weniger ausgeprägten Hang zum Morbiden und Brutalen zu haben als im hohen Norden. „Blutmond“ ist eine spannende und vergnügliche Lektüre, die keinem weh tut.

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