Katrin Lasinski hat ihre Zwillinge vor der Geburt verloren und ihr eigenes Schicksal als Sternenmutter zur Lebensaufgabe gemacht. Auf vielfältige Weise steht sie mit ihrer Initiative Wolkenband anderen Betroffenen bei.
Katrin Lasinski weiß, wie es ist, wenn man Monate lang guter Hoffnung war und dann ohne Neugeborenes das Krankenhaus verlassen muss. 2017 starben ihre Zwillinge noch im Bauch. „In der 34. Schwangerschaftswoche blieben ihre Herzchen stehen.“ Die Ursache: das Fetofetale Transfusionssyndrom, kurz FFTS. „Das heißt, sie hatten zwei Fruchtblasen, aber nur eine Plazenta. Liam hat Noel gewissermaßen aufgegessen“, erklärt Katrin Lasinski, was hinter dem komplizierten Fachbegriff steckt. Dadurch war Liam über- und Noel unterversorgt.“ Die Problematik sei zwar bekannt und sie daher mit ihren Zwillingen in engmaschiger ärztlicher Überwachung gewesen, aber mit dem Tod der beiden hätten zu so einem späten Zeitpunkt in der Schwangerschaft selbst die Ärzte nicht mehr gerechnet.
Katrin Lasinski blieben nach dem Tod der Babys nur zwei Püppchen
Das einzige, was Katrin Lasinski danach blieb, waren die beiden Püppchen von einer Behindertenwerkstatt, die sie zur bevorstehenden Geburt in ihrer Frauenarztpraxis bekommen hatte. Genau ein Jahr später stand der Geburtstermin ihres dritten Sohnes bevor. „Da hat man mir dann vorher nichts mehr geschenkt, weil die Püppchen nur für lebende Kinder gedacht sind.“ Deswegen habe man mit Präsenten erst einmal abgewartet. Lion kam lebend zur Welt und bekam daher dann die Geschenke.
Lasinski brachte die Einstellung gegenüber Sterneneltern dennoch zum Nachdenken und auf eine Idee. „Ich habe angefangen Wolken zu nähen, und jeweils aus demselben Stoff passende Kleider für Sternenkinder“, erzählt die 36-Jährige, die zwei Jahre später mit Marlo noch einen weiteren Sohn bekam. Kleider und Kissen verteilte sie an Kliniken, um anderen Sterneneltern eine Freude zu machen und etwas zu geben, dass sie als „Seelentröster“ nach der Beerdigung ihres Kindes behalten können. Daneben habe sie begonnen auch Geburtskissen zu nähen, die in Länge, Kopfumfang und Gewicht eins zu eins dem jeweiligen Sternenbaby entsprechen. „Damit die Eltern was zum in den Arm nehmen haben.“
Wolkenband nennt Lasinski ihre Initiative
Wolkenband nennt Lasinski ihre Initiative, zu der auch die Gründung von Gesprächsgruppen für Eltern gehört, die ihre Kinder wie sie zu einem späteren Zeitpunkt in der Schwangerschaft verloren haben. Die erste Gruppe entstand in Waiblingen, Lasinskis damaligen Wohnort. Mit ihrem Umzug nach Ingersheim gab sie die Leitung an eine der Teilnehmerinnen ab. Inzwischen ist die Gesprächsgruppe online als Kursangebot der Familienbildungsstätte Waiblingen. Aktuell läuft ein solcher kostenloser Kurs bis Anfang Februar, zu dem man sich auf der Website der Familienbildungsstätte anmelden kann.
Katrin Lasinski hat derweil in ihrem neuen Wohnort einen weiteren Wolkenband-Gesprächskreis ins Leben gerufen. Die offene Gruppe trifft sich einmal monatlich im Gemeindehaus Großingersheim. Um anderen Betroffenen in ihrer Trauer noch besser beistehen zu können, bildet sie sich außerdem derzeit bei Hope’s Angel fort. Die von der Sterbe- und Trauerbegleiterin sowie Geburts- und Trauerdoula, Birgit Rutz, gegründete Organisation begleitet Familien sowie auch Fachkräfte bei frühem Kindstod vor, während oder nach der Geburt und nach schwerwiegenden pränatal-medizinischen Diagnosen.
Die Bezeichnung Wolkenband hat dabei eine tiefere Bewandtnis, wie Katrin Lasinski erklärt: „Als Sterneneltern fühlt man sich zunächst allein. Aber es gibt ganz viele Eltern mit ähnlichen Schicksalen.“ Sie zu einem Wolkenband zu verbinden und mit einander ins Gespräch zu bringen, das sei das Ziel ihrer Initiative. Zudem passe der aus der Meteorologie entlehnte Begriff auch zum Verlauf von Trauer. „Denn Trauer kommt und geht wie ein Wolkenband.“
Katrin Lasinskis jüngstes Projekt ist eine für die Weihnachtszeit geplante Aktion in Stuttgart, die sie gemeinsam mit der Trauerbegleiterin Cornelia Reiser-Neudeck aus Freiberg und der Hebamme Katrin Neher aus Stuttgart organisiert. Zum Start am Sonntag, 1. Dezember, möchte sie dabei mit anderen Sterneneltern einen Erinnerungsbaum am Fernsehturm mit personalisiertem Weihnachtsschmuck dekorieren, „um unsere Sternenkinder sichtbar zu machen“ – er wird bis zum gemeinsamen Abschmücken am 4. Januar im neuen Jahr zu sehen sein. Damit Sterneneltern sich austauschen und gemeinsam ihrer Kinder gedenken können, sind in den Wochen dazwischen mehrere Aktionen und Treffen geplant. „Denn gerade die Weihnachtszeit ist für Betroffene oftmals eine schwere Zeit.“
Der Erinnerungsbaum
Start
Los geht die Aktion am Stuttgarter Fernsehturm mit dem gemeinsamen Schmücken des Baums am ersten Adventssonntag, 1. Dezember, um 15 Uhr.
Gedenken
Am zweiten Advent, 8. Dezember, kann von 18.30 Uhr an im Rahmen des Worldwide Candle Lighting am Erinnerungsbaum Sternenkindern gedacht werden.
Austausch
Für den dritten Advent, 15. Dezember, sind Sterneneltern zum Sektfrühstück auf dem Fernsehturm von 10 bis 12 Uhr eingeladen. Zu Kaffee und Kuchen trifft man sich am vierten Advent, 22. Dezember. Wer an einer der Veranstaltungen teilnehmen möchte, sollte sich bei Katrin Lasinski anmelden per Mail an wolkenband@hotmail.com oder über ihren Instagram-Account wolkenband_lb._
Abschluss
Im neuen Jahr am Samstag, 4. Januar, endet die Aktion. Von 11 bis 14 Uhr wird der Erinnerungsbaum abgeschmückt.